Klage von Oracle gegen SAP: die Hintergründe

Der Wettbewerb zwischen den beiden Giganten der Unternehmenssoftware hat mit der Klage von Oracle gegen SAP einen neuen Höhepunkt erreicht. Und dies zu einem besonderen Zeitpunkt: In der IT-Branche wird nach einer langen Durststrecke wieder Geld verdient.

Oracle hat SAP des „massiven Diebstahls“ von Unterlagen bezichtigt, die von der „Customer Support Site“ für Kunden von Peoplesoft stammen. Das ist schwerer Tobak! Juristischem Theaterdonner findet man im Silicon Valley allerdings öfter. Doch was steckt wirklich hinter dieser Show?

Neben dem emotionalen Kampf um die Vorherrschaft bei Business-Software zwischen Oracle und SAP geht es in wirtschaftlicher Sicht um die Einnahmen aus der Kundenunterstützung, dem Customer-Service. Dieser hat durchaus das Zeug zur „Kuh, die man melken kann“ – zur „cash cow“, wie man das in der amerikanischen Business-Sprache nennt.

Nach Angaben aus der US-Presse verlangt Oracle 22 Prozent des Kaufpreises der eingesetzten Software als Jahresgebühr für die Kundenunterstützung. Dass dies ein Dorn im Auge der Kunden von Peoplesoft, JD Edwards und Siebel ist, liegt auf der Hand. Nach der Übernahme dieser Softwarehäuser durch Oracle 2005 – JD Edwards war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Tochter von Peoplesoft – sahen sich deren Kunden mit den Premiumpreisen des Imperiums von Larry Ellison konfrontiert. Dabei waren sie es gewohnt, die notwendige Unterstützung von Drittanbietern wie Tomorrow Now aus Bryan (Texas), Rimini Software aus Las Vegas oder Net Customer aus San Jose zu bekommen. Und das zu einem deutlich günstigeren Preis.

Nun kommt der pikante Teil der Story: Im Jahr der schwierigen feindliche Übernahme von Peoplesoft durch Oracle hat SAP seinerseits einen der drei bekannteren Drittanbieter, Tomorrow Now, übernommen. Das war, analysiert man die Berichte aus dem Jahr 2005, kein Zufall, sondern sicher ein Teil einer Strategie, möglichst viele der nun verunsicherten Oracle-Zwangskunden in das SAP-Lager zu locken. Es kann Larry Ellison kaum freuen, wenn der deutsche Erzfeind seinen Kunden einen günstigeren Support anbietet und durch deren Lizenzverträge auch noch Zugang zu den Support-Seiten von Oracle bekommt. Das ist für den aggressiven Macher aus Redwood Shores völlig undenkbar.

Was jedoch verwundert, ist der Zeitpunkt, zu dem Oracle nun eine Klage vor dem Bezirksgericht in San Francisco angestrengt hat. Der Kern der Story ist schon zwei Jahre alt. Falls es bei der Klage wirklich um diese sachlichen Details geht, kann man auf einen interessanten Prozess hoffen, der etwas Licht in dieses Umfeld der Supportdienst durch Drittanbieter bringen könnte. Falls nicht, wird der Prozess eine vorzügliche Bühne für das Stück „Cash Cow Business Software“ bieten.

Dass mit Business-Software wieder Geld verdient werden kann, war schon in den jüngsten Quartalsberichten zu lesen. Vermutlich verspricht dieser Teil der Unternehmenssoftware auch deutlich bessere Einnahmen als das klassische Geschäft mit der Verwaltung von Datenbanken, aus dem Oracle ursprünglich kommt.

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