Open Source oder proprietär? Google spielt ein doppeltes Spiel

Der Suchmaschinenriese engagiert sich stark für Open Source. Gleichzeitig sei man aber auch vom Nutzen proprietärer Software überzeugt. Was denn nun? Ein Interview mit Chris DiBona, der Open Source Programs Manager des Unternehmens.

Der Suchmaschinenriese Google ist intensiver Nutzer von Open-Source-Software und aktiv an vielen Entwicklungsprojekten beteiligt, zum Teil auch mit Finanzspritzen. Das erklärte Chris DiBona, der Open Source Programs Manager des Unternehmens. So arbeite das in Mountain View in Kalifornien ansässige Unternehmen auf seinen Rechnern mit Softwareversionen von Ubuntu. Für externe Entwickler hat Google zudem kürzlich das Google Web Toolkit unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Das Java Software Development Kit soll Programmierer bei der Entwicklung von Web-2.0-Anwendungen unter die Arme greifen.

Darüber hinaus wurde der Quellcode für ein von dem Unternehmen gesponsertes Projekt namens Net Trust neulich auf Google Code veröffentlicht, der Website für die Zusammenarbeit von Open-Source-Entwicklern. Das Projekt Net Trust wurde von L. Jean Camp an der Universität von Indiana ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine Anti-Phishing-Initiative. Websites werden als vertrauenswürdig oder nicht vertrauenswürdig markiert, je nachdem, was die Mitglieder eines Netzwerks von Internetbenutzern von der Website halten.

Trotz all dieser Aktivitäten ist Google aber auch vom Nutzen proprietärer Software überzeugt, so DiBona in einem Interview mit CNET/ZDNet. Er sprach über die bevorzugten Open-Source-Programme von Google, welche Auswirkungen die Offenlegung von Java auf Google haben wird und warum es eine Menge Code gibt, den das Unternehmen niemals für Entwickler veröffentlichen würde.

ZDNet: Welches sind die Kriterien für Google, wenn es um die Unterstützung eines Open-Source-Projekts geht?

DiBona: Da spielen mehrere Aspekte eine Rolle. Manchmal stellen eigene Entwickler von Google uns ein Projekt vor, das wir ihrer Meinung nach finanziell unterstützen sollten. Wir prüfen das dann und gucken, ob es sinnvoll ist, Geld in das Projekt zu stecken. Mit „sinnvoll“ meinen wir, ob das Projekt zu neuer Software oder zu mehr Open-Source-Entwicklern führen wird oder ob es die Open-Source-Community in irgendeiner Weise voranbringen würde.

Wenn Sie sich ansehen, was wir alles finanziell unterstützen, werden Sie feststellen, dass jedes Projekt in mindestens eine dieser drei Kategorien fällt. Net Trust hilft im Prinzip dem College [der Universität von Indiana], mehr Open-Source-Code und mehr Open-Source-Entwickler hervorzubringen, weil eine ganze Reihe von Studenten an diesem Projekt arbeitet. Für solche Art von finanzieller Unterstützung haben wir großen Spielraum.

ZDNet: Net Trust ist eines der Open-Source-Projekte, denen Google unter die Arme greift. Wie kam es dazu?

DiBona: Ein Ingenieur von Google sprach vor fast einem Jahr bei der Open-Source-Gruppe vor. Er hatte eine Freundin am College, die erforschte, wie man das Phishing-Problem mithilfe sozialer Netze in den Griff bekommen könnte. Wir unterstützen eine Menge Open-Source-Software, und das Projekt klang interessant. Wir trafen uns deshalb mit Jean [Camp] und sahen uns ihre Arbeit an. Da wir die Sache spannend fanden, unterstützten wir das Projekt mit einer Spende.

Net Trust ist im Prinzip eine Möglichkeit für Benutzer, sich gegenseitig zu verifizieren, dass eine Website auch das ist, was sie zu sein vorgibt. Oder – was noch wichtiger ist – das Gegenteil. Die Idee dahinter ist, dass Sie Ihren Freunden vertrauen. Und wenn Sie den Freunden Ihrer Freunde vertrauen, dann wird das Internet insgesamt ein bisschen mehr vertrauenswürdig. Das ist eine recht verlockende Aussicht.

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