Die Revolution wurde vertagt: VoIP wird TK nicht aufrollen

Forrester erwartet bis 2010 nur etwa 30 Prozent Marktanteil für VoIP im Bereich der privaten Festnetztelefonie. Etablierte Telecoms bleiben demnach marktbeherrschend.

Forrester winkt weiter ab, was das Thema VoIP und seine Chancen am Telekommunikationsmarkt betrifft: Nach Ansicht der Industrie werden VoIP- Anbieter wie Skype und Vonage großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Telekommunikationsindustrie haben, berichtet das internationale Markforschungs- und Beratungsunternehmen. Das Analystenhaus hebt aber auch hervor, dass es ihnen nicht gelingen wird, die etablierten Telefonieanbieter im Consumer-Markt zu entthronen.

Forrester geht davon aus, dass sich reine VoIP-Anbieter nicht als unabhängige Unternehmen am Markt etablieren werden. Sie böten weder ein revolutionäres Leistungsspektrum an, noch verfügten sie über die Wettbewerbsvorteile der Etablierten. Die Exmonopolisten werden demnach auch in der Zukunft den Markt der Sprachübertragung dominieren, wenn sie ihre innovativen Strategien, mit denen sie auf VoIP reagieren, weiterverfolgen.

Lars Godell, Principal Analyst Telecom bei Forrester Research, erwartet keine Neuordnung des Marktes. „Sicherlich wird die Verbreitung von VoIP dazu beitragen, dass sich neue Preismodelle für die Sprachübertragung im gesamten Telekommunikationsmarkt durchsetzen. Dies wird aber nicht zu der von den Befürwortern reiner VoIP-Angebote erwarteten Sprengung der derzeitigen Marktstrukturen führen“, so Godell. „Wir beobachten im Bereich der Konsumentennutzung von VoIP eine ähnliche Überbewertung des Marktes wie zu Zeiten des dot.com- und Telekommunikations-Hypes. Allerdings fordern VoIP und seine Anbieter den Telekommunikationsmarkt heraus: Um den Machtwechsel zu verhindern, müssen die etablierten Anbieter aufwachen und ihre Geschäftmodelle restrukturieren.“

VoIP sei noch nicht ausgereift. Die lückenhafte SIP-Technologie, noch offene regulatorische Rahmenbedingungen, mangelnde Durchsetzungskraft der Unternehmen und nicht ausreichend skalierbare Management-Systeme für öffentliche Netzwerke seien nur einige der Probleme. Hemmschuh seien auch die Zurückhaltung der Konsumenten und die schleppende Verbreitung von Breitband. Forrester schätzt, dass VoIP bis 2010 etwa einen Anteil von 30 Prozent im Bereich der privaten Festnetztelefonie erobern wird. Eine Annäherung an 100 Prozent ist bis 2020 nicht zu erwarten.

Die etablierten Unternehmen haben viele Vorteile, wenn sie auf Herausforderungen schnell reagieren. Sie verfügen im Gegensatz zu reinen VoIP-Anbietern über umfangreiche Erfahrungen im preisgetriebenen Wettbewerb, können Services gebündelt anbieten, haben eine etablierte Kundenbasis, eine entsprechende Billing-Erfahrung und sind finanzstark. Nach Ansicht von Forrester werden Player wie MSN, AOL, Yahoo! und Google, die bereits Serviceangebote auf den Markt gebracht haben, es nicht schaffen, die Marktführerschaft im nationalen VoIP-Endkundenmarkt in West-Europa zu übernehmen.

Themenseiten: Analysen & Kommentare, Forrester Research, IT-Business, VoIP

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1 Kommentar zu Die Revolution wurde vertagt: VoIP wird TK nicht aufrollen

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  • Am 19. Oktober 2005 um 13:42 von Der Skeptiker

    Da irrt Forrester
    Zitat: Hemmschuh seien auch die Zurückhaltung der Konsumenten und die schleppende Verbreitung von Breitband. Forrester schätzt, dass VoIP bis 2010 etwa einen Anteil von 30 Prozent im Bereich der privaten Festnetztelefonie erobern wird.

    Was Forrester nicht in Betracht zieht, ist der extrem hohe Preis für Kommunikation in Deutschland. Egal ob Breitband, Handy oder Festnetz, die Kosten sind im weltweiten Vergleich bei uns irre hoch.

    Wenn man der Telekom 30% ihres Umsatzes wegnimmt, dann sind sie vermutlich pleite. Da das langsam geht, hat die Telekom zumindest die Chance darauf zu reagieren. Dass Breitband und Telefonieren so teuer bleibt ist Teil der Bremsstrategie der Telekom. So bleibt ihr mehr Zeit endlich zu reagieren.

    Diejenigen, die es schaffen vorab ihre Telefonrechnung mit VoIP zu vierteln, werden gegenüber den anderen deutlich im Vorteil sein. Da kann auch die beschwichtigende Aussage von Forrester (wer hat eigentlich die Studie bezahlt) nichts dagegen sagen.

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