Opera verteidigt sein Geschäftsmodell

"Wir haben viel Geld auf der Bank"

Dem norwegischen Browserhersteller Opera bläst ein kräftiger Gegenwind entgegen. Die größte Kritik kommt dabei ausgerechnet aus den eigenen Reihen. Über die Medien wurde dem CEO Jon von Tetzchner von nicht näher genannten Aufsichtsratmitgliedern ausgerichtet, dass man mit den Geschäftsergebnissen und der Entwicklung des Aktienkurses nicht zufrieden sei. Sogar über eine Ablösung wurde spekuliert. Nach dem Kräftemessen, das fünf der sieben Aufsichtsratmitglieder auf der einberufenen Aktionärskonferenz ihre Position kostete, geht Opera nun in die mediale Offensive. Indessen haben Analysten gewarnt, dass das Geschäftsmodell von Opera auf wackligen Beinen stehen könnte.

„Im Gegensatz zu dem aller anderen großen Player im Markt wie Microsoft, Mozilla oder Apple ist das Geschäftsmodell von Opera ausschließlich vom Ertrag seiner Browserprodukte abhängig. Das ist angesichts der schwierigen Marktsituation sicherlich nicht unproblematisch“, sagt Ian Fogg, Analyst bei Jupiter Research. Erschwerend komme hinzu, dass Opera im Kerngeschäft „Mobile Browsing“ mit Apple ein weiterer starker Konkurrent erwachsen sei, der nun in den Markt dränge. Darüber hinaus würden – inspiriert durch das Mozilla-Projekt – auch einige kostenlose Open-Source-Browserprojekte für mobile Geräte in den Startlöchern stehen, so Fogg.

„Nur weil unsere Konkurrenz mehr Geld mit anderen Produkten als ihren Browsern macht, heißt das nicht, dass wir mit unserem Modell nicht erfolgreich sein können. Der Wettbewerb war von Anfang an hart. Daran hat sich nichts geändert“, sagt Opera-Sprecher Tor Odland. Die mediale Posse rund um die Aufsichtsrat-Bestellung und die angebliche Intervention von CEO von Tetzchner hält Odland für übertrieben. „Eine Reduktion und Reorganisation des Aufsichtsrates war schon länger vorgesehen. Darüber hinaus ist der CEO – anders als berichtet – überhaupt nicht in der Lage, den Aufsichtsrat zu feuern. Er verfügt ja lediglich über 15 Prozent Anteil am Unternehmen“, so Odland, der auf den 80-prozentigen Zuspruch der Aktionäre verwies.

Auch den marginalen Marktanteil etwa im Desktop-Browserbereich sowie den sinkenden Aktienkurs kommentiert der Opera-Sprecher ungerührt. Natürlich wolle man den Desktop-Browser stärker unter die Leute bringen und die Aktionäre von einem hohen Kurs profitieren lassen. Letztendlich diktiere aber der Markt den Aktienwert, und über die Finanzen von Opera müsse man sich auch überhaupt keine Sorgen machen. „Wir haben viel Geld auf der Bank“, so Odland.

„Um erfolgreich am Markt bestehen zu können, muss Opera sich über die innovative Weiterentwicklung seiner Produkte stärker von der Konkurrenz abgrenzen“, sagt indes Jupiter-Research-Analyst Fogg. „Das innovative Feature, das den Opera-Browser von der Konkurrenz abheben könnte, sehe ich derzeit noch nicht.“

Themenseiten: Business, Opera Software

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1 Kommentar zu Opera verteidigt sein Geschäftsmodell

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  • Am 27. Juni 2007 um 20:18 von Gustav Grewe

    Unbegreifliches Geschäftsmodell von Opera
    Mir ist unbegreiflich, wie sich Opera am Markt halten will. Nach dem Erscheinen von Firefox verblieb Opera gerade mal 14 Tage auf meinem PC, bis der rote Panda die Führung übernahm. Damit erledigten sich die Opera-Darstellungsprobleme diverser Seiten.
    Zwischendurch erschienen neue Opera-Varianten, die hier jedes Mal getestet und als unbefriedigend abgelehnt wurden.
    Das Erscheinen nützlicher Erweiterungen für den Firefox, die u.a. die nervende Werbung unterdrücken, verschaffte diesem einen weiteren und zumindest bei bei meiner Familie uneinholbaren Vorsprung.

    Heute habe ich mit den Entwicklern von Opera nur noch Mitleid, die im Desktop-Bereich kein Bein auf den Boden kriegen. Kleine Erfolge im Mini-Browserbereich werden diesen gigantischen Misserfolg nicht ausgleichen können.
    Opera ist in der Sackgasse, treffender in Englisch ausgedrückt, in the dead end. Die mangelnde Fähigkeit zur Erneuerung der Opera Führungsetage untermauert diese These.

    All das hätte sich für Opera anders entwickeln können, hätte man sich statt auf Schicki-Mickis auf eine bessere und flexiblere Darstellung der Webseiten konzentriert.

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