DVD in China vor dem Aus

EVD-Allianz will eigenen Standard durchboxen

China geht bei seinem bisher glücklosen DVD-Konkurrenzformat EVD (Enhanced Versatile Disk) nun in die Offensive. Knapp 20 führende chinesische Hersteller, darunter Shinco und TCL, wollen ab 2008 aus der Fertigung von DVD-Playern und -Rekordern aussteigen und auf EVD-Basis produzieren, berichten asiatische Medien.

Der DVD-Ausstieg soll in der kommenden Woche offiziell verkündet werden, so Zhang Baoquan, Generalsekretär der erst kürzlich ins Leben gerufenen EVD Industry Alliance, die für den Erfolg des EVD-Standards in China kämpft. Das Aus für die Fertigung von DVD-Playern sowie ein Ankurbeln der EVD-Produktion werde dem neuen Standard zum Durchbruch verhelfen, sagte Zhang.

Trotz massiver Unterstützung durch die chinesische Regierung hat sich der chinesische Standard bisher nicht auf dem Markt durchsetzen können. Und auch in nächster Zukunft dürfte dem Format wenig Erfolg beschieden sein. „Geht es nach den bestellten Anlagen, erwarten unsere Kunden in China eher einen DVD-Boom“, erklärt Bernhard Krause, Sprecher des deutschen Herstellers von CD- und DVD-Produktionsanlagen Singulus Technologies. Bei den DVD-Aufträgen aus dem Reich der Mitte habe Singulus gegenüber den Vorjahren einen deutlichen Anstieg verzeichnet.

Allerdings brauche die Einführung eines neuen Standards Zeit. Zwischen Entwicklung und dem Zeitpunkt, an dem sich eine neue Technologie auf dem Markt durchsetzt, lägen erfahrungsgemäß etwa fünf Jahre, meint Krause. Derzeit kämpfen auch die viel beworbenen DVD-Nachfolgeformate Blu-ray und HD-DVD noch mit Anlaufschwierigkeiten.

Der Trend zu Konkurrenzformaten ist laut Krause aber nicht aufzuhalten, weil Länder wie China oder Taiwan damit die hohen Lizenzgebühren einsparen wollen. In Taiwan will man etwa mit dem alternativen DVD-Standard FVD (Forward Versatile Disc) punkten. Dieser Entwicklung will sich auch Singulus nicht verschließen. „Wenn die Nachfrage anzieht, wird es auch bei Singulus EVD-Produktionslinien geben“, sagt Krause.

Am kommenden Mittwoch wollen die chinesischen Hersteller der Öffentlichkeit mehr als 50 EVD-Geräte präsentieren. Bei einem Durchschnittspreis von gut 89 Dollar kann die EVD-Allianz zumindest preislich gesehen mit der DVD-Konkurrenz mithalten. Noch bremsen allerdings die fehlende Unterstützung von globalen Markenherstellern und der Mangel an Content die Expansion der EVD. Laut „Digitimes“ sind einige der chinesischen EVD-Unterstützer nun zurückgerudert und wollen entgegen der ursprünglichen Ankündigung bei entsprechender Nachfrage neben dem EVD-Format auch weiterhin den DVD-Standard anbieten. Nach Angaben von Der-Ray Huang, dem Präsidenten der taiwanesischen Information Storage Association, ist der EVD-Standard für die Hersteller auch deshalb nicht sonderlich attraktiv, weil die Produktionskosten für Blu-ray- und HD-DVD-Geräte ab 2008 erheblich sinken sollen.

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1 Kommentar zu DVD in China vor dem Aus

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  • Am 4. Dezember 2006 um 13:20 von Technikfreund

    DVD-Ablösung in China?
    Wie man sieht, versucht auch hier China gegen den Rest der Welt anzusteuern. Das Nette dabei ist, das die Chinesen ihr eigenes Format propagieren können wie sie wollen – auf welchen Medien hochwertige Filminhalte geprägt werde, entescheidet nach wie vor Hollywood. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. Es ist kaum anzunehmen, dass sich Hollywood für ein Format aus einem Land entscheidet, wo man es mit Copyrights nicht so genau nimmt. Die einzige Möglichkeit von der DVD wegzukommen ist – sie verschwindet von selbst und wird so nach und nach durch Blu-ray- und HD-DVD ersetzt. Im Übrigen: Werden nicht die meisten DVD-Kopien in China gefertigt? :-)

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