Open-Source durch Patent-Trolle gefährdet

Im Interview mit ZDNet erklärt der Red Hat-Anwalt Mark Webbink, warum Patente Gift für innovative Software sind – und warum sie dennoch nötig sind. Er nimmt zudem Stellung zum aktuellen Streit um Bruce Perens und Linus Torvalds.

Im Juli schrieb der Anwalt von Linus Torvalds Unternehmen in Australien an und forderte sie auf, auf jegliche Rechtsansprüche an dem Namen Linux zu verzichten. Zudem sollten sie eine Lizenz vom Linux Mark Institute zu erwerben. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation, die Lizenzen für die Marke Linux vergibt. In der Open-Source-Community kam daher Kritik auf.

Torvalds wurde vor kurzem zudem Scheinheiligkeit vorgeworfen. In der Open-Source-Community kam nämlich die Frage auf, ob man gleichzeitig gegen Softwarepatente und für die Durchsetzung von Markenrechten eintreten könne – das sei doch widersprüchlich.

ZDNet befragte zu diesem Thema Mark Webbink, Deputy General Counsel bei Red Hat und Experte für Software-Patente und -Lizenzen.

ZDNet: Herr, Webbink, Sie vertreten Red Hat in Fragen des Patentrechtes. Was genau ist die Position von Red Hat zu Patenten?

Webbink: Zunächst einmal sind wir der Überzeugung, dass es für Software keine Patente braucht, die Gesetze zum bestehenden Copyright reichen vollkommen aus. Auch Bücher, mechanische Geräte, chemische Verbindungen, CDs, Bilder und ähnliches werden nur einfach geschützt: durch das Copyright oder durch Patente. Niemals durch beides. Was soll an Software so besonderes sein, dass man es gleich doppelt schützen müsste? Zudem vertreten wir die Ansicht, dass Patente auf Software einfach nicht richtig funktionieren. Sie versiegeln Software, statt sie öffentlich zu machen. Und schließlich sehen wir Patente auf Software als Hemmschuh für weitere Innovationen. Im Endeffekt wirken Patente nur als Barriere für neue Teilnehmer am Software-Markt.

» Die Fedora-Urheberrechte sollen fortan bei einer neutralen Stiftung liegen.
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Mark Webbink

ZDNet: Als Folge Ihrer Anti-Patent-Haltung hat Red Hat angekündigt, den zu Fedora beigesteuerten Code an eine unabhängige Stiftung abtreten zu wollen. Ist außer der Ankündigung bereits etwas in diese Richtung geschehen?

Webbink: Bis zum Ende dieses Monats ist die Stiftung hoffentlich eingerichtet worden.

ZDNet: Und was bezwecken Sie damit genau?

Webbink: Ziel der Fedora-Stiftung wird es sein, Programmierer außerhalb von Red Hat besser in die Entwicklungsarbeit einzubinden. Es gibt ja bereits eine Reihe von unabhängigen Organisationen, die beispielsweise am Kernel sitzen, oder nehmen Sie Apache, Sendmail… So soll es auch mit der Fedora-Stiftung werden. Gleichzeitig soll die Stiftung den teilnehmenden Entwicklern mehr Schutz für ihren Code bieten. So paradox es klingt: Red Hat ist gegen Patente, die Stiftung soll den Entwicklern aber in gewisser Weise Patentschutz für ihre Arbeit anbieten. Die Fedora Foundation kann keine Patente vergeben. Entwickler haben vielmehr die Urheberrechte ihres zu Fedora beigetragenen Codes bisher an Red Hat übertragen. Diese Urheberrechte sollen fortan bei der neutralen Fedora Stiftung liegen.

Themenseiten: IT-Business, Open Source, Red Hat, Strategien

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