Novell wehrt sich: „Uns gehören 40 Prozent vom Linux-Markt“

Fährt Novell die deutsche Linux-Schmiede Suse gegen die Wand? Diesen Vorwurf erhob der Europachef von Red Hat kürzlich im Gespräch mit ZDNet. Nun bezieht Volker Smid, European General Manager bei Novell, Stellung.

ZDNet: Vor einem Jahr haben wir uns schon Mal unterhalten – damals war die Lage von Novell noch eine hoffnungsfrohere, vielleicht bessere.

Smid: Das Gefühl habe ich überhaupt nicht. Wie kommen Sie zu dieser Annahme?

ZDNet: Nun, es haben gleich mehrere hochrangige Manager von Suse das Unternehmen verlassen – Seibt, Geck, Heinrich – um nur einige zu nennen. Beim Kauf von Suse hat Novell einerseits den Namen, andererseits das Personal übernommen. Das Personal sind Sie nun weitgehend los…

Smid: Wir als Firma kommentieren die Abgänge nicht, persönlich bedaure ich jeden einzelnen davon. Gleichwohl sollte man sich hüten, diese Abgänge überzuinterpretieren: Wir haben vor etwas mehr als zwei Jahren eine sehr erfolgreiche Linux-Distribution mit 250 Entwicklern akquiriert. Daraus sind mittlerweile 270 Entwickler am Standort Nürnberg geworden – 95 Prozent der ehemaligen Suse-Entwickler sind nach wie vor an Bord. Alle acht Entwicklungs-Abteilungsleiter sind nach wie vor an Bord. Die Fluktuation ist seit der Übernahme ist also vernachlässigbar. Hier ist die Integration ganz hervorragend gelaufen, zusätzlich haben wir in Provo, Utah, mit Hilfe der Nürnberger Entwickler ein neues, 70-köpfiges Team aufgebaut. Das ist mit den Ximian-Entwicklern in Cambridge integriert. Zusätzlich haben wir den Standort Prag ausgebaut du eine Art Entwicklungsachse aufgebaut. Das Know-how der Nürnberger wurde beispielhaft weitergegeben.

ZDNet: Es bleiben aber die Abgänge im Management.

Smid: Wir haben seit der Akquisition versucht, Vertrieb und Marketing von Suse von Nürnberg aus aufzubauen. Novell hat aber eine paneuropäische Vertriebsstruktur mitgebracht. Ich bin der Ansicht, dass Vertrieb und Marketing vor Ort passieren muss. Den Versuch, das von einem Standort aus zu machen, halte ich für zum Scheitern verurteilt. Man braucht Teams vor Ort. Wir sind heute sehr viel erfolgreicher als noch vor zwei Jahren, weil wir neue Strukturen in den verschiedenen europäischen Ländern aufgebaut haben, also in Italien, Spanien, England, etc. Dieser neue, dezentrale Ansatz hat dazu geführt, dass wir einige Mitarbeiter verloren haben. Das ist aber ganz normal, bei jeder Übernahme kann man Synergie-Effekte beobachten.

ZDNet: Kann man’s auf den Punkt bringen, wenn man sagt: 250 Entwickler sind wichtiger als eine handvoll Manager?

Smid: Ich kann die Wichtigkeit von Personen nicht in die Waagschale legen. Aus der Sicht der Kunden aber ist es am wichtigsten, dass die breite Palette an Linux-Distributionen – vom Mainframe über Server zum Desktop – zuberlässig funktioniert. Von daher glaube ich, dass die Entwickler – wie gesagt gerade für den Kunden – sehr wichtig sind.

ZDNet: …wichtiger als einzelne Personen.

Smid: Um die es mit bei jeden einzelnen Leid tut! Ich habe nach wie vor ein hervorragendes Verhältnis zu Richard Seibt (ehemaliger Suse-Chef und Europachef von Novell), wir arbeiten bei verschiedenen Projekten im Open-Source-Umfeld nach wie vor hervorragend zusammen. Uns man sollte nicht unterschlagen, dass wir im selben Zeitraum großartige neue Persönlichkeiten hinzugewonnen haben. Den Jeff Jaffe etwa…

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