Als Folge von Hurrikan Katrina: Spezialeinsatz für RFID-Chips

Elektronische Identifizierungschips haben sich ihren Weg in alles gebahnt, von Gillette-Rasierern bis hin zu Häftlingen. Doch im September, als die US-Golfküste unter den Folgen von Hurrikan Katrina litt, fand sich ein völlig neues Einsatzgebiet dieser Technik: die Identifizierung von Toten.

Gary Hargrove, Leichenbeschauer im Harrison County, Mississippi, war der Erste, der Hochfrequenz-Erkennungschips (RFID) in Leichen implantierte. Damit sollte die steigende Zahl der Toten an der US-Golfküste im Gefolge des Hurrikans Katrina verarbeitet werden. Er sagte, dass die Chips einer Firma aus Florida namens Verichip dabei behilflich waren, die Sturmopfer zu identifizieren und sie ohne Verwechslungsgefahr ihren Familien zu übergeben. Im Bezirk wurden die Chips auch in die Leichen implantiert, die während der Flut aus den Gräbern geschwemmt wurden.

Verichip ist auf menschliche RFID-Systeme spezialisiert und vermarktet diese Technik hauptsächlich an Krankenhäuser, zur Verfolgung lebender Patienten. Eine neue Zielgruppe sind auch Unternehmen, bei denen sie zur Erkennung eingesetzt werden, sicherer als Erkennungszeichen und Karten. Doch die Implantation in Menschen wird sehr kontrovers diskutiert. Einige Kritiker machen sich Gedanken über mögliche Verstöße gegen Bürgerrechte. Andere sind aus religiösen Gründen dagegen.

Gelten solche Bedenken noch, wenn die Personen tot sind? In einem Gespräch mit CNET News.com/ZDNet sprach Hargrove über diese und andere Fragen.

ZDNet: Wo liegt der Vorteil des Implantierens von RFID-Chips in Leichen? Inwiefern ist es besser als zum Beispiel ein Leichenpass oder ein Barcode?

Hargrove: Man kann Leichenpässe aus Papier verwenden, die nicht sehr lange halten. Wenn sie einmal feucht werden, lösen sie sich auf oder die Tinte verläuft und man kann die Zahlen nicht mehr lesen. RFID ist eine bessere Methode, um den Überblick zu behalten. Die Nummer wird am Leichensack befestigt, gleichzeitig wird auch der Chip platziert und man muss den Sack nicht wieder öffnen. Ein Scanner kann von außen an den Sack gehalten werden, etwa auf Höhe der linken Schulter, und er erfasst die 16-stellige Nummer, die in den Körper implantiert wurde.

ZDNet: Wie funktioniert das genau? Die Chips wurden in die Leichen implantiert?

Hargrove: Die Chips wurden direkt unter die Haut implantiert. Sie können in jedem Teil des Arms liegen. Wir haben uns für die linke Schulter entschieden. Dadurch wird sie zu einem durchgehenden Ort für alle aufgefundenen Opfer.

ZDNet: Wurde das schon einmal an anderen Orten durchgeführt oder waren Sie der Erste?

Hargrove: Meines Wissens war dies ein vollständig neuer Einsatz für den Verichip.

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1 Kommentar zu Als Folge von Hurrikan Katrina: Spezialeinsatz für RFID-Chips

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  • Am 7. Februar 2006 um 7:51 von oliver

    RFID-Chips zur Unterstützung von Identifizierung
    Ein interessanter Artikel. Die Idee ist aber keineswegs neu und wird auch schon längst zu Zwecken der eindeutigen Identifizierung von Katastrophenopfern eingesetzt.
    Da waren die Deutschen wohl etwas schneller als die Amerikaner. Dass die Chips aber auch noch in 5 Jahren unter der Haut einer Leiche implantiert sind halte ich für faktisch falsch. Durch die bekannten Prozesse auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, wird in 5 Jahren wohl nur noch wenig Gewebe übrig sein unter dem ein Chip haften würde. Die Deutschen haben diese Problematik anders gelöst und stellt sicher, dass der Chip auch in 50! Jahren noch am Leichnam haftet.
    Die eindeutige Nummerierung der Leiche stellt bei der Identifizeirung von Opfern lediglich einen Bruchteil der möglichen Fehlerquellen ab.

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