Wurm-Warnungen riskieren womöglich die Glaubwürdigkeit

Sicherheitsfirmen interpretieren nicht eingetretene Nyxem-Katastrophe unterschiedlich

Die angekündigte Katastrophe durch den Nyxem-Wurm ist ausgeblieben. Im Nachhinein sind Sicherheitsexperten nun geteilter Meinung, ob der wochenlange Aufruhr rund um den angeblich so gefährlichen Schädling gerechtfertigt war.

Der Medienrummel dürfte einige Betroffene vor Datenverlusten gerettet haben, da sie dank der zahlreichen Alerts ihre infizierten Systeme rechtzeitig vor dem Aktivierungsdatum des Wurms säubern konnten – soweit die Meinung einiger Branchenprofis. Andere Experten hingegen befürchten, dass das Nichteintreten des vorhergesagten Daten-GAUs die Glaubwürdigkeit zukünftiger Warnungen beeinträchtigen könnte.

Die Zerstörungsroutine des Nyxem, Blackmal, Kama Sutra oder Mywife genannten Wurms wurde am Freitag, den 3. Februar erstmals ausgelöst, doch die Pressebüros der bekannten Antivirenhersteller meldeten auch am vierten Tag danach so gut wie keine Schäden. Allem Anschein nach war der von vielen Security-Firmen aufgebauschte „Superwurm“ nicht mehr als eine Superniete.

„Die Gefahr von Hypes ist, dass PC-Anwender eine gewisse Gleichgültigkeit entwickeln und bei der nächsten Sicherheitswarnung keine Vorkehrungen mehr treffen“, meint Vincent Weafer von Symantec. „Man muss vermeiden, dass Anwender eine solche Denkweise entwickeln: ‚Diese vermeintliche Bedrohung war harmlos, wieso sollte ich mich also um die nächste kümmern?'“

Doch Ken Dunham vom Sicherheitsdienstleister Idefense steht zu den dringlichen Alerts der letzten Wochen. „Tatsache ist, dass Dateien auf hunderttausenden Rechnern hätten überschrieben werden können. Stattdessen haben wir nur eine Handvoll von Meldungen, und das ist ein klarer Sieg für die gemeinsamen Bemühungen der Security-Gemeinde“.

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1 Kommentar zu Wurm-Warnungen riskieren womöglich die Glaubwürdigkeit

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  • Am 6. Februar 2006 um 23:19 von Ruben Sutter

    Wurm Warnungen
    Wurm- und Virenwarnungen sind vergleichbar mit Unwetterwarnungen, manchmal bleibt auch ein Unwetter aus, viele Menschen haben einen Regenschirm dabei, obwohl Sie diesen nicht benötigen. Dennoch freuen Sie sich über den Sonnenschein, da Sie Regen erwartet hatten.

    Allerdings würde man sich deutlich mehr über den Wetterdienst aufregen wenn ein Tornado über einen hereinfegt und man den Schirm zuhause vergessen hätte.

    Horror-Warnungen haben enorme Vorteile, zum einen werden Benutzer aus Ihrem Winterschlaf wachgerüttelt und der ein oder andere User legt sicherheitshalber ein Backup an oder aktualisiert nach langer Zeit seinen Virenschutz mal wieder, "den man ja sowieso gerade nicht mehr wirklich braucht".

    Der Presserummel erhöht natürlich auch den Druck auf Sicherheitsunternehmen, für einen geeigneten Schutz und/oder Gegenmaßnahmen Sorge zu tragen.

    Wenn Viren und Würmer mit human engineering arbeiten sollte man ruhig mit Publicity kontern dürfen.

    Der beste Virenschutz hilft nichts, wenn die User nicht sensibilisiert werden und nach den Updates schauen
    und die Sicherheit des eigenen Systems
    überprüfen.

    Ich finde es wirklich schade, dass über den Virus mehr berichtet wird als über den Erfolg, diesen erfolgreich bekämpft zu haben. Stattdessen wird über die Glaubwürdigkeit der Warnungen spekuliert ???

    Trotz der eingesetzten Hightec sind es Experten und Behörden, die in guter Zusammenarbeit schlimmeres verhindern können; das Ausbleiben der Katastrophe liegt nicht an der Katastrophe sondern am gut organisierten Katastrophenschutz, der die Gefahr bereits im Vorfeld richtig einschätzt und bekämpft. Nur weil es keinen Massenausbruch des Vogelgrippe Virus gibt heisst es noch lange nicht, dass die Warnung vor der Vogelgrippe unglaubwürdig oder in Frage zu stellen wäre. Oder die Forscher maßlos übertreiben würden.

    Eine einzige Zusammenstellung von Nullen und Einsen reicht aus, um international einen enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten zu können.

    Leider gab es bereits in der Vergangenheit zahlreiche Beispiele von Computerfieslingen, die uns dies immer wieder vor Augen geführt haben.

    Momentan sitze ich gemütlich vor meinem Rechner und freue mich dass das ganze Chaos ausgeblieben ist. Ein großer Unterschied zum letzten großen Horrorszenario ist, dass ich nicht einer der wenigen bin, die rechtzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen getroffen haben sondern sich Millionen von Usern genauso entspannt zurücklehnen können.

    Jedoch sollte man sich stets bewusst sein, dass – trotz Optimismus ("die werden das schon hinbekommen, so wie beim letzten Mal") – die nächste Warnung genauso ernst genommen werden muss.

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