Youtube und Co. im Visier der Musikindustrie

EMI will die illegale Verbreitung von Videos unterbinden

Bis vor kurzem konnte man sich Online-Musikvideos nur auf den Webseiten von Plattenfirmen und Bands anschauen. Mittlerweile gibt es jedoch auch zahlreiche andere Möglichkeiten. So hat sich beispielsweise auf der Website Youtube seit der Gründung im Herbst 2005 das wohl umfassendste Musikvideoarchiv der Welt angesammelt. Schätzungen zufolge befinden sich auf Youtube mehrere hunderttausende Musikvideos, und jeden Tag kommen hunderte neue dazu.

Um Verletzungen des Urheberrechts bei den angebotenen Videos einzugrenzen, will das Plattenlabel EMI nun mit Youtube, aber auch mit anderen Videoanbietern wie etwa Revver eine Partnerschaft eingehen.

Viele Plattenlabels bieten Clips, Trailer und sonstiges Videomaterial zum Herunterladen an. Geld verdienen sie entweder an den Besuchern, die die Videos herunterladen, oder an der Werbung auf der Website. Heutzutage gehen viele Einnahmen jedoch an kostenlose Websites wie Youtube verloren. Diese Websites sind übrigens nicht illegal: Sie verbieten explizit das unerlaubte Hinaufladen von urheberrechtlich geschütztem Content. Manchen Internetbenutzern ist das jedoch gleichgültig. Eine Vorkontrolle ist unmöglich, da das Angebot einfach zu groß ist.

EMI hofft jetzt, Musikvideoanbieter wie Youtube davon überzeugen zu können, im Kampf gegen Raubkopierer auf Technologien wie den digitalen Fingerprint zu setzen. Bei diesem Verfahren wird in Videoclips ein Code verarbeitet, der automatisch von Websites erkannt wird. Inhalte mit diesem Code werden verweigert. Der Einsatz derartiger Technologie bildet jedoch nicht immer die Lösung. Die Grenze zwischen Missbrauch und der Anwendung von Videos ist nämlich nicht immer klar, so Thomas Ryan von EMIs Abteilung für digitale und mobile Inhalte. Ein Video von einem Fan, der ein Lied mit eigenem Playback versieht, wird von vielen Urheberrechtbesitzern als harmlos oder vielleicht sogar als begrüßenswerte Werbung erachtet. Ein Remix eines Videos weist jedoch schon mehr in Richtung Grauzone. Auffassungen hierüber sind je nach Band und Plattenlabel verschieden.

Ryan betont, dass EMI bestimmt nicht jegliche Verwendung von EMI-eigenem Videomaterial verbieten will. Das Unternehmen will schlichtweg die eigene Einnahmequelle schützen, beispielsweise indem sie Inserate an die Videoclips koppeln und auf diese Weise Einnahmen generieren. „Unser Ziel ist es nicht, die Verbreitung von Musikvideos zu stoppen, sondern selber mehr daran zu verdienen“, so Ryan. „Auch hoffen wir, dass eine Partnerschaft es uns ermöglicht, Material von den Websites zu entfernen, das unser Urheberrecht verletzt und wofür wir nicht kompensiert werden.“

Ob sich Youtube und Co. auf eine Partnerschaft einlassen werden, ist derzeit noch nicht bekannt. Eine Alternative, um das Hinaufladen geschützter Werke zu verhindern, stellt jedoch auch Qtrax dar. Bei Qtrax handelt es sich um eine Tauschbörse, die legale, kopiergeschützte Musiktitel zum Download anbietet. EMI wird als erstes Plattenlabel seinen Musikkatalog auf Qtray zur Verfügung stellen. Finanziert wird das Ganze durch Werbeschaltungen vor dem Download. Qtray soll noch dieses Jahr lanciert werden.

Themenseiten: Telekommunikation

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Youtube und Co. im Visier der Musikindustrie

Kommentar hinzufügen
  • Am 20. Juni 2006 um 7:15 von U.R.

    Geier ohne Ende
    Zitat:
    "Unser Ziel ist es nicht, die Verbreitung von Musikvideos zu stoppen, sondern selber mehr daran zu verdienen", so Ryan.

    und schon sind Sie wieder da, die Geier der Musikindustrie !!

    Ihr lernt es nie !!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *