Intel und ST Microelectronics legen Flash-Sparten zusammen

Älteres Joint Venture von ST mit Hynix könnte Streitpunkt werden

Intel und ST Microelectronics gründen zusammen mit der privaten Beteiligungsgesellschaft Francisco Partners einen neue, unabhängige Chipfirma in der Schweiz, in der alle Flash-Aktivitäten von Intel und ST Microelectronics gebündelt werden.

Über einen solchen Deal hatte es schon im vergangenem Jahr Gerüchte gegeben, doch jetzt bestätigten beide Unternehmen, dass man Gespräche mit dem Ziel eines Auslagerns der Flash-Speichermedien aufgenommen habe. Die Verhandlungen werden voraussichtlich in der zweiten Hälfte diesen Jahres abgeschlossen sein. Flash-Speicher werden benutzt, um Daten ohne konstante Energieversorgung nichtflüchtig zu speichern.

Das neue Unternehmen soll Flash-Memory für den Consumermarkt entwickeln und produzieren: Dazu gehören insbesondere Handys, MP3-Player, Digitalkameras und PCs. Intel plant, hierfür seine NOR-Speicher-Sparte und andere Ressourcen an die Neugründung zu verkaufen. ST Microelectronics wird seine bestehenden Flash-Speicher-Kapazitäten einbringen, zu denen auch eine bestehender Joint Venture mit Hynix im Bereich NAND-Speicher gehört.

In der Vergangenheit wurden hauptsächlich NOR-Speicher eingesetzt, da sie sehr zuverlässig sind und eine kurze Zugriffszeit bieten. Doch laut isuppli haben NAND-Speicher mittlerweile die Vorherrschaft übernommen. Folglich wird die NOR-Technologie als rückläufiges Geschäft eingestuft. Zurzeit dominieren vier Akteure diesen Markt: Spansion, Intel, ST Microelectronics und Samsung. Nach der Schaffung des neuen Unternehmens werden es nur noch drei sein.

Im Austausch dafür, dass Intel seine Kapazitäten verkauft, bekommt es 45,1 Prozent der Anteile an der neuen Firma; ST Microelectronics erhält 48,1 Prozent. Franciso Partners erhält 6,3 Prozent für eine Investition von 150 Millionen Dollar. Diese Investitionssumme, zusammen mit einem 1,3 Milliarden Dollar Langzeitkredit und einem 250 Millionen großen Kreditrahmen, ergibt eine Gesamtinvestition von 1,7 Milliarden Dollar. Die neue Firma wird etwa 8000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Abmachung enthält eine Barzahlung an Intel von 432 Millionen Dollar bei Vertragsabschluss und 468 Millionen Dollar für ST Microelectronics. Damit bleiben dem neuen Unternehmen 800 Millionen Dollar Geschäftskapital. Die Manager beider Unternehmen erwarten, dass die Neugründung ab dem ersten Tag profitabel sein wird. „Von Anfang an wird die neue Firma ein führender Anbieter von Flash-Speicherlösungen für kabellose Kommunikation sein“, prophezeit Brian Harrison, Manager von Intels Flash-Memory Group und künftiger Geschäftsführer der neuen Firma.

Intel hat schon in der Vergangenheit mit anderen Unternehmen zusammengearbeitet, um Mikrochips zu produzieren. Ende 2005 hatten Intel und Micron Technology die Firma Imflash gegründet. Auch Intel und ST Microelectronics haben bereits früher kooperiert. Vor zwei Jahren hatten beide Unternehmen angekündigt NOR-Speicher für Telefone und andere Geräte herzustellen. Gerade diese Kooperation der beiden Unternehmen wurde von Analysten als Vorzeichen einer geradezu zwingenden Fusion der NOR-Geschäftsbereiche beider Unternehmen eingeschätzt.

„Dieser Deal ist eine gute Sache für die Flash-Speicherindustrie – gut für Intel und gut für Stmicroelectronics“, sagt Uche Orji, Finanzanalyst bei UBS. „Fusionen in der NOR-Speicherindustrie waren schon längst überfällig. Vor allem wenn man bedenkt, dass Intel und ST Microelectronics ihre Produkte und Arbeitsprozesse bereits aufeinander abgestimmt haben. Allerdings bezweifle ich, dass es viele Nachahmer geben wird“, so Orji.

Doch er hat auch Bedenken. „Die Transaktion wird nicht ohne Komplikationen ablaufen, da ST Microelectronics sein NAND-Joint-Venture mit Hynix in das neue Unternehmen einbringt. Wahrscheinlich will ST Microelectronics so sein Flash-Geschäft auslagern und sich auf andere Geschäftsbereiche konzentrieren. Irgendwann muss dann ST Microelectronics Hynix oder Hynix ST Microelectronics aufkaufen“, spekuliert Orji.

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