VIKEF: Auf dem Weg zum semantischen Web

Damit die kinetische Plastik keine SMS erhält - das Web der Zukunft soll "verstehen" können. Die Fernuni Hagen beteiligt sich am EU-Förderprojekt VIKEF.

Wissen ist die Ressource Nummer 1 der Informations- und Wissensgesellschaft. In netzbasierten Dokumentinhalten implizit verborgen muss es jedoch zunächst explizit, d. h. in maschinenlesbarer Form, erfasst, strukturiert und damit für eine automatisierte Bearbeitung zugänglich gemacht werden. Für Menschen ist das nur ein Zeitproblem, sie können aus dem Textzusammenhang die gerade zutreffende Bedeutung eines Wortes oder Satzteils interpretieren. Viel schneller im Lesen sind Computer, aber sie könnten die Semantik – die Bedeutung des Gelesenen, insbesondere im Zusammenhang mit einem Informationsbedürfnis oder einer Arbeitssituation ihres menschlichen Benutzers – nicht automatisch erkennen. Und damit keine Inhalte quasi stellvertretend für ihren Benutzer verstehen und bewerten.

Das EU-Förderprojekt VIKEF
– Virtuelles Informations- und Wissens-Umgebungs-Framework – soll dazu beitragen, die in gewaltigen Mengen in Netzen vorhandenen Informationen schnell und effektiv für neue Anwendungen nutzbar zu machen. Wenn VIKEF am 31. Mai 2007 endet, soll es eine Brücke zwischen dem jetzigen syntaktischen und dem zukünftigen Semantischen Web geschlagen haben, in dem Wörter und Sätze für Computer mehr sind als Zeichenfolgen. Univ.-Prof. Matthias Hemmje, Lehrgebiet Multimedia und Internetanwendungen der Fernuniversität in Hagen, arbeitet an dem Projekt mit. „Die Inhalte des Webs der Zukunft werden viel stärker für Computer verständlich sein“, ist er sich sicher.

„VIKEF soll dazu beitragen, die in gewaltigen Mengen in Netzen vorhandenen Informationen schnell und effektiv für neue Anwendungen nutzbar zu machen. Computer erkennen in einem Text nur eine Aneinanderreihung von Zeichen in einem bestimmten strukturellen Format, in einem Bild nur eine Folge von verschiedenfarbigen Bildpunkten. Sie verstehen aber nicht deren Bedeutung und können deshalb auch keine Zusammenhänge mit den Informationsbedürfnissen ihrer menschlichen Benutzer herstellen.“

Also können gefundene Inhalte auch nicht selbständig sinnvoll in neue Zusammenhänge gefügt und damit den Benutzern quasi proaktiv als nützliche Information für deren Bedürfnisse oder Arbeitssituationen angepasst zur Verfügung gestellt werden.

Die Maschine „weiß“ lediglich: Es handelt sich bei einem vorliegenden Text um die Buchstabenfolge H-A-N-D-Y auf der Seite 93 im Kapitel 7, Absatz 3 eines bestimmten Dokumentes. In Deutschland ist mit „Handy“ ein mobiles Funktelefon gemeint. In vielen anderen Ländern hat man andere Bezeichnungen für ein solches Gerät, z. B. „Mobile (Phone)“. Mobile steht im Deutschen wiederum für eine kinetische Plastik, die aufgehängt und durch Luftzug bewegt wird. Hemmje: „Und dann erhalten Sie eine SMS auf Ihre kinetische Plastik… Meint jedenfalls Ihr ‚lesender‘ PC.“

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