Deutsche Verbraucher machen Telcos einen Strich durch die Rechnung

Mit dem Handy telefonieren Kunden hierzulande nur, wenn es sein muss. Die Anbieter sollten sich daher vom Mobilfunk- zum Komplettanbieter wandeln, sonst sehen sie schnell alt aus. Sagt eine neue Studie von Mercer Management Consulting.

Mit dem Handy telefonieren deutsche Kunden nur, wenn es sein muss. Dementsprechend machen die Mobilfunkanbieter hierzulande trotz des im europäischen Vergleich hohen Preisniveaus nur wenig Umsatz. Für mehr Wachstum sind sinkende Preise notwendig – und auf lange Sicht das Angebot von Festnetz- und Mobiltelefonie sowie festem Internetzugang aus einer Hand. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Festnetzsubstitution durch Mobilfunk“ von Mercer Management Consulting, deren Grundlage eine im Jahr 2005 durchgeführte Markterhebung bei rund 900 Haushalten ist.

Rund 90 von 100 Einwohnern in Deutschland besitzen ein Mobiltelefon. Doch die Handynutzung hiesiger Kunden liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt. Während hierzulande pro Teilnehmer und Monat im Jahr 2004 durchschnittlich rund 45 Minuten abgehende Gespräche gemessen wurden, waren es in England 88 Minuten und in Frankreich sogar 144 Minuten. Ähnlich ist es bei der Sprachnutzung des Mobiltelefons gemessen am Festnetz. So wurde in Frankreich und in Spanien im Jahr 2004 mit dem Handy etwa halb so viel telefoniert wie über das Festnetz – in Deutschland mit nur 15 Prozent nicht einmal ein Viertel so viel. „Die Mobilfunknutzung ist eindeutig zu gering“, sagt Jörg Hildebrandt, Partner bei Mercer Management Consulting.

Deutschlands Wachstum in mobilen Minuten resultiert ausschließlich aus der angestiegenen Anzahl der Geräte. Genutzt werden sie wenig. Wesentliche Ursache hierfür: Die durchschnittliche Mobilfunkminute ist in Deutschland fast fünf Mal teurer als die Festnetzminute. In Frankreich beläuft sich dieser Wert auf lediglich 1,8. Neben dem hohen Preisniveau hemmt aber auch die Preiswahrnehmung der Kunden die Handynutzung. Weit über zwei Drittel der im Rahmen der Mercer-Studie befragten Privatkunden begründeten ihr Konsumverhalten damit, dass Festnetztelefonie nach wie vor günstiger ist als Mobiltelefonie.

Die Konsequenz: Mobilfunkanbieter in Europa erzielten im Jahr 2004 trotz ihres niedrigeren Preisniveaus einen durchschnittlichen monatlichen Umsatz pro Kunde von rund 30 Euro. In Deutschland waren es nur 24 Euro. „Die Mobilfunkunternehmen müssen ihre Tarife senken und zugleich transparenter gestalten. Darin liegt ihre unmittelbare Wachstumschance“, folgert Hildebrandt. Durch die Anpassung der Preise an das europäische Niveau lässt sich die Mobilfunknutzung der Studie zufolge durchschnittlich um 14 Prozent pro Jahr steigern. Bis zum Jahr 2010 wäre damit eine Umsatzsteigerung pro Kunde auf 28 Euro im Monat möglich.

Themenseiten: Analysen & Kommentare, IT-Business, Mercer Management Consulting, UMTS

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