Supercomputing 2006: Deutschland in der Rezession

Während in China das High Performance Computing (HPC) zum Sprung in den Massenmarkt ansetzt, stagniert der Trend in Japan und Deutschland. Hierzulande droht die Community im wissenschaftlichen Elfenbeinturm zu ersticken, wenn sie sich nicht neue Nutzergruppen erschließt.

Heute wurde Deutschlands (noch) zweitschnellster Rechner in Garching bei München eingeweiht. Damit nähert sich die hiesige Wissenschaftsgemeinde ansatzweise der Spitzengruppe des Supercomputings. Dieser Kraftakt war auch dringend nötig, denn das Land drohte den Anschluss zu verlieren. Obwohl IT-Rankings von ihrer Aussagekraft her oftmals einen begrenzten Blick hinter die Marktkulisse erlauben, so sprechen die vor wenigen Wochen auf der diesjährigen Supercomp in Dresden bekannt gegebenen Länderrankings nämlich eine klare Sprache: Die USA sind mit 298 der 500 installierten Systeme klar die Nummer Eins auf dem Feld der High Performance Computer (HPC)-Systeme. Europa fällt hingegen zurück. Gab es vor sechs Monaten noch 100 Supercomputer unter den Top 500, sind es heute nur noch 83.

Auf der anderen Seite des Globus gibt es hingegen weit bessere Nachrichten bei der Supercomp-Weltmeisterschaft. Asien konnte seinen Anteil unter den Top-500 von 66 auf 93 Systeme ausbauen. Mittelfristig könnten die USA unter der Führung von IBM also einen Teil ihrer nach wie vor dominanten Vormachtstellung einbüßen. Aber die Gefahr kommt nicht, wie allgemein vermutet, aus Japan, sondern eher durch das aufstrebende China.

Deutschland lag vor einem Jahr noch mit 40 Systemen vor Großbritannien (32). Zwar stehen am HLRS in Stuttgart (Platz 48 mit 9,2 Teraflop/s Rechengeschwindigkeit) und bei der Adam Opel AG (Platz 95 mit 5,5 TF/s) sowie dem achten und 86. Platz des Jülicher Systems (46 TF/s bzw. 8,9 TF/s) drei Systeme unter den Top-100. Dennoch schreitet die rezessive Tendenz von 24 auf 17 weiter voran.

Deutschland gerate insbesondere bei der Virtualisierung ins Hintertreffen, sagt Professor Michael Resch, Direktor des Hochleistungsrechenzentrums (HLRS) in Stuttgart. Man habe nicht nur das Rennen um die besten Hardware-Konzepte bereits verloren, sondern laufe auch Gefahr im Rennen um die besten Softwarelösungen und Applikationen auf der Strecke zu bleiben. Hier gilt es den wissenschaftlichen Elfenbeinturm mit innovativen Konzepten rechtzeitig zu verlassen. Allein der mangelnden oder sprunghaften öffentlichen Förderung den schwarzen Peter zuzuschieben, greift zu kurz.

Fakt ist, dass Deutschland auf dem Gebiet des Supercomputings derzeit kaum wie auf dem Fußballfeld den Titel des offensiv agierenden „Weltmeister der Herzen“ erobern kann. Michael Resch beklagt neben der mangelnden Forschungsförderung auch eine fehlende Investitionsmentalität sowie eine unsystematisch agierende Venture Capital Kultur. Der Experte berichtet von einem kontrastreichen Besuch im neuen HPC-Zentrum in Taiwan, in das nach seinen Angaben bereits rund 200 Millionen Euro Finanzmittel geflossen sind.

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