Schmeißt der Gründer von Jboss hin?

Marc Fleury ist frustriert über die Entwicklung seiner Firma unter der Obhut von Red Hat. Nun hat er sich in den Vaterschaftsurlaub verabschiedet. Seine Rückkehr gilt als unwahrscheinlich.

„Frustration“ war das Motto, unter dem das Interview mit Marc Fleury, Gründer von Jboss, im November stand. Im Gespräch mit ZDNet bezeichnete er die Entwicklung, die seine Firma seit dem Verkauf an Red Hat genommen hatte, als äußerst unbefriedigend. Im Dezember hat Fleury dann seinen Vaterschaftsurlaub angetreten. Wie aus seiner automatischen E-Mail-Abwesenheitsnotiz hervorgeht, kümmert er sich derzeit um sein viertes Kind und wird am 15. März seine Arbeit wieder aufnehmen.

Aber in einer E-Mail, die Fleury an eine Gruppe ausgewählter Jboss-Kollegen schickte, schlägt er einen anderen Ton an – und wirft Fragen bezüglich seiner Zukunft bei Red Hat auf: „Ich nehme mir eine Auszeit, um mich um meine Familie und um mich selbst zu kümmern. Für meine emotionalen und beruflichen Investitionen bei Red Hat erfahre ich immer weniger Zuspruch“, schrieb Fleury im Dezember. „Mit euch allen bei Jboss zu arbeiten, war ein Vergnügen und möglicherweise der Höhepunkt meiner kurzen Karriere.“

Fleury, der Jboss im Jahre 2001 gegründet hatte, war zu keiner Stellungnahme bereit. Und auch Red Hat gab keine andere Stellungnahme als seine offizielle Erklärung ab.

Der Jboss-Gründer ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Diesen Charakterzug hat er auch mit seinem Engagement beim Linux- und Open-Source-Software-Unternehmen Red Hat nicht abgelegt. Im Interview November mit ZDNet beschwerte er sich darüber, dass das Budget von Jboss für Forschung und Entwicklung nicht von der Übernahme profitiert habe. „Das kann ganz schön frustrierend sein, weil wir Jboss nicht zuletzt an Red Hat verkauft haben, um signifikante Investitionen in unsere Forschung und Entwicklung zu erhalten. […] Das ist für mich persönlich unbefriedigend.“

Jboss liefert Open-Source-Software für auf Servern laufende Java-Software. Red Hat hatte die Übernahme des Unternehmens im Juni abgeschlossen, was einen wichtigen Schritt für die Erweiterung seines Portfolios an professioneller Software über das reine Linux-Betriebssystem hinaus darstellte.

Analysten und Anwender hatten schon 2005 Zweifel am Erfolg der Jboss-Integration angemeldet. Aber bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen hatte Red Hat erneut seine Prognose bekräftigt, Jboss werde im laufenden Geschäftsjahr, das am 28. Februar endet, 22 bis 27 Millionen Dollar Umsatz einfahren.

Laut Red-Hat-CEO Matthew Szulik sind die „zahlreichen“ Geschäfte des letzten Quartals mit einem Wert von mindestens einer Million Dollar an Einnahmen für Red Hat, von denen er im Dezember sprach, zu zwei Drittel auf Verkäufe von Jboss-Support zurückzuführen.

Themenseiten: IT-Business, Open Source, Red Hat, Strategien

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