Reporter in China inhaftiert: Yahoo in der Kritik

Unternehmen könne seine Verantwortung nicht einfach ausblenden

Reporter ohne Grenzen erhebt schwere Vorwürfe gegen Yahoo. Das Unternehmen sollen chinesische Strafverfolgungsbehörden mit Informationen versorgt haben, die zur Inhaftierung eines Journalisten geführt haben. Die Organisation setzt sich für Belange der Pressefreiheit ein.

Der 37-jährige Shi Tao war für die Zeitung „Dangdai Shang Bao“ tätig und wurde am 10. April zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts hatte er eine geheime Nachricht von Behörden an ausländische Websites weitergeleitet. Shi gab den Versand zu, bestritt aber, dass die E-Mail geheim war.

Reporter ohne Grenzen berichtet nun, dass Yahoo Holdings in Hong Kong den chinesischen Strafverfolgern eine IP-Adresse genannt hat, mit der eine E-Mail zum Account des Journalisten zurückverfolgt werden konnte. Yahoo Holdings unterliege zwar der Gerichtsbarkeit in Hong Kong, könne seine Verantwortung aber trotzdem nicht ausblenden.

Später durchgeführte Tests bestätigten, dass die E-Mail-Server auf dem chinesischen Festland stehen. Reporter ohne Grenzen räumte aber ein, dass auch andere ISPs auf Gerichtbeschluss Informationen über ihre Kunden herausgäben. Bei Yahoo wollte niemand den Sachverhalt kommentieren.

Themenseiten: Telekommunikation, Yahoo

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1 Kommentar zu Reporter in China inhaftiert: Yahoo in der Kritik

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  • Am 7. September 2005 um 17:20 von Baneus

    Wirschaftsinteresse….
    Yahoo ist ein amerikanisch geführtes Wirtschaftsunternehmen, das mit aller Gewalt – wie so viele zur Zeit – im aufstrebenden chinesischen Markt Fuß fassen will.

    Wenn Reporter ohne Grenzen glaubt, daß Yahoo sich in irgendeiner Form gegenüber dem inhaftierten Chinesen in der Verantwortung sieht, ist das mehr als blauäugig. Yahoo dürfte sich ausschließlich gegenüber seinen Wirtschaftsinteressen in der Verantwortung sehen. Der "Shareholder Value" dürfte sich auch zu den Reprotern ohne Grenzen herumgesprochen haben.

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