Wo liegt das Geschäftsmodell für öffentliches Internet-Fernsehen?

Wieder muss die Fußballweltmeisterschaft herhalten, um einen Technologie-Boom herbeizureden. Dieses Mal geht es um Fernsehen über das Internet für all jene, denen das Rundumprogramm auf allen Sendern während der Mammutveranstaltungsreihe nicht reicht.

Fernsehen über das IP-Protokoll gibt es schon lange. Es wird durchaus sinnvoll für Videokonferenzen eingesetzt, für Online-Schulungen und das Hausfernsehen großer Unternehmen. Inzwischen erlebt es auch als multimediale Anreicherung für Web-Magazine einen zweiten Frühling. Doch die Anbieter wollen mehr, sie wollen den Massenmarkt.

Nach Erhebungen der Gartner Group wird die Initialzündung zur WM, besser dieser Anstoß bis Jahresende die Zahl der IP-TV-Abonnenten auf 47000 ansteigen lassen. Das sind bei 82 Millionen Deutschen, immerhin 0,057 Prozent. Aber das ist ja erst der Anfang. Im Jahr 2010 sollen es bereits 2,8 Millionen Nutzer sein, mit denen die Industrie rund 465 Milionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Das sind 166 Euro im Jahr pro Kunde – nun ja auch Kleinvieh macht Mist. Wahr werden können diese Prognosen allerdings nur, so die Gartner Group, falls es der Deutschen Telekom gelingt, „aufregende neue Dienste“ einzuführen. Tatsächlich gilt die Telekom hierzulande als wesentlicher Treiber der Entwicklung und kann neben einschlägigen Partnerschaften mit Microsoft und Premiere auch schon erste Aufträge vorweisen – in China.

Einen Boom für Internet-TV gibt es, glaubt man den Analysten, auch in den USA. Dort werden damit laut IDC rund 200 Millionen Dollar umgesetzt, bis 2010 sollen es immerhin 1,7 Milliarden Dollar sein. Der Grund: Jenseits des großen Teiches sind die Fernsehsender in das Geschäft eingestiegen und nutzen das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal, mit dem sich von Küste zu Küste und in die gesamte englischsprachige Welt ausstrahlen lässt.

Unglücklicherweise lassen sich die Erfahrungen aus China und den USA nicht auf den hiesigen Markt übertragen. Wir müssen weder eine Medieninfrastruktur aus dem Nichts aufbauen, noch ist unser Land so groß oder unsere Sprache so attraktiv, dass die Rundfunkanstalten über das IP-Protokoll ihren Sendebereich ausweiten könnten. Die Beispiele lassen sich fortführen. In Frankreich gewinnt IP-TV derzeit vor allem deshalb an Bedeutung, weil dort die Triple-Play-Anbieter (Fernsehen, Telefonieren und Surfen aus einem Netz) den Dienst momentan kostenlos dazugeben. Nur, bei uns ist noch jede Triple-Play-Kampagne im Sand verlaufen – auch wenn der Boom für IP-Telefonie hier derzeit wieder Hoffnungen keimen lässt.

Themenseiten: Breitband, IT-Business, Technologien, UMTS

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Wo liegt das Geschäftsmodell für öffentliches Internet-Fernsehen?

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *