Der Boss von Jboss zieht einen Schlussstrich

Vor wenigen Tagen sprach ZDNet in München mit Marc Fleury, Gründer und CEO der Open-Source/Java-Schmiede Jboss und seinem General Manager EMEA, Sacha Labourey. Gegenstand der Diskussion war die Kritik am Geschäftsgebaren des Unternehmens sowie die neusten Produktentwicklungen.

ZDNet: Lassen Sie uns mit einer simplen Frage einsteigen: Herr, Fleury, Sie definieren Ihr Unternehmen als eine Open-Source-Firma der zweiten Generation. Können Sie das näher erläutern?

Fleury: Klar. Ich glaube es war auf der OSBC (Open Source Business Conference) vor zwei Jahren, als Jboss und My SQL zu traditionellen Open-Source-Companies erklärt wurden. Mittlerweile aber haben Firmen wie wir unsere Open-Source-Produkte angereichert mit kommerziellen Produkten, ganz ähnlich wie auch Red Hat das tut. Daher kann man nun von der zweiten Generation der Open-Source-Unternehmehn sprechen. Moderne Open-Source-Software (OSS) funktioniert wie echter Business, auch wenn wir nach wie vor eine funktionierende Community im Rücken haben.

ZDNet: Dieses Business-Modell scheint nicht jedem zu schmecken. Sie haben viel Kritik einstecken müssen. Angeblich haben Sie rechtliche Schritte gegen ihre Partner eingeleitet, weil diese angeblich die Marke „Jboss“ und die damit Verbundene Software unerlaubt verwendet haben. Ein Schritt, der nur schwer mit der für Open-Source-Software maßgebliche GPL vereinbar ist. Oder?

Labourey: Wow, da muss ich wohl einiges klar stellen. Lassen Sie mich kurz ausholen: Wir hatten einen Vertrag mit dem Darmstädter J2EE-Beratungsunternehmen Brockhaus, den sie aber gebrochen haben. Wir haben ihnen daraufhin gekündigt. Sie haben aber weiter unser Trainingsmaterial für eigene Zwecke eingesetzt, woraufhin wir ihnen eine Unterlassungserklärung zukommen ließen. Erst dann haben sie sich an die Presse gewandt. Aber wir haben sie nie verklagt. Um das ganz klar zu sagen, es ist nicht unser Geschäft, andere Firmen zu verklagen, aber wir schützen unsere Marke und unser geistiges Eigentum.

ZDNet: Unlautere Machenschaften wertden Ihnen aber auch von anderer Seite vorgeworfen. Ihr ehemaliger Mitarbeiter Rickard Öberg wirft Ihnen zudem vor, eine Trademark-Politik zu betreiben, die nur schwer mit der GPL vereinbar ist.

Fleury: Unsere Trademark ist eine Sache, das Copyright unter LGPL eine andere. Wir haben unseren Code von der Free Software Foundation Europe prüfen lassen. Mit dem Ergebnis, dass unser Code nie gegen die Copyrightregeln der LGPL verstoßen hat.

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