Forscher: Gewalt-Videogames lassen abstumpfen

Wissenschaftler wollen veränderte Gewaltwahrnehmung entdeckt haben

In der seit Jahren andauernden Auseinandersetzung zur Frage ob Gewalt in Videospielen zu aggressiverem Verhalten führt, wollen US-amerikanische Forscher einem Bericht von „New Scientist“ zufolge einen neuen Zusammenhang nachgewiesen haben. Sie fanden über Messungen der Gehirnaktivitäten von Gamern heraus, dass das häufige Spielen von gewalttätigen virtuellen Games zu einer veränderten Wahrnehmung realer Gewalt führt.

Das Forscherteam konfrontierte 39 erfahrene Spieler mit emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen und führte parallel ein Elektroenzaphalogramm (EEG) durch, um die Gehirnaktivitäten der Untersuchten zu messen. Jene Spieler, die sich als Dauer-Konsumenten gewaltvoller Spiele beschrieben, zeigten auch bei schockierenden realen Gewaltabbildungen kaum messbare Reaktionen. „Die Leute, die am häufigsten gewaltvolle Videogames spielten, reagierten auf jene Darstellungen beinahe neutral“, meint Studienleiter Bruce Bartholow von der University of Missouri, Columbia.

Diese messbare Desensibilisierung gegenüber virtueller wie reeller Gewalt wertet Bartholow als Nachweis dafür, dass gewalttätige Videogames Auswirkungen auf das Gehirn haben, die in weiterer Folge zu aggressivem Verhalten führen. Damit kommen die Forscher zu einem ähnlichen Schluss wie deutsche Kollegen der Universität Aachen, die im Juni diesen Jahres mit ähnlichen Ergebnissen aufwarten ließen.

Kritiker freilich argumentieren, dass eine Desensibilisierung gegenüber visuellen Darstellungen nicht automatisch mit einem gesteigerten realen Aggressionspotenzial gleichgesetzt werden kann.

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11 Kommentare zu Forscher: Gewalt-Videogames lassen abstumpfen

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  • Am 13. Dezember 2005 um 16:28 von Paul

    emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen
    "Forscher" Und was ist dann mit Feuerwehrleuten, Sanitäter, Operationsärtzen, OP-Krankenschwestern, Metzgern u.s.w.? Nicht die bildliche sondern die reale Darstellung wird hier tagtäglich ertragen ohne das es gewalttätige Auswirkungen hat. Hier kommt es vielmehr auf das Milieu und das Elternhaus an, was und wie ein junger Mensch geprägt wird. Demnächst heißt es vor Gericht: "mildernde Umstände, da er in seiner Kindheit Gewaltspiele konsumierte"

    • Am 13. Dezember 2005 um 20:03 von Ulrich

      AW: emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen
      Ich kann Dir da zu 100 % zustimmen; ansonsten müßten ja alle diese Menschen (Polizisten haste noch vergessen) irgendwann mal ausrasten…..

    • Am 13. Dezember 2005 um 23:25 von RaZoR

      AW: AW: emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen
      Ihr vergesst dabei leider, dass die genannten Berufsgruppen, außer Metzger in diesem Fall, über eine außerordentliche psychologische Betreuung verfügen und nach Einsätzen in denen sie mit sogenannten emotional aufwühlenden Dingen konfrontiert werden auch eine psychologische Untersuchung bestreiten müssen. Es ist ja keinesfalls so, dass an Polizisten oder Sanitätern solche Dinge ganz spurlos vorbeigehen, es sind ja immer noch Menschen. Sie erhalten nur eine Schulung im Umgang mit Stresssituationen und Stressbewältigungsseminare. Man sollte auch bedenken, dass es genug Einsatzkräfte gibt, die durch psychische Belastungen in Einsätzen auch dienstunfähig oder wenigstens außer Dienst gestellt werden, um eine Therapie zu absolvieren.
      Und den Zusammenhang der Abstumpfung gegenüber Gewalt durch die ständige Konfrontation mit eben diesem Sachverhalt (fängt ja schon in Zeichentrickserien für die Kiddies an und zieht sich durch die gesamte Medienwelt; PC, Konsolen und Film nicht ausgeschlossen) kann ja nun niemand mehr leugnen oder verharmlosen. Es springen ja nicht umsonst Jugendliche in den Tod, weil sie Szenen aus PC-Spielen nachstellen. Gegen diesen Realitätsverlust hilft auch nur noch eine Therapie, die aber meistens nicht durchgeführt wird, weil es ja völlig normal ist, Videospiele mit gewaltverherrlichendem Inhalt zu spielen.

    • Am 14. Dezember 2005 um 8:06 von Über den Kamm scheren

      AW: AW: AW: emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen
      In einigen Punkten hast Du schon recht. Nur hat das ganze Thema viel mit der Vermittlung von Werten durch das soziale Umfeld zu tun. Kinder, die Szenen nachstellen wollen, und sich dabei verletzen oder gar umkommen, haben diesen Realitätsverlust nicht durch die Spiele erfahren, sondern schon viel früher durch fehlende Wertevermittlung durch eben das soziale Umfeld und die Erziehung der Eltern.
      Man kann es doch gut an den Jungendlichen sehen, die z.B. in der Bronx von New York leben. Hier stimmt das soziale Umfeld nicht, und viele Jugendliche sind gewaltbereit und emotional abgestumpft. Und das ist definitiv nicht auf den Konsum von Videospielen zurück zuführen. Und es leben dort auch viele Jungendliche, die von ihren Eltern eben noch die richtigen Werte vermittelt bekommen, und eben nicht gewaltbereit sind.

      Diese Studien sagen nichts über den sozialen Background. Aber dieser hat sehr großen Einfluß auf die soziale Kompetenz eines Kindes.
      Somit haben solche Studien keinen wirklichen Wert.

      Das ganze Thema lässt sich leicht auf den Punkt bringen. Die Erziehenden, Eltern, Großeltern, Verwandte usw) müssen mehr in die Pflicht genommen werden, um den Kindern mehr soziale Kompetenz beizubringen. Es gilt die Sache an der Wurzel zu packen, und nicht an den Symptomen herum zu doktorn.

      Aber eines sollte auf jeden Fall jedm kalr sein: Gewaltspiele (Egoshooter) haben in Kinderzimmern nichts zu suchen. Vor allem keine Spiele wie GTA San Andreas. Das sind Games, die das Wertebild eines Kindes dauerhaft negativ beeinflussen können, weil hier das Wertebild der Gesellschaft komplett auf den Kopf gestellt wird.

      Bei Taktikshootern ist das schon etwas anders gelagert, weil die Gesellschaft Krieg in gewissen Situationen gutheißt.

    • Am 14. Dezember 2005 um 10:52 von RaZoR

      AW: AW: AW: AW: emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen
      Du solltest aber auch bedenken, dass die sogenannten Taktik-Shooter auch mißbraucht werden um den Jugendlichen die Tätigkeiten in den Streitkräften dieser Welt näher zu bringen und um eventuell die Soldaten von Morgen zu rekrutieren. Dies gelingt sogar, weil die Kampfhandlungen durch die größere Entfernung zum Gegner und das taktische vorgehen bei den Aktionen meist verharmlosend wirkt und die Auswirkungen nicht so explizit gezeigt werden. Dadurch entsteht das Bild von dem strahlenden Helden auf dem Schlachtfeld, dem nichts passiert, weil er taktisch und im Team vorgeht und sich ganz bestimmt nicht die Hände schmutzig macht. Sowas kommt bei den Jugendlichen sehr gut an, bis diese dann selber auf dem Schlachtfeld stehen oder sich im Häuserkampf befinden und merken, dass das alles gar nicht so einfach und harmlos ist.

      Und ich weiß nicht, welche Regierung einen Krieg gut heißt, ich meine schon das ich da eine kenne (oder besser gesagt wir alle), aber generell ist Krieg nur ein Mittel zum Zweck und wird niemals als gut erachtet. Daher werden kriegerische Auseinandersetzungen auch so oft es geht vermieden.

    • Am 14. Dezember 2005 um 12:08 von Über den Kamm scheren

      AW: AW: AW: AW: AW: emotional aufwühlenden bildlichen Darstellungen
      Natürlich werden diese Taktikshooter auch vom Millitär eingesetzt, ganz klar. Aber das hat wenig Eindruck auf eine sozial gefestigte Persönlichkeit.
      Wem begebracht wurde, dass Krieg immer nur die allerletzte Lösung ist, der ist gegen eine solche "Werbung" imun.
      Wer sich davon beeinflussen lässt, dem wurde zum einen nicht die richtigen sozialen Werte beigebracht, und zum anderen ist diese Person intellektuell leider "minderbemittelt".
      Bei den Amis fällt eine solche Werbung leicht auf fruchtbaren Boden. Den Jugendlichen werden dort ja auch ganz falsche Werte vermittelt. Das kann man mit z.B. Deutschland oder überhaupt Europa nicht vergleichen.

      Krieg wird von Regierungen und Bevölkerungen immer dann gut geheißen, wenn es z.B. um lebensnotwendige oder moralische Dinge geht. Dann steht sogar die Gesellschaft dahinter.
      Das ist der Punkt. Vermieden wird der Krieg im Allgemeinen von Wohlstandsländern. In Asien und Afrika z.B. sieht das schon wieder ganz anders aus.

      Aber ich schrieb ja auch, das Gewaltspiele überhaupt nicht in Kinderhände gehören.
      Ich glaube, da sollten wir uns alle einig sein. Kinder sind eben noch keine gefestigten Persönlichkeiten, und können viel leichter beeinflußt werden, als Erwachsene.

  • Am 13. Dezember 2005 um 20:25 von Dietmar

    Gewalt Videogames
    Hallo,
    es klingt zwar sarkastisch, aber ich habe zwischenzeitlich den Eindruck, dass hier mit solchen Studien versucht wird, schuldige zu suchen für den sozialen Niedergang userer Gesellschaft. Bei Personen, die noch nie mit oder selten mit Gewalt kofrontiert wurden, führt das ganze zu einer Stresssituation, in der sie handlungsunfähig sind (mit entsprechenden Gehirnsströmen) Der Vergleich hinkt vielleicht ein wenig, ich habe mal ein umfangreiches Fahrtraining bei einem Automobilherrsteller genießen dürfen und einer der Schwerpunkte war nicht das spektakuläre bewegen eines Fahrzeuges, sondern der Umgang mit Stresssituationen. Denn Stress bedeutet in der Regel falsches Reagieren.
    Meiner Tochter wurde ihre Schlulabschlussarbeit "Virutuelles Töten" (Analyse von Counterstrike) fast zum Verhängniss, da sie nach den Szenen aus dem Spiel, reale Vorgänge auf dem Schulhof als Videodokumentaton gezeigt hat… Natürlich zur Entrüstung der versammelten Lehrer un Elternschaft in der Aula.
    Gruß
    Dietmar

  • Am 14. Dezember 2005 um 7:52 von Muffl

    Gewalt-Videogames lassen abstumpfen
    Was von diesem Forscher zu halten ist kann man (frau) daran erkennen, dass er auch festgestellt haben will, dass der Anblick von Alkohol ebenfalls Gewalt erzeugt. (www.pressetext.at/pte.mc?pte=051105002)
    Demnächst wird er wohl noch feststellen, dass träumen oder schlafen Gewalttätig macht.
    Also vergesst solche Studien die von Forschern stammen bei denen so gut wie alles Gewalt erzeugt.
    Übrigens: Auch ein Zoobesuch erzeugt Gewaltgefühle. Die Urtriebe des Menschen kommen wieder zum Vorschein (Jagdtrieb).
    Diese Behauptung stammt jetzt von mir und hat auch keine wissenschaftliche
    Beweiskraft. Sie darf aber überall veröffentlicht werden.

  • Am 14. Dezember 2005 um 8:37 von None

    Mediale Überflutung
    Moin,

    man muss diese Dinge immer im Kontext und im Verhältnis sehen. Betrachtet man unsere Vergangenheit, leben wir relativ gewaltfrei (z. B. Mittelalter Folter, 30-jähriger Krieg, WWI , WWII, offene Gewalt der Mafia).

    Heute ist die Gewalt nur scheinbar präsenter, weil die Medien diese direkt an uns herantragen.

    Heute weiß doch jeder ob heute in Hamburg einer ermordet / vergewaltigt wurde oder nicht (inkl. Foto und "Hintergrundberichte"). Mein Opa wusst noch nicht mal, ob dies im übernächsten Dorf passiert war (überzeichnet formuliert).

    Da scheint mir doch die Suche nach einem Schuldinge für die Gewalt in unsere Zeit doch eher wie ein Beschäftigungstherapie für Wissenschaftler, welche unbedingt ein Forschungsthema brauchen.

    Weiterhin stimme ich beiden Argumentationen bei den Berufsgruppe zu. Allerdings ist die psychologische Betreuung von Metzgern nicht gerade die beste. ;-)

    • Am 14. Dezember 2005 um 10:40 von RaZoR

      AW: Mediale Überflutung
      Die psychologische Betreuung bei den Metzgern habe ich ja auch ausgeschlossen ;-)

      Aber mit der medialen Überflutung hast du schon ein sehr großes Problem unserer Gesellschaft angesprochen und das betrifft ja nicht nur die Nachrichten. Die Gewalt fängt ja wirklich schon bei den Zeichentrickserien an. Die Kiddies werden tagtäglich mit Gewaltszenen und Fekalsprache konfrontiert und das kann ich wirklich nicht gut heißen, leider kümmern sich die Eltern auch nicht mehr um ihre Kinder, da es ja schön bequem ist, wenn das Söhnchen oder Töchterchen vor dem Fernseher sitzt und abgelenkt wird. Dieses Problem finde ich fast noch viel schlimmer als die Gewaltdarstellungen in den Medien.

    • Am 14. Dezember 2005 um 12:33 von Über den Kamm scheren

      AW: AW: Mediale Überflutung
      Ich denke nicht, das die multimediale Überflutung das Problem ist. Auch nicht die unverantwortlichen Eltern. Es ist meiner Meinung nach viel mehr ein Gesamtgesellschaftliches Problem.

      Der Rahmen stimmt einfach nicht mehr. In vielen Familien müssen heute beide Elternteile schon vollzeitlich arbeiten gehen, um den Lebensstandard sichern zu können. Und dann ist niemand da, der sich nachmittags mit den Kindern beschäftigen, und sie in die richtige Richtung leiten kann. Die Kinder haben eben heute kaum noch Anleitung und Ansprechpartner. Und die Eltern können in dieser Zeit nicht kontrollieren ob, und wie lange das Kind z.B. nur am Computer saß, anstatt mit anderen Kinder zu spielen, und etwas über soziale Kompetenz zu lernen.

      Ein weiteres Problem ist die Filmindustrie, die Gewalt immer realistischer darstellt, ob das nun für den Film sinnvoll ist oder nicht. Hauptsache es ist blutiger und brutaler als der Film der Konkurrenz.
      Und dies liegt wiederum an der sozialen und gesellschaftlichen Einstellung der Amerikaner, welche mit Gewaltverherrlichung, überzogenem Patriotismus und dem Recht des Waffentragens groß geworden sind. Die Diefferenzieren immer erst, wenn Lansleute im Krieg sterben.
      Und leider wird in Europa immer noch viel von den Amerikanern abgeschaut. Typisch deutsche Tugenden verwischen zu einem nebelhaften Etwas, das die Kinder und Jugendlichen heute nicht mehr verstehen. Und wir können ihnen dies nicht mehr im ausreichendem Maße vermitteln, weil wir einfach nur noch im Stress sind. Zu meiner Kinderzeit, waren unsere Mütter im allgemeinen Hausfrau und Mutter. Sie haben uns Werte vermittelt, angeleitet und uns in die richtige Richtung geschuppst.
      Heute wird dies vom Staat und den Lehrern gefordert.
      Da kann doch grundsätzlich etwas nicht stimmmen.

      Ich bin nicht gegen arbeitende Frauen. Heute können ja auch die Männer den Hausmann und Vollzeitvater machen, ohne dafür als Weichei und Warmduscher gebranntmarkt zu werden. Aber einer sollte immer für die Kinder da sein. Und eben das ist schon seit langem nicht mehr so.
      Wer bitte soll denn die richtien Werte vermitteln, wenn keiner für die Kinder da ist?
      Da liegt meiner Meinung nach der Hase im Pfeffer begraben.

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