Wallraff nimmt Callcenter unter Beschuss

Branchenexperten erzürnt über Undercover-Story

Enthüllungsautor Günter Wallraff ist nach einer langjährigen Schaffenspause wieder in verschiedenen Rollen unterwegs. Diesmal: Undercover im Callcenter. Seine ersten Rechercheergebnisse veröffentlicht er in der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Ich will zu Callon, dem zweitgrößten Vermarkter von Lotterielosen in Deutschland. Callon ist ein Callcenter, einer der Big Player in diesem neuen Wirtschaftszweig“, schreibt Wallraff und wertet seine Erlebnisse als branchentypisch: „Mehr als 5500 Callcenter gibt es in Deutschland. 400.000 Beschäftigte hatte die Branche 2006, in diesem Jahr werden vermutlich 40.000 Mitarbeiter hinzukommen. Es scheint, als seien Callcenter die Bergwerke der Neuzeit: Zigtausende arbeiten im Verborgenen, werden unsichtbar – und ihre Arbeitsbedingungen auch. Die Branche wächst schnell und verändert sich rasant: Nur noch ein Drittel der Firmen ist mit sogenannten Inbound-Geschäften betraut, nimmt also im Auftrag eines Unternehmens Anfragen, Beschwerden oder Anregungen von Kunden entgegen. Zwei Drittel widmen sich teilweise oder vollständig dem Outbound: Verkaufsgeschäften. Allgemein bekannt ist, dass diese Call Center Lottolose und Zeitschriftenabonnements verkaufen. Weniger bekannt ist, dass sie im Grunde mit allem Möglichen handeln: mit Nahrungsmitteln, Versicherungsverträgen und Hedgefonds. Was auch immer sie verkaufen: In aller Regel ist es überteuert. Fast immer ist der Kunde der Betrogene. Die Callcenter rufen tagein, tagaus bei den Deutschen an – in der Regel ungebeten“, so Wallraff.

Das von ihm inspizierte Unternehmen Callon sei kein schwarzes Schaf, jedenfalls nicht nach dem „Ehrenkodex“ der Branche, den das „Call Center Forum Deutschland„, einer der beiden Lobbyverbände, 2006 festgeschrieben hat. Der Text zitiere zwar das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, eine Kritik am „Cold Call“, dem Anruf ohne vorherige Einwilligung, sucht der Leser jedoch vergebens. „Nach meinem zehnstündigen Probetag bei Callon wird mir einige Tage später mitgeteilt, dass man ‚trotz meiner Qualifikation aufgrund der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen‘ eine Festanstellung nicht anbieten könne“, formuliert Wallraff.

Diesen Statements widersprechen allerdings Branchenexperten: „Wallraff sind eklatante Missgeschicke bei der Recherche unterlaufen. Die Relation von Inbound und Outbound ist schlichtweg falsch, und den Ehrenkodex Telefonmarketing hätte Wallraff auch genauer lesen müssen. Eine aktuelle Studie der Firma Aspect hat gerade im Frühjahr dieses Jahres aktuelle Zahlen ermittelt. Der Anteil der Outbound-Aktivitäten lag 2005 lediglich bei 23 Prozent und ist in diesem Jahr auf gut 28 Prozent gestiegen. Noch nicht einmal ein Drittel der täglich 20 Millionen Kundenkontakte in Callcentern erfolgen im Outbound, und auch davon nur ein Teil rein verkaufsorientiert“, sagt Call-Center-Forum-Präsident Manfred Stockmann.

Der Ehrenkodex seines Verbandes regelt eindeutig, dass es unlauter sei, einen Verbraucher ohne dessen Einwilligung zu Werbezwecken anzurufen. Um Verstöße zu ahnden, werde eine zentrale Beschwerdestelle eingerichtet. Ein Gütesiegel solle außerdem für Auftraggeber transparent machen, wer sich an den Kodex hält. „Auch die von Wallraff dargestellte Probearbeit widerspricht ganz klar dem Ehrenkodex und dem geforderten fairen Umgang mit Mitarbeitern“, sagt Stockmann. Das von Wallraff besuchte Unternehmen Callon sei zudem gar nicht Mitglied im Call Center Forum. Nach Auffassung von Jens Klemann, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Strateco, finde man in jeder Branche unseriöse Geschäftsleute, die sich ohne moralische Skrupel auf Kosten der Allgemeinheit bereichern wollen: „Im reinen Verkaufsgeschäft tummeln sich auch Betrüger, die aufgrund ihrer Geschäftspraktiken häufiger Namen und Firmierung wechseln. Das hat mit dem Dienstleistungsgeschäft der Branche aber nichts zu tun. Das Gros der seriösen Anbieter legt den Schwerpunkt klar auf den Kundenservice.“

Dass in der Callcenter-Branche wie in allen Branchen schwarze Schafe zu finden sind, lässt sich nach Erfahrungen des Peronalberaters Marc Emde, Geschäftsführer von Kirchconsult http://www.kirchconsult.de in Köln, nicht vermeiden: „Doch Herr Wallraff hat sich von vorneherein eines der Schwärzesten herausgesucht, um in populistischer Manier die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dass in seiner Beschreibung vielfach sachliche Angaben nicht stimmen, kommt noch erschwerend hinzu.“ Insgesamt sei der Rundumschlag unverständlich. „Was spricht gegen 400.000 neue Arbeitsplätze und zehnprozentige Wachstumsraten? Vor allem in Zeiten, in denen die „guten alten Fabriken“ Personal abbauen, Werke schließen oder ins Ausland verlagern? Er selbst beschreibt die Callcenter als staubfrei. Sie seien im Vergleich zu Bergwerken, auf die Wallraff sich bezieht, ohne Gesundheitsrisiken und Unfallgefahr. Man solle die Chancen der Informations- und Wissensgesellschaft nutzen und nicht eine komplette Branche diskreditieren. „Wer soll sich um den Kundenservice in Deutschland kümmern – wenn nicht Mitarbeiter, die ein Telefon bedienen, in dem Thema ausgebildet sind und Kunden ihre Anfragen beantworten. Lieber Herr Wallraf, Sie gehen nicht mit der Zeit. Lernen Sie, zu differenzieren und versuchen Sie einfach mal, guten Journalismus zu praktizieren“, so Emde.

„Wallraff bewegt sich noch in der Callcenter-Steinzeit. In der Regel werden Callcenter in die Gesamtstruktur eines Unternehmens integriert, um einen Kundenservice mit hoher Qualität zu garantieren. Firmen, die über Kaltanrufe nichts anderes praktizieren als Drückerkolonnen beim Verkauf von Staubsaugern oder Zeitschriften, sind nicht überlebensfähig und schon gar nicht repräsentativ“, sagt Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business. Das Callcenter sei die wichtigste Schnittstelle zum Verbraucher, und die Qualität des Kundenkontaktes entscheide über das Renommee eines Unternehmens. „Und wer hier verbrannte Erde hinterlässt, wie es Wallraff in seiner Undercover-Recherche schildert, wird vom Markt gefegt.“

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32 Kommentare zu Wallraff nimmt Callcenter unter Beschuss

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  • Am 31. Mai 2007 um 13:35 von Kommunistenhasser

    Versager!
    Wahrscheinlich ist dieser "Berufsrevolutionär" pleite und/oder buhlt um Medien-Aufmerksamkeit, die rapide abgenommen hat, seit er nicht mehr von der Stasi/DDR subventioniert wird und seinen Schund veröffentlichen kann.
    Wahrscheinlichste Variante ist allerdings, dass er nach ’nem Job gesucht hat und als Callcenter-Agent grandios gescheitert ist. Kann mir schon vorstellen, wie der verbiesterte alte Mann Anrufer und Angerufene vollgemotzt und mit Propaganda zugeschleimt hat.

    • Am 1. Juni 2007 um 9:09 von Kommieliebchen

      AW: Versager!
      Oh, da hat sich wohl ein Betreiber angesprochen gefühlt. Vieleicht sollten Sie statt dem Call- doch wieder Ihr altes Geschäftsmodell mit dem Eroscenter überdenken;-)

    • Am 1. Juni 2007 um 16:22 von Kommunistenhasser

      AW: AW: Versager!
      Nee, Süße. Die Wahrheit ist viel einfacher: Ich hasse diesen bigotten, stets übelgelaunten Nestbeschmutzer, der mit der Gegenwart (und Zukunft) Deutschlands nicht mehr klarkommt!

  • Am 31. Mai 2007 um 14:10 von Rumble

    Die Aussagen der Verbandssprecher sind tlw. unsinnig.
    Soso, Callcenter werden in Unternehmen integriert, Herr Emde? Woher kommen dann 400000 Arbeitsplätze, 40000 neue in diesem Jahr? Warum will die Telekom das unbedingt ausgliedern? Eine derartige Schönschmiererei übelster Verhältnisse und Arbeitsbedingungen habe ich, unabhängig von meienr Meinung über Hr. Wallraff, schon lange nicht mehr gesehen. Gemessen an dem, was ich für Probleme habe, ein Service-Callcenter zu erreichen und wieviele komplett unerwünschte und illegale Cold Contacts ich erhalte, – teilweise mit glatter Betrugsabsicht – neige ich dazu, Hr. Wallraff zuzustimmen.

    Darüber hinaus sind die genannten Mitarbeiterzahlen mindestens euphemistisch. Die meisten Callcenter arbeiten im Auftrag – die entsprechenden Arbeitsplätze in den auftraggebenden Unternehmen sind weggefallen. Toller Zuwachs, Gesamtbilanz volkswirtschaftlich Null oder schlechter.

  • Am 31. Mai 2007 um 16:03 von Thomas Hürlimann

    Callcenter sind ein Übel
    Es ist ja schön wenn neue Arbeitsplätze gechaffen werden. Aber Wallraff hat Recht und die Rechtfertigungsversuche dieser Vertreter der Branche kläglich gescheitert, denn was diese Typen da behaupten ist schlicht nicht wahr. Ich war selber im Management einer solchen "seriösen" Firma.

    • Am 5. Juni 2007 um 16:55 von ZDNet-Redaktion

      AW: Callcenter sind ein Übel
      Hallo Herr Hürlimann,

      wir hätten eine Rückfrage – könnten Sie die ZDNet-Redaktion bitte bei Interesse telefonisch oder per E-Mail kontaktieren? Tel. (089) 255 55-743; E-Mail: de.presse@cnet.com

      Vielen Dank

  • Am 31. Mai 2007 um 18:02 von Harald Seyffert

    "Unseriös" ist noch stark untertrieben
    Ob Outbound Call Center "unseriös" sind, steht nicht in Zweifel. Was zu entscheiden bleibt ist höchstens, ob es sich "nur" moralisch oder auch juristisch um Betrug handelt bei diesen Unternehmen. Ich habe selbst täglich hunderte von Menschen telefonisch belästigt. Menschen, die ihre Daten niemals dafür freigegeben haben.

    Ganz egal, ob ihnen SKL (immer unter der Fahne von Herrn Jauch), Lotto-Scheine, Reise-Gutscheine oder Putzmittel angedreht werden sollen … immer und ausnahmslos sind schlimmste Drückermethoden im Spiel. Die Schulung beim Outbound kann man nur noch als menschenverachtend bezeichnen ganz egal, was die Verbandssprecher dazu sagen (was sollen sie auch außer Rechtfertigungen vorbringen?).

    Wallraff hat nur die Spitze des Eisbergs angekratzt und Recht damit, dass "Menschen zu Betrügern ausgebildet" werden. Es geht hier besonders um zwei Dinge: Erstens muss dringend per Gesetz geregelt werden, dass Verbraucher nicht weiterhin unter obskuren, haarsträubenden Begründungen unaufgefordert angerufen werden dürfen, um ihnen sonstwas anzudrehen.

    Zweitens aber muss man auch dringend darüber reden, dass Arbeitsämter eine Unzahl Arbeitssuchender an solche Outbound Call Center vermittelt, wo diese typischen Verlierer der globalisierten Welt dann eine glatte Misere verdienen, selbst wenn sie gut(e Betrüger) sind.

    Der nationale Gesetzgeber ist hier ebenso gefragt wie die EU meiner Meinung nach. Denn wer Wallraffs Artikel für übertrieben hält, sollte schleunigst in einem Outbound Call Center anfangen – spätestens dann stehen ihm die Haare zu Berge!

  • Am 1. Juni 2007 um 11:27 von Peter

    Arbeitsrechtlich bedenklich
    Zumindest in einem Berliner Callcenter hatte sich ein zartes Pflänzchen Betriebsrat bilden wollen, woraufhin allen, die daran beteiligt waren, fristlos gekündigt wurde (auch aus meinem Freundeskreis). Das ganze endete noch vor Gericht mit Abfindungszahlungen. Schade, denn solchen gesetzlosen Ausbeutern sollte von Rechts wegen der Laden dicht gemacht werden.

  • Am 1. Juni 2007 um 19:23 von Frank Alker

    Wallraff
    Hallo, wenn das alles Lug und Trug ist mir NKL SKL und Ko KG warum macht dann Günter Jauch eien 5 Millionen SKL Show ? Warum steht auch Michael Schanze als Webepartner für die NKL ? Und wie viele Lotto Könige hat der Lotterie anbieter Günter, Tamke, Bösche gekrönt ? Ich finde das alles völlig legetim, und ab und zu habe ich auch schon erfreuliche anrufe von Call-Centern gehabt, z.B ein Dienstleister von T-Mobile ! habe ein Tob Vertrag erhalten ! Und wenn mein Abo der Fernsehzeitung abläuft bin ich schon gespannt auf meine Prämie, die letzte war ne coole Diggi-Cam !!! Also immer Locker bleiben lieber Ali !!!!
    Oh und nicht zu vergessen, was ist denn wenn Ihr PC mal abstürzt ? Sie kein Wlan empfangen ? Ein Mensch der Ihnen nahe steht bei Quelle Neckermann, Otto oder sonst wo anruft ums was zu bestellen ? Lieber Herr Wallraff wo rufen Sie und Ihre Freunde an ? Oder schon mal Ihren Kontostand für Ihr Tagesgeldkonto per Tel gecheck ?
    Ich schlage vor mal alle Call-Center in Deutschland für einen Tag dicht zu machen, aber am besten dann wenn Sie mal ein Taxi brauchen !!!!
    Lieber Herr Wallraff, das Leben hat immer zwei Seiten, Sie sind ein Mensch der mich immer wieder interessiert, ein Mensch der mich neugierig macht,und auch schon sehr vieles bewegt hat.
    Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken sehe allerdings Ihren Bericht über die Call-Center Betreiber aus einer anderen Sicht, jedoch schwarze Schaafe gibt es überall, schade dass Sie nur über diese berichten und verbleibe mit freundlichem Gruß
    Frank Alker

    • Am 1. Juni 2007 um 21:18 von Harald Seyffert

      Für Frank Alker
      Sehr geehrter Herr Alker,

      ich weigere mich zwar, dümmlichen Flachstirnen wie dem "Kommunistenhasser" zu antworten, Ihnen jedoch antworte ich gerne.

      Sie verwechseln in Ihrem Text mehrfach Inbound- und Outbound-Center. Während viele Inbound Center (solche, die sich um die Kunden eines Unternehmens kümmern) tatsächlich sauber arbeiten – alles andere würde auch dem Ruf des jeweiligen Unternehmens schaden -, gibt es leider unter den Outbound-Centern wirklich so gut wie keine "weißen Schafe". Da sind fast ausnahmslos gewissenlose Drücker am Werk, die mit Methoden hart am Rande der Legalität und oft weit jenseits dieser Legalität den belästigten Angerufenen Putzmittel, Lotterie-Lose oder sonstwas aufschwatzen wollen.

      Die Telefonisten dieser Outbound-Center werden darauf geschult, jeden Einwand des Kunden abzuwiegeln oder schlicht zu überhören. Ganz egal mit welcher Methode – nur der Abschluss zählt. Dabei nimmt man in Kauf, dass die Storno-Raten bei bis zu 90 Prozent liegen. Je mehr Drücker-Abschlüsse am Telefon, desto mehr bleibt am Ende hängen.

      Tausende von Oubound-Center-Agenten werden Ihnen meine Worte gerne bestätigen. Sie fühlen sich nicht selten sehr mies bei ihrer Tätigkeit und suchen händeringend nach anderen Jobs.

      Glauben Sie also nicht an die "Schwazen Schafe, die es überall gibt"! Outbound-Center gehören alle dazu! Damit hat Wallraff absolut Recht!

    • Am 7. Juni 2007 um 10:43 von OK

      AW: Für Herrn Seyffert und Herrn Alker
      Hallo Herr Seyffert,
      ich muss mich mal mit einmischen und bin mir sicher, dass auch ich nicht in die Kommunisten-Hasser-Gruppe falle. Sicherlich muss man klar zwischen In- und Outbound trennen. Aber was sagt Herr Alker aus mit der Aufzählung der Aktivitäten höchstpromninenter Mitmenschen? Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Es sind die gleichen Konzerne, die sich im Inbound sorgen um ihren Ruf machen, die ihre Adressen nach inzwischen fast völlig automatisierten Selektionkriterien für Outbound-Projekte jeglicher Art "verscherbeln". Dabei ist deutlich zu beobachten, dass die Konditionen, in den letzten 3 Jahren, besonders immer weiter gedrückt werden. So wird genau der Effekt, den sie beschreiben, also quasi "die Masse macht das Geschäft" forciert. Welche Konzerne hinter dem massenhaften Adresshandel stecken? Gegenfrage: Welche Konzerne verfügen über detaillierte Adressdatenbanken? Bei welchen Konzernen ist es Pflicht, die Kontodaten vielleicht noch samt Geburtsdatum anzugeben, um überhaupt Kunde zu werden!

      Die Kritik von Herrn Wallraff kann ich nachvollziehen, aber was ist sein Ziel ? Ich weiss es nicht, ich kann nur vermuten, welches Ergebnis die Diskussion haben wird, die übrigens immer dann stattfindet, wenn sich die wirtschaftliche Lage bessert.
      Also zu meiner Vermutung: Die allgemeine Stimmung gegenüber Call-Center-Anrufen wird sich weiter drastisch verschlechtern. Das Verkaufen wird immer schwerer. Rein rechnerisch muss das dazu führen, das "noch mehr Masse" gemacht werden muss oder die Verkaufkonditionen gedrückt werden müssen. Solange es keinen Mindestlohn gibt, kann und muss die CC-Branche das bei der momentan doch immer noch schlechten Arbeitsmarktlage noch sehr lange immer so an die Agenten weitergeben. Eine Idee wäre auch eine aktivere Kontrolle der Einhaltung von Datenschutzrichtlinien…. Da passiert kaum etwas spürbares.

      Ein wenig muss man auch beachten, dass viele Kunden, die sich über "ungebetene Anrufe" empören, ihre Adressen völlig fahrlässig bei absolut durchsichtigen Gewinnspielen hinterlegen und die Werbeklausel auch noch bestätigt lassen.

      Ich möchte die Agenten in Schutz nehmen, denn die kriegen momentan alles ab. Diese Agenten stehen immer noch am Rande der Gesellschaft. Obwohl sie eines können, was die, die sich am lautesten über Anrufe beschweren nicht bedenken: Sie können verkaufen und überzeugen. Wenn man in seiner Verwöhntheit nicht in der Lage ist "NEIN" zu sagen, dann beschwert man sich am besten über den, der gefragt/ angeboten hat!?

      Viele CC ereifern sich jetzt, alles, was Herr Wallraff schreibt als unwahr zu brandmarken. Daran erkennt man schon, unter welchem Druck sie stehen, denn sie könnten die Kritik auch zumindest tewilweise weitergeben.

      Ich bin gespannt auf eine Antwort.
      Gruß
      OK

    • Am 8. Juni 2007 um 13:59 von Anonym

      Antwort
      Eins ist jawohl klar, mann muss unterscheiden, bin ich Kunde bei einer Bank und werde angerufen oder bekomme ich einen Cold Call. Ich denke Sie wären sehr genervt wenn von morgens bis abends das Telefon klingelt, und Jemand möchte Ihnen etwas verkaufen. Er ist quasi gezwungen Leistung zu erbringen und erzählt Ihnen nur die Hälfte. Ich mache Tag für Tag diese Erfahrungen. Menschen über den Tisch zu ziehen, junge Menschen in die Schuldenfalle zu locken, ungezahlte Beiträge einzutreiben und Abos/Lose zu verkaufen. So ist das in einem Call Center, es geht nur um Leistung.

  • Am 2. Juni 2007 um 19:42 von Georg Hoffmann

    Wallraffs Sicht der Callcenter
    Ich habe in drei Call Centern mehrere Monate nebenberuflich gearbeitet und kann die Einsichten des Journalisten Walraff nur bestätigen. Personell gespeist aus einem Heer verarmter und teilweise total verängstigter Arbeitsloser schreibt einem der Arbeitgeber die Argumentations – und Handlungsweise, ja sogar die Denkweise im Umgang mit den Kunden auf brutalste Weise vor. Über sog. CRM-Systeme gelingt es dabei, den Arbeitnehmer nahezu vollständig transparent zu machen. Meiner Meinung nach nehmen die zumeist jungen CCAs in hohem Maße Schaden an Leib und Seele – wen interessiert´s. "Die Würde des Menschen ist unverletzlich" degeneriert zu einem Vertreterwitz am Rande.
    mfg
    Georg Hoffmann

    • Am 5. Juni 2007 um 16:51 von ZDNet-Redaktion

      AW: Wallraffs Sicht der Callcenter
      Hallo Herr Hoffmann,

      wir hätten eine Rückfrage – könnten Sie die ZDNet-Redaktion bitte bei Interesse telefonisch oder per E-Mail kontaktieren? Tel. (089) 255 55-743; E-Mail: de.presse@cnet.com

      Vielen Dank

    • Am 8. Juni 2007 um 13:39 von Anonym

      AW: Wallraffs Sicht der Callcenter
      Auch ich kann diese Meinung absolut bestätigen. Ich arbeite seit 2 Jahren in einem Call Center im Raum Hannover, und versuche aus dieser Hölle zu entkommen. Bei uns stehen Nervenzusammenbrüche und andere Krankheiten an der Tagesordnung. Es wird gelogen und betrogen. Ich kann nur jedem davon abraten jemals in einem Call Center anzufangen !!!!!!!!

    • Am 6. Dezember 2007 um 4:13 von A. Nonymous

      AW: Wallraffs Sicht der Callcenter
      Ich kann gut verstehen, dass wenn man von einem Hund gebissen wurde, möglichst alle Hunde am liebsten wegsperren oder sogar einschläfern lassen möchte.

      Aber nicht alle Hunde sind bissig. Und manchmal (naja, "manchmal") ist vielleicht auch gar nicht der Hund schuld.

      Um meine Ansicht und Erfahrung zu diesem Thema etwas näher zu erläutern, habe ich einen eigenen Kommentarfaden eröffnet.

  • Am 10. Juni 2007 um 18:58 von anonym

    AW: Wallraffs Sicht der Callcenter
    Ich stimme Hr Wallraff vollkommen in seinen Aussagen zu. Nach Gott sei Dank nur kurzer Call-Center Tätigkeit erfuhr ich wie dort angebliche Kunden von einem Versandhaus mit Uralthandys gekötert wurden um dann einen Abovertrag abzuschliessen, aus diesem sie dann nur wieder schwer herausauskamen. Auch da wurden den Kunden vorgelogen das die Bankdaten ja vorliegen usw, denn sie sind ja angeblich Kunden bei dem Versandhaus der diese Aktion startet. Das Ganze wurde noch unter dem Deckmantel eines Dankeschöns an die armen Menschen verkauft. Wenn ein Agent nicht die erwünschten Abschlüsse brachte, oder die sogenannten *gewinnbringenden* Abos verkaufte gab es persönlichen Druck in Formen von Mitteilungen über den PC die sogar dann solche Worte wie eleminieren enthielten. Auf Abmahnungen folgten unbegründete Entlassungen, ebenso wie im Krankheitsfall, da dies ja immer während der Probezeit geschieht, denn länger hält es da kein normaler Mensch aus. Neueinstellungen sind die Folge dieser tollen Geschäftsführung, bis dann diese Mitarbeiter wieder schnell bemerken in welchem chaotischen Umfeld sie sich befinden. Toilettengänge oder Sonstiges werden auch nicht gestattet, ausser man stempelte sich hierfür aus. Ein Sklave auf jeder Galeere hat ein schöneres Leben. Es bleibt nur zu hoffen das es sich weiterhin so herumspricht wie dieses sogenannte *Call-Center* aus Buchholz mit einer Zweigstelle im Harz arbeitet, denn dann bleibt einigen Arbeitssuchenden sehr viel erspart.

  • Am 10. Juni 2007 um 22:01 von Harald Seyffert

    Hallo, Herr oder Frau "OK" :-)
    Was Sie schreiben, ist nicht zu beanstanden, ich kann es höchstens etwas erweitern:

    1. Es ist schon FAST egal, ob Sie Ihre Adresse bei Gewinnspielen angeben oder nicht. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Deutsche Post ihre Adresse und Telefonunummer sowieso verkauft, wenn Sie einen Nachsendeantrag stellen?
    Oder wussten Se, dass dasselbe passiert, wenn Sie sich beim Einwohnermelde-Amt anmelden? Unglaublich, aber wahr. Da steht zwar klein etwas von einem "Merkblatt", das man sich zusätzlich geben lassen kann, aber wer tut das? Und wenn Sie es nicht tun, wissen Sie auch nicht, dass Sie ein Widerspruchsrecht haben, und wie Sie es wahrnehmen können.
    In beiden Fällen -und das sind nur wenige Beispiele – ist Ihre Adresse samt Telefonnummer im Call Center gelandet.

    Ich kann nur empfehlen, zivilen Ungehorsam zu leisten. Nicht etwa mit der Trillerpfeife, die in der Kerner-Sendung erwähnt wurde, das ist gesundheitsschädlich für Call Center Telefonierer, die wirklich am allerwenigsten schuld sind.
    Aber sehr wohl mit dem "Callcenter-Gegenscript", das Sie zum Beispiel hier abrufen können.
    http://publizistik-in-berlin.de/index.php/2005/06/25/p310

    Generell ist festzustellen: Es gibt kein seriöses Outbound-Callcenter, weil das nicht mal theoretisch möglich ist. Deswegen sollte auch das Gefasel von den "wenigen Schwarzen Schafen" unbedingt aufhören. Und selbst unter den Inbound-Centern gibt es inzwischen genügend unseriöse Verkaufsmethoden, um auch diese Unternehmen nicht mehr grundsätzlich zu schonen.

    Schon deswegen freue ich mich am kommenden Dienstag auf den erneuten Wallraff-Auftritt bei Kerner! :-)

  • Am 24. Juni 2007 um 12:17 von Peter

    Callcenter
    In unserem Callcenter wird relativ seriös gearbeitet. Abos werden z.B. nur bestehenden Kunden oder aber Leuten, die schriftlich Interesse gezeigt haben und mit Anrufen einverstanden sind, angeboten.

    Allerdings ist hier, ähnlich wie in Bergwerken, ein hohes gesundheitliches Risiko. Wer diesem widerspricht, kann nur ein Privattelefonierer sein. Durch das ständige Sprechen in meist zu eng belegten Räumen, in denen es zu laut, zu stickig und zu warm ist,werden Kopfschmerzen, Kehlkopfentzündungen, BurnOut-Syndrom usw. normal. Die Callcenterbranche hat nicht umsonst den höchsten Krankenstand in Deutschland…

  • Am 27. Juni 2007 um 11:21 von Sandra

    Mal offen über den "armen Angerufenen" sprechen
    In der Tat ist es nicht seriös, Personen anzurufen, die keine Einwilligung gegeben haben. Aber sprechen wir doch mal über den "armen Angerufenen"! Er nimmt regelmäßig an Gewinnspielen teil und hinterläßt in der Regel seine Telef.. Auf den Karten steht, das er zu Werbezwecken angerufen werden kann. Aber die "Gier" nach einem Gewinn ist höher als die "Vorsicht" und somit kann er sich Wochen später nicht mehr daran erinnern, das er seine Telef.Nr. preiß gegeben hat.Wenn halt die Karibik oder das schnelle Auto lockt, denken viele nicht mehr nach! Schade ist nur, das alle Call Center dadurch in einem schlechten Licht stehen! Darüber sollte man mal nachdenken, wenn man wiedermal den Kundendienst für seine Waschmaschine anruft. Da ist man sicherlich froh, eine nette und freundliche Stimme zu hören.

  • Am 11. Juli 2007 um 22:43 von Jochen Wilfert

    call-center
    seit laengerem arbeite ich auch in call-centern. ich finde die momentane diskussion wichtig und kann die reflexartige gegenreaktion der im call-center beschaeftigten oder betreiber auch nicht nachvollziehen. mensch, eine kontroverse diskussion bringt uns doch allen was! vor 10 jahren war die zeitarbeitsbranche total verpoent, bis sie sich irgendwann einmal tarifvertraege gegeben haben. ich hoffe dass dieser prozess jetzt auch hier einmal in gang kommt. das kann nur durch harte pro-contra-diskussion geschehen. wenn es endlich mal einen gesetzlichen mindestlohn gibt, verschwinden auch die schwarzen schafe von selbst.

  • Am 19. Juli 2007 um 23:00 von michael

    lieber martin
    ich glaube sie leben in einer anderen welt. 90% der anrufe, von call-centern wollten mir etwas verkaufen oder um spenden betteln. also wo ist das weiße scharf? ich empfinde jeden ungewollten anruf als belästigung! sie etwa nicht. da versuchen menschen mich am telefon zu manipulieren und irgendwelche einkäufe zu tätigen.
    also ich glaube sie sind nicht auf der höhe der zeit und wissen nicht mit welchen methoden die call-center-mitarbeiter zuschlagen.

    fazit: günter hat mal wieder die schlimmsten missstände auf sehr unterhaltsame art aufgedeckt.

    gruss michael

  • Am 13. September 2007 um 18:48 von Günter Zint

    Callcenter
    Ich stehe mehrfach im Telefonbuch da ich in verschiedenen Berufen arbeite. Daher bekomme ich auch mehr Anrufe von Callcentern. Bis zu 10 Anrufe habe ich schon an einem Tag gehabt. Ich habe noch nie Lotto gespielt und mache auch keine Gewinnspiele. Trotzdem behaupten die Anrufer ich sei auf ihrer "Kundenliste". Dreiste Lügner sind das, die mir manchen Tag verderben. Das grenzt an Körperverletzung. Wann unternimmt Frau Cypris endlich was gegen diese "Seuche".

  • Am 3. November 2007 um 11:54 von kepler

    tele 2 terror
    seit 2006 werden meine über 80-jährigen Eltern von diesen Tele 2 – Gangstern terroriert. Widersprüche mit Einschreiben-Rückschein usw. haben nichts genutzt!Ich habe jetzt die Verbraucherzentale in Stuttgart eingeschaltet!!! Wegen doppelter Telefonrechnungen usw. – Herr Wallraff hat übrigens Recht, wenn er sich dafür einsetzt, solchen unlauteren Machenschaffen das Handwerk zu legen. Bravo, Herr Wallraff und weiter so!!!

  • Am 26. November 2007 um 18:58 von kepler

    tele 2 und Call-Center
    an Sandra
    schon mal was von cold call`s gehört??
    Hier werden alten Menschen Verträge aufgezwungen ohne daß die sich wehren können.! Schämt euch.

  • Am 26. November 2007 um 19:39 von kepler

    an Kommunistenhasser
    so einen verquirlten Mist kann man selten lesen. Wir können froh sein, dass es Leute wie Günter Wallraff überhaupt gibt!!!

  • Am 6. Dezember 2007 um 4:04 von A. Nonymous

    Wallraff und ich.
    Mir ist absolut klar, dass wirklich ein großer Teil der Outbound Callcenter fragwürdige Geschäftspraktiken an den Tag legt. Das ist aber auf keinen Fall grundsätzlich so. Ich selbst arbeite in einem reinen Outbound Callcenter, das Teil eines großen Versandhandelsunternehmens ist.

    Es werden ausschließlich Bestandskunden angerufen, um Vorteilsaktionen, Kundenbefragungen, Lieferverzögerungs-Entschuldigungen, Provisionsmitteilungen, Informationen zum Kundenkonto und ähnliches zu kommunizieren.

    Gefühlte 98% aller angerufenen Kunden sind sehr erfreut über den Inhalt der Gespräche. 1% ist grundsätzlich wegen allem und jedem genervt und das übrige 1% war leider bisher noch nicht weitsichtig genug, sich mal über die Darstellungen von Leuten wie Herrn Wallraff hinaus mit der Thematik auseinander zu setzen.

    Ich finde es immer wieder schade, wenn Leute sich eine Meinung von anderen einprägen lassen, ohne sie sich fundiert selbst zu bilden.

    Zum Thema Arbeitsbedingungen im Callcenter: Große Fenster mit Blick ins Grüne, ergonomische Büromöbel und EDV, immer ausreichend heiße und kalte Getränke, großzügige Pausenzeiten und hervorragende Sozialleistungen (betriebliche Rente, Personalrabatte, Urlaubs- & Weihnachtsgeld, überdurchschnittliche Urlaubstageanzahl, regelmäßige Mitarbeiterfeste, Betriebssport, Yoga, Zuschüsse zu Sehhilfen und Nahverkehrstickets …) sind ja schön und gut – aber letztendlich mache ich den Job einfach gerne, weil er sehr entspannt ist und einfach jeder ehrlich zurücklächelt, wenn er ehrlich angelächelt wird. Das sehe ich jeden Tag sowohl bei Kunden wie auch bei Kollegen.

    Die Darstellungen von Herrn Wallraff mögen auf einige andere Callcenter zutreffen. Ich kann sie bisher aus meiner Erfahrung heraus jedoch nicht bestätigen.

    Aufrufe, Callcenter-Agenten mit Trillerpfeifen zu "vergraulen", sind in meinen Augen Anstiftung zur Körperverletzung. Und schlichtweg kindisch.

    • Am 26. Mai 2008 um 15:14 von rosi

      AW: Wallraff und ich.
      dann arbeitest du ja wohl im paradies. pausen, weihnachts- und urlaubsgeld, dass ich nicht lache. mit hartz4 leben viele besser!!!

  • Am 13. Dezember 2007 um 22:26 von Jan r.

    Passender Bericht auf Youtube
    Habe einen passenden Bericht dazu gefunden:
    http://www.youtube.com/watch?v=_38syae85NU

  • Am 17. Februar 2008 um 12:36 von kepler

    Callcenter
    Es sollte viel mehr über die Machenschaften der Callcenter an die Öffentlichkeit gelangen – die angeblich positiven Aussagen über Callcenter ( Outbound) sind sehr wahrscheinlich nicht ganz korrekt. Was bekommen sie wohl dafür???

  • Am 3. April 2008 um 18:22 von kepler

    call-center
    Heute ist der 3. April 2008 und keiner von allen Beteiligten in der Diskussion über Call-Center hat sich bisher in irgendeiner Weise über Call-Center geäußert. Schade, Schade, Schade Kepler

  • Am 23. Mai 2008 um 11:16 von annonym

    Call Center
    also, ich habe einen bekannten auf rügen, der kürzlich dort im call center angefangen hat. verdienst ist 6,50 €/std. die arbeitszeiten liegen zwischen 6-2 uhr, jeden tag verschieden. wenn man donnerstags den plan für die kommende woche erhält, ist es wohl früh. ständig stehen leute hinter einem, die die anrufzeiten beobachten. ein anruf beendet, gleich den nächsten annehmen. kopfschmerzen, ohrensausen, nackenversteifungen sind keine seltenheit, der krankenstand liegt wohl sehr hoch. eine leistungsorientierte vergütung ist versprochen worden, als anreiz, doch nun wird der verkauf mit rein genommen, davon war bei der einstellung nichts zu hören. urlaubstage werden nicht mit 8 stunden berechnet, sondern 40 std/6 at, dann noch irgendwie die stunden der letzten wochen, habe ich auch nicht verstanden. er möchte kündigen, weil er es gesundheitlich, körperlich uns psychisch nicht verkraftet, aber dann zahlt das arbeitsamt nichts. warum schaut sich herr wallraff nicht einmal an, es ist doch so schön auf rügen, für mich gott sei dank nur im urlaub!

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