2006 wird das Jahr der schleichenden Umwälzung

Open-Source, SOA, Virtualisierung - die Früchte der vergangenen Jahre werden den Markt umkrempeln. Besonders wird dies Microsoft in Bedrängnis bringen. Und ja: Mit und ohne Fußball geht im Unterhaltungssektor die Post ab.

Der Blick in die Glaskugel erschien selten so langweilig wie Anfang 2006. Generell darf die Branche für Informations- und Kommunikationstechnik mit stabilen Wachstumsraten rechnen. Die meisten Megatrends (Integration, Open-Source, Serviceorientierte Architekturen, Sprach-Daten-Konvergenz und so weiter) reifen schon seit geraumer Zeit. Doch davon sollte man sich nicht einschläfern lassen. Die Früchte der vergangenen Jahre könnten den Markt umkrempeln.

Nehmen wir die Unternehmens-DV. Es mag Gähnreflexe auslösen, ist aber durchaus positiv, wenn sich im kommenden Jahr immer mehr Unternehmen um Security kümmern. Die wachsenden Beliebtheit von Open-Source-Software dürfte auch niemanden überraschen – höchstens dass sie in den USA erst boomt, seit Suse einem US-Unternehmen gehört. Wenig verwundert schließlich, wenn Unternehmen ihre Outsourcing- und Offshoring-Projekte nicht mehr an die große Glocke hängen – zumal sie nicht immer so erfolgreich sind wie erhofft. RFID findet zunehmend Eingang in die Firmenlogistik, ebenso wie Speichernetze und so weiter und so fort…

Neu ist am ehesten, dass sich die Knausrigkeit der vergangenen Jahre langsam in sinnvolle Anpassung der IT an die Geschäftsprozesse verwandelt. Business-IT-Alignment heißt heute das Schlagwort, unter dem Konsolidierung, Integration und die Auslagerung von Aufgaben an Dienstleister (Outsourcing/Offshoring) betrieben wird. Was lediglich nach einem neuen Etikett für eine alte Flasche Essig klingt, deutet tatsächlich einen Kulturwandel an. Die Unternehmen und ihre DV-Abteilungen haben schmerzhaft lernen müssen, dass IT nicht zum Renommieren da ist, sondern zur Unterstützung des Geschäfts. Informationstechnik hat eine dienende Rolle erhalten, in der Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit zu den Haupttugenden gehört.

Umgesetzt wurden diese Tugenden vor allem durch die Etablierung von Standards. Sie sind der Grund, warum sich Webservices (unter dem Etikett von serviceorientierten Architekturen, kurz: SOA) nun im dritten Anlauf anschicken, endlich Realität zu werden. Zur Jahrtausendwende träumte Microsoft vom webweiten E-Commmerce mit sich selbst als Inkasso-Knoten, in der zweiten Welle wurden sie zu internen Integrationsschnittstellen degradiert, heute aber bieten nicht nur Middleware-Anbieter sondern auch Softwarehäuser servicebasierte Komponenten an, die sich zudem meist in die Systeme der Mitbewerber einklinken lassen. Das kommende Jahr wird zeigen, ob die vielen Angebote sich in der Praxis bewähren, oder ob es noch einen vierten Anlauf brauchen wird.

Themenseiten: Analysen & Kommentare, Compliance, IT-Business, Mittelstand, RFID, SOA

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