James Gosling über Java: „Manchmal muss man aussortieren“

Unter dem Druck einfacher Skriptsprachen versucht Sun Microsystems, Java leichter zugänglich zu machen. Java-Erfinder James Gosling erklärt im Interview, wie sich Java in heutige IT-Landschaften einfügt und wie er die Alternativen einschätzt.

Wer garantiert einen Flame-War in einem Webforum lostreten möchte, muss nur behaupten, dass eine Programmiersprache besser sei als eine andere. James Gosling, der „Vater von Java“, weiß das genau. Vor kurzem brach Gosling ungewollt mit einem Blog-Eintrag einen Streit über Java und Skriptsprachen vom Zaun.

Skriptsprachen – „dynamische“ Sprachen wie PHP oder Python – lassen sich einfacher erlernen als Java und werden von Entwicklern besonders gern bei der Erstellung von Webseiten eingesetzt. Viele, darunter auch frühere Java-Anhänger, sind jetzt der Meinung, dass die wachsende Nutzung von Skriptsprachen und der kurz mit LAMP bezeichneten Kombination von Open-Source-Komponenten (Linux, Apache, MySQL, Perl/PHP/Python) zu Lasten von Java gehe.

Trotz seiner verständlichen Vorliebe für Java lässt sich Gosling, inzwischen Chief Technology Officer für den Bereich Entwicklungsplattformen bei Sun, deswegen keine grauen Haare wachsen: „Ich glaube, dass wir bisher nur ein Drittel dessen erreicht haben, was mit Java tatsächlich machbar ist. Hier gibt es noch jede Menge Potenzial.“

Gosling spricht im Interview über die nicht enden wollende Debatte über Programmiersprachen, über die Vorteile, wenn man zur Zielscheibe von Flames wird, und über die künftige Entwicklung von Java.

ZDNet: Die Diskussion über die Vor- und Nachteile von Java als Programmiersprache lässt nicht nach. Dabei hört man oft, dass Skriptsprachen Java verdrängen. Wird Java also weniger eingesetzt? Kann Java sein Alter einfach nicht akzeptieren? Wird es langsam alt und schrullig?

Gosling: Ein Teil von mir wünscht, dass dem tatsächlich so wäre: Das würde mein Leben viel einfacher machen. Aber nach allem, was ich sehe, zum Beispiel die Umfragewerte von Evans Data und schon allein die enorme Verbreitung von Java und der damit verbundenen Technologien, kann ich keinen Rückgang erkennen.

Ich weiß, dass sich viele einen solchen Rückgang wünschen. Für mich ist das Spannendste daran zu sehen, wie durch die ganze Aufregung immer neue Formen hervorgebracht werden.

ZDNet: Warum sagen Sie, dass Sie sich wünschen, Java würde alt und schrullig?

Gosling: Ach, ich bin schon so lange dabei, und manchmal denke ich mir, dass ein Urlaub auch nicht schlecht wäre.

Es ist schon interessant, wenn man sich die Antworten auf mein letztes Posting in meinem Blog ansieht – ich halte mich nach Möglichkeit von Themen fern, die auch nur den geringsten Zündstoff in sich bergen. Aufgrund meines Hintergrunds dauert es allerdings nie lange, bis es in der Blogosphäre total verrückt zugeht.

Eigentlich wollte ich im Posting wirklich neutral und harmlos wirken, aber die Leute haben Beleidigungen gesehen, wo es keine gab. Andererseits gab es dann aber unheimlich viele Leute, die mich mit aller Kraft verteidigten. Ich empfand das als richtig herzerfrischend.

Für mich sind diese Entwicklerschulungen, die wir überall in der Welt durchführen, heute mit die besten Indikatoren für den Gesundheitszustand von Java. Sie werden immer größer, und immer mehr Leute melden sich dafür, besonders an Orten wie China und Indien und Brasilien, wo sie sich geradezu darauf stürzen.

Themenseiten: Anwendungsentwicklung, Software, Sun Microsystems

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