Hilferuf: Immer mehr Bugs im Linux-Kernel

Andrew Morton ist oberster Verwalter des Linux-Produktionskernels. Er sorgt sich um die zunehmende Anzahl von Defekten, die in der Version 2.6 auftreten. Nun erwägt er drastische Maßnahmen zu deren Behebung.

„Ich glaube, dass der 2.6-Kernel allmählich immer mehr Bugs aufweist. Es scheint, dass schneller neue Fehler hinzukommen, als wir diese beheben können“, erklärte Andrew Morton, oberster Verwalter des Linux-Produktionskernels, vor kurzem im Rahmen eines Vortrages in Wiesbaden. Morton gab an, seine Vermutung noch nicht statistisch überprüft zu haben. Doch es sei ihm aufgefallen, dass immer mehr E-Mails mit Berichten über Bugs bei ihm eingingen.

Sollte es ihm gelingen, einen Beleg für diese Zunahme zu erhalten, könnte er eventuell den Prozess der Kernel-Entwicklung zeitweise unterbrechen, um zunächst einmal diese Probleme zu beheben. „Eine meiner Prioritäten besteht derzeit darin, einen Beleg dafür zu finden, dass diese Zunahme von Defekten tatsächlich stattfindet“, so Morton. „Wenn dem so ist, müssen wir etwas unternehmen.“

„Die Kernel-Entwickler werden ihre Zeit neu einteilen und sich mehr um das Beheben von Bugs kümmern müssen“, fügte er hinzu. „Möglicherweise müssen wir einen ganzen Entwicklungsdurchlauf für das Bug-Fixing aufwenden, in dem wir uns ausschließlich um die Beseitigung von seit langem bestehenden Bugs kümmern.“

Morton zufolge bestehe eines der Probleme darin, dass nur wenige Entwickler bereit sind, an der Behebung von Defekten zu arbeiten. Dies sei vor allem bei Bugs der Fall, die alte Rechner oder Peripheriegeräte betreffen, da bei Unternehmen beschäftigte Kernel-Entwickler sich meist nur ungern um veraltete Hardware kümmerten.

Heute seien viele Kernel-Entwickler bei IT-Unternehmen angestellt, beispielsweise bei Hardware-Herstellern. Dies könnte nach Ansicht von Morton problematisch sein, da diese Entwickler eventuell eigene Interessen verfolgten.

„Wenn ein Unternehmen einen Kernel-Verwalter beschäftigt, ist es nicht daran interessiert, dass dieser an einem fünf Jahre alten Peripheriegerät arbeitet, das längst nicht mehr verkauft wird. Dieses Verhalten ist zwar durchaus verständlich, stellt aber ein Problem dar, weil viele Benutzer immer noch mit der betreffenden Hardware arbeiten. Das Vorhandensein dieses Bugs beeinträchtigt den gesamten Kernelprozess und kann den Kernel stören, da Bugs vorhanden sind, die niemand behebt“, erklärte Morton.

Themenseiten: IT-Business, Linux, Open Source, Strategien

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