Kommunen gehen E-Government ernsthaft an

In zunehmendem Maße ersetzen Behörden und öffentliche Einrichtungen ihre alten IT-Systeme und Anwendungslandschaften, führen Projekte zu Modernisierungen im Back-Office-Bereich durch und öffnen sich Outsourcing.

E-Government ist für städtische und kommunale Behörden in ganz Westeuropa ein wichtiges Thema, mehr noch als für die zentralen Regierungen, da sie viel mehr Bürgerkontakt haben. Lediglich in Bezug auf Web-basierte Transaktionen hinken Städte und Kommunen den Regierungsbehörden hinterher: Selbst die fortschrittlichsten Interaktions-Seiten bieten nur einfache Anwendungen an. Zu diesem Ergebnis kommt der Branchenreport „Public Sector Western Europe“ von Pierre Audoin Consultants (PAC). Die Studie untersucht den Markt für Software und IT Services im öffentlichen Sektor in Westeuropa.

Europaweit soll die IT für Stadt- beziehungsweise Kommunalverwaltungen vor allem zwei Aufgaben lösen, zum einen größere Bürgernähe schaffen, beispielsweise die Steuererklärung online ermöglichen oder bei Ummeldung den Gang zur Meldebehörde ersparen, zum anderen Kosten senken. Durch Rationalisierung im Bereich „öffentliche Einkäufe“ zum Beispiel versuchen viele Behörden, ihre Kosten zu senken und gleichzeitig ihre Effizienz zu steigern. Jedoch verfolgen die einzelnen Länder unterschiedliche Ansätze, um dieses Ziel zu erreichen. In Großbritannien geht man immer mehr dazu über, die Einkaufsabwicklung innerhalb und zwischen kommunalen und städtischen Verwaltungen gesammelt auszuführen. Frankreich wiederum treibt die Digitalisierung der öffentlichen Ausschreibungen voran. Dagegen greifen diese Rationalisierungsbestrebungen in Deutschland nur langsam, vor allem aufgrund der föderalen Strukturen, die sich hier nicht selten als hinderlich erweisen und ein hohes Maß an Absprache erfordern.

Von Großbritannien einmal abgesehen, tat sich Outsourcing in westeuropäischen Ländern durchweg schwer, auf kommunaler (wie auch auf zentraler) Ebene Fuß zu fassen. Denn man gibt nur ungern die Kontrolle über IT-Systeme beziehungsweise IT-Angestellte aus der Hand, zumal Letztere in Ländern wie Deutschland einen beamtenähnlichen Status haben, was Outsourcing auch aus rechtlichen Gründen erschwert. Nicht zuletzt sorgte das Scheitern einiger „Complete Outsourcing Deals“, vor allem auf kommunaler Ebene, in Deutschland in den vergangenen Jahren für schlechte Publicity. Allerdings zwingt die miserable Haushaltslage die Städte und Gemeinden (fast) überall in Westeuropa dazu, Kostensenkungsmaßnahmen durchzuführen – und Outsourcing wird in Bezug auf IT oft als probates Mittel dafür gehandelt. In der Tat öffnen sich seit einigen Jahren die entsprechenden Behörden in allen Ländern immer mehr dem Outsourcing, jedoch in unterschiedlichen Ausprägungen.

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