Google kauft Youtube: Kommt die Dotcom-Blase 2.0?

Das Platzen der Dotcom-Blase hat einiges zur Börsenkrise Anfang des neuen Jahrtausends beigetragen. Nun trägt die Übernahme von Youtube durch Google ganz ähnliche Züge. Ist die Blase zurück?

Die Analogien sind offensichtlich. Hier wurde ein Unternehmen mit Aufsehen erregendem Zulauf übernommen – ungeachtet der Tatsache, dass Youtube noch nie Gewinn erwirtschaftete. Außerdem zahlt Google nicht in bar, sondern mit Aktien im (momentanen) Wert von 1,65 Milliarden Dollar, hinter denen kaum Sachwerte stehen. Schließlich geht es bei der Akquisition typischerweise, darum Marktanteile für eine einem noch nicht funktionierenden Markt, sprich Internet-Videos, zu erwerben.

Es gibt aber auch klare Unterschiede. Zum einen handelt es sich um ein herausragendes Einzelereignis, auch wenn Bertelsmann-Vorstand Gunter Thielen klagt, das ihm in jüngster Zeit wieder Dotcoms zu hohen Preisen angeboten würden, die zwar über Zulauf, aber kaum über Umsatz verfügten. Anders als früher handelt es sich beim Investor um ein hochrentables Internet-Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell. Google gilt als Marke, in deren Erfolg Kunden, speziell beim Schalten von Werbung, Vertrauen haben können. Zudem erscheint es nur natürlich, dass sich der Suchmaschinen-Primus mit Youtube zusätzlich Filme für das eigene Video-Portal an Bord holt.

Der Erfolg von Youtube erklärt sich mit einer aktuellen Mode, aus der insbesondere die Werbeindustrie unter dem Schlagwort Web-2.0 einen stetigen Trend zu machen versucht. Web-2.0-Anwendungen zeichnen sich wie Youtube dadurch aus, dass die Inhalte zu einem hohen Anteil von aktiven Nutzern stammen – ein Schlaraffenland der Werbeindustrie: Wer Filme einstellt, wird auf dem Weg dorthin von Werbung begleitet, outet mit seinen Filmen sowohl einen gewissen Bildungsstand wie auch die finanziellen Mittel für das nötige technische Equipment. Außerdem betrachtet er sein Werk dort immer wieder und empfiehlt die Site zudem allen Freunden und Bekannten. Hinzu kommt, dass über Portale wie Youtube – nicht nur, aber vor allem – jugendliche Nutzer erreicht werden, die sich klassischen Medien wie Fernsehen oder Zeitungen zunehmend verweigern.

Funktioniert das Geschäftsmodell, dann dürften künftig auch die Film- und Fernsehindustrie ihre Trailer zu Werbezwecken bei Google/Youtube einstellen. Google würde mehr noch als bisher zu einer zentralen Anlaufstelle für Internet-Nutzer. Doch gerade die Film- und Fernsehindustrie ist bislang misstrauisch. Ein Grund: Viele Youtube-Inhalte sprudeln aus urheberrechtlich höchst dubiosen Quellen. Den Nachwuchsfilmern ist oft gleichgültig, ob die Szenen aus der Tagesschau, einem Kinofilm oder aus dunklen Internet-Quellen stammen. Viele der Comic-Streifen, die es bei YouTube zu sehen gibt, dürften zuvor über asiatische Fernsehsender verbreitet worden sein. Aber auch Eigenproduktionen sind nicht selten mit urheberrechtlich geschützter Musik untermalt oder zeigen Dinge, für deren Veröffentlichung eine explizite Erlaubnis erforderlich ist – etwa wenn Personen oder Innenräume aufgenommen werden. Sollten also Film- und Fernsehindustrie YouTube nicht als Marketing-Instrument, sondern als Konkurrenz wahrnehmen, dann könnte Google eine gigantische Klagewelle überrollen.

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