Future-Trends: Podcasting, Radio-On-Demand und mobile Dienste

Auf den Medientagen in München diskutierten Experten die Zukunft der elektronischen Unterhaltung. Fazit: Das Handy wird das neue Leitmedium. Die bildungsfernen Schichten werden zuallererst GZSZ damit gucken. Der Rest macht seine Videocasts selber. ZDNet bietet einen Überblick.

60 Millionen Deutsche benutzen derzeit ein Handy – und das schon lange nicht mehr nur um zu telefonieren. Mit der Einführung von UMTS stehen jetzt die technischen Möglichkeiten offen, um auch Fernsehen und andere Entertainment- und Informationsangebote über das Handy zu empfangen. Von altbekannten Angeboten wie Radiosendungen mal ganz abgesehen. Obwohl die UMTS-Umsätze noch bescheiden sind, wird dies der zukünftige Wachstumsmarkt sein – darin waren sich viele Experten auf den Medientagen in München einig.

Die Erfolgskriterien für diesen Markt seien gute Inhalte und flexiblere Modelle in der Wertschöpfungskette. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, aber Mobile Media wird ein Wachstumsmarkt bleiben“, prognostizierte Thomas Künstner, Partner bei Booz Allen Hamilton, in einer Expertenrunde. Kaum erreichbares Erfolgsbeispiel sei derzeit Südkorea, wo es bereits ein Angebot von elf Video- und 26 Audiokanälen für Mobile TV gebe, mit etwa 200.000 Kunden, die zehn Euro pro Monat zahlen. Für Deutschland rechne er zunächst mit einem Umsatzpotenzial von 200 bis 300 Millionen Euro 2007.

Um die Potenziale voll auszuschöpfen, „brauchen wir gute, zielgruppenspezifische Programm-
Marken“, betonte Dr. Susanne Stürmer, Director Corporate Affairs Ufa Film & TV Produktion. Neben bekannten Programmen wie der Daily Soap „Gute Zeiten schlechte Zeiten“, die bereits vom Handy abrufbar ist, arbeite die Ufa zurzeit an originären Inhalten nur für das Handy. Denkbar wären zum Beispiel zwei bis dreiminütige Soaps, die eine eigene kleine Geschichte erzählten.

Wolfgang Kasper, Direktor Mobile Business RTL interactive, zeigte sich dagegen skeptisch, ob die Mobilfunkbetreiber überhaupt bereit seien, noch unbekannte Programme auf das Handy zu bringen. „Im Unterschied zu bekannten Programmen wie ‚GZSZ‘ oder ‚RTL aktuell‘, die wir bereits für Mobilfunkbetreiber zusammenstellen, muss hier erst Bekanntheit entstehen. Wie will man die erzeugen, wenn nicht durch das Fernsehen?“, gab er zu bedenken.

Auch Henrik Rinnert, Geschäftsführer der im September 2005 gegründeten MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland) war der Ansicht: „Es gibt bereits guten Content, der auch für mobiles Fernsehen geeignet ist. Aber natürlich sind gewisse Formen der Adaption oder Bearbeitung nötig.“ Dies bestätigte Kasper aus Erfahrung. So würde zum Beispiel „RTL aktuell“ für das Handy extra gedreht, weil die Kameraschwenks langsamer sein und auch Peter Kloeppel anders sprechen müsse. Doch die Verfügbarkeit von Programm allein reiche nicht aus, so der Tenor des Podiums. Die Möglichkeiten der Interaktion, die die Technikstandards DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handhelds) und DMB (Digital Multimedia Broadcasting) bieten, müssten voll ausgeschöpft werden.

„Durch den direkten Rückkanal tun sich ungeahnte Möglichkeiten der Zuschauerbindung auf“, erklärte Frederic Westerberg, Managing Partner Brand New World. „Plötzlich weiß man genau, wie das Seherverhalten aussieht und kann in Zukunft Angebote wie auch Werbung direkt auf das Kundensegment zuschneiden.“

Um so weit zu kommen, muss jedoch erst die Zusammenarbeit zwischen Content- und Technikanbietern deutlich verbessert werden, forderten die Panelmitglieder. „Noch werden die Nutzerdaten bei den Providern wie ein Geheimnis behandelt“, monierte Kasper. Auch Dirk Figge von der Debitel- Tocher Midray, der zunächst davor warnte, alle technischen Möglichkeiten sofort zu testen („Da überfordern wir den Verbraucher“) sah bei der Zusammenarbeit Handlungsbedarf. „Noch müssen Wertschöpfungsketten zwischen den einzelnen Partnern hergestellt werden.“ Ein gewisser Lerneffekt sei aber bereits eingetreten“, fand Künstner und betonte: „Es geht einfach nur zusammen.“

Themenseiten: IT-Business, Technologien, UMTS

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