Sun: „Je mehr Java, desto besser“

Vor einem Monat hat Sun seine Programmiersprache Java unter der GPL zur Open Source erklärt. Was bezweckt das Unternehmen damit? Ein Interview mit Suns Open-Source-Chief Simon Phipps.

Knapp einen Monat ist es nun her, dass Sun seine Programmiersprache Java unter der General Public License in der aktuellen Version 2 frei gegeben hat. Über die Internetseite Java.net haben Interessenten in Kürze Zugriff auf Open-Source-Versionen von Java für Desktop-Rechner (Java Standard Edition) und mobile Geräte (Java Micro Edition). Auch der Quellcode der Server-Ausführung von Java (Enterprise Edition), der bereits im Rahmen des Projekts „Glassfish“ veröffentlicht worden war, steht künftig unter der GPL. Davor war er unter der hauseigenen Community Development and Distribution License (CDDL) vertrieben worden.

ZDNet holte beim Chief-Open-Source-Officer des Unternehmens Simon Phipps Informationen über den Stand der Dinge ein. Im Interview erklärte er die Beweggründe des Unternehmens und wagt einen Ausblick in die Zukunft.

ZDNet: Herr Phipps, Sun hat ganz schön auf sich warten lassen! Anwender, Journalisten und Analysten haben lange darauf gewartet, dass Java endlich Open Source wird.

Phipps: Nun, der eigentliche Entscheidungsprozess hat lediglich fünf Monate in Anspruch genommen. Dabei haben eine Menge Leute eine Menge zu sagen gehabt. Das ist typisch für Sun, jeder kann und darf sich zu Wort melden.

ZDNet: Viele haben erwartet, dass Java unter der Community Development and Distribution Licence (CDDL) frei gegeben wird. Überraschenderweise haben Sie aber die GPL gewählt. Wie kam das?

Phipps: Na ja, wir haben so ziemlich jede Möglichkeit und jede Lizenz in Erwägung gezogen. So habe ich bereits im vergangenen Jahr ein Whitepaper erarbeitet, in dem ich die verschiedenen Lizenzmodelle gegeneinander abwäge. Ich habe drei verschiedene Modelle gefunden: Erstens Lizenzen, die weitgehend ohne Beschränkungen auskommen. Da wäre beispielsweise Apache zu nennen. Zweitens Lizenzmodelle, die einige wenige Bedingungen stellen wie etwa unsere CDDL. Und drittens Lizenzen, die die Weiternutzung von Software streng reglementieren – darunter fällt die GPL.

ZDNet: Und warum haben Sie sich letztlich für diese dritte Kategorie entschieden? Wie gesagt: Zu erwarten war die CDDL.

Phipps: Da gibt es zwei Gründe: Für uns ist es die oberste Priorität, den Markt für Java zu vergrößern. Sie finden Java heute bereits in jedem zehnten Handy, insgesamt in mehreren Milliarden mobilen Geräten. Der Markt ist also bereits sehr groß, aber wir wollen uns damit keinesfalls zufrieden geben. Und zu diesem Ziel haben wir die GPL als Lizenzmodell gebraucht. Denn Java muss in den Betriebssystemen selbst Einzug halten, ich denke da an Fedora, Debian oder Ubuntu. Diese stehen alle unter der GPL – und gewinnen gerade außerhalb der USA immer mehr an Bedeutung. Und nun, mit unserem jüngsten Schritt, können wir diesen Markt, der uns bislang verschlossen war, aufrollen.

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