Rätselhafter Handy-Markt: Das Geschäft boomt anderswo

Womit verdienen Handy- und Mobilfunk-Anbieter eigentlich Geld? Dass sie es tun, lässt sich unschwer aus ihren Bilanzen ablesen. Dabei ist der Markt hier zu Lande gesättigt. Es gibt in Deutschland inzwischen mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner.

Noch ist Wachstum möglich, schließlich liegt in Italien die Marktsättigung sogar bei 120 Prozent. Anderes als bei uns ist das Handy für Italiener jedoch ein mobiler und relativ preiswerter Ersatz für ein teures Festnetz-Angebot. Hier zu Lande erklärt sich die hohe Auslastung eher durch die privaten Zweitgeräte von Geschäftsleuten.

Deutsche Privatkunden kaufen statistisch gesehen am liebsten die von den Kosten leicht beherrschbaren Pre-Paid-Handys – nicht zuletzt für ihre Kinder. Auch erleben preiswerte Telefonier-only-Geräte à la Tchibo und Simyo ernormen Zulauf. Angesichts Gerätesubvention, sinkender Telefon-Gebühren und günstigen Flatrates verspricht das Geschäft nicht gerade den großen Reibach – außer man nimmt den führenden Playern Marktanteile weg. Siemens hat bereits aufgegeben und auch Nachfolger Benq tut sich nicht gerade leicht. Die Parallelen zum PC-Markt, in denen Billigheimer wie Dell lange Jahre Hersteller wie IBM und HP vor sich hergetrieben haben, sind keineswegs zufällig, sondern vielmehr ein Merkmal gesättigter Märkte.

Aber Deutschland ist nicht die Welt. Global stieg der Absatz im zweiten Quartal dieses Jahres um 18 Prozent, vor allem in Märkten mit großem Nachholbedarf wie in China, Indien, Osteuropa und Afrika. Das Wachstum ist derzeit mit rund 20 Prozent in der von Gartner zu einer Gruppe zusammengefassten Region aus Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika am größten. Aber in den traditionellen Industrienationen sinken die Zuwachsraten, so liegt Westeuropa mit neun Prozent deutlich hinter den ehemaligen Ostblockländern. Nimmt man, wie IDC, alle Handheld-Geräte in die Statistik, dann ergibt sich für Westeuropa sogar ein Rückgang von drei Prozent.

Die Entwicklung bedeutet, dass selbst die erfolgreichsten Hoffnungsträger wie Musik-Downloads im Consumer-Markt oder die Smartphones für Unternehmenskunden den Rückgang im Handheld-Geschäft nicht auffangen konnten. Opfer sind vor allem PDA-Anbieter wie Palm oder HP, aber auch der Betriebssystem-Konzern Microsoft, dessen Mobile Windows auf Smartphones von HTC (z.B. MDA-Geräte) boomt, mit den PDAs aber im Regal verstaubt. Noch handelt es sich dabei um eine einmalige Meldung, doch könnte sich der Rückgang, angesichts der oben angeführten Rahmenbedingungen zum Trend auswachsen.

Insofern der Einbruch im PDA-Martk die Verschmelzung von Handy und Handheld zu einem Basis-Smartphone signalisiert, kommt dieser Trend weder unerwartet noch unwillkommen. Tatsächlich prognostiziert Gartner dem Smartphone-Bereich global einen jährlichen Zuwachs um 49 Prozent. Als Spielverderber gerieren sich aber wieder einmal die Westeuropäer, die sich weigerten von Mitte 2005 bis zum Sommer dieses Jahres mehr als 23 Prozent mehr von diesen Geräten zu kaufen. Dabei kann hier von einer Marktsättigung (noch) nicht die Rede sein.

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