SAP-Netweaver-Kongress: SAP so einfach wie ein Ipod?

SAP hat mit der Diskussion um die Enterprise Service Architektur (ESA) einen Hype losgetreten, den sie heute lieber wieder runterkocht. Die Anwender sehen das recht gelassen und nehmen sich das aus dem Portfolio der Walldorfer, was ihnen hilft.

„Ich wäre froh, wenn SAP so einfach zu bedienen wäre, wie ein Ipod.“ Das ist nicht der Wunsch eines genervten SAP-Anwenders, sondern die Aussage von SAP-Gründer und Aufsichtsratvorsitzenden Hasso Plattner höchstpersönlich. „IT muss für den Anwender simpler werden und Spaß machen“, konstatierte er auf seiner Keynote-Ansprache vor rund 1600 Teilnehmern auf dem diesjährigen „Netweaver-Kongress“ in Frankfurt. Zudem müsse die Informationstechnologie Unternehmen in die Lage versetzen, innovativer und wandlungsfähiger zu werden. „Was wir brauchen sind viele kleine Unternehmen, die sich etwas trauen und die anpacken. 35 Stundenwoche, mit 59 Jahren in Rente gehen und am Wochenende nach Mallorca fliegen. Das geht nicht.“

Schuldige für die lahmende Wirtschaft hierzulande, nannte Plattner nicht – im Vergleich zu vielen anderen Wirtschaftsbossen, die sich gerne dem einen oder anderen Lager zuordnen. „Schuldzuweisungen kann man sich jeden Sonntagabend im Fernsehen in einer prominenten Talkshow anhören. Das bringt doch nichts“, so sein Credo. Nun tritt Platter nicht nur als Redner auf einem Kongress der Walldorfer Softwareschmiede auf, um sehr anregend über die Missstände in diesem unseren Lande zu philosophieren. Sondern die von ihm gegründete Softwareschmiede hat „zufällig“ Konzepte und Produkte im Portfolio, die Unternehmen zu mehr Innovationskraft verhelfen sollen: Die Enterprise Services Archticture (ESA) sowie die Business Process Plattform (BPP), deren technisches Herzstück Netweaver ist.

Auch an der eingeforderten Bedienerfreundlichkeit von SAP wird kräftig gearbeitet. Hier lautet die Antwort „Mendocino“, ein Projekt, dass gemeinsam mit Microsoft aufgesetzt wurde, um Usern, die nur gelegentlich mit SAP arbeiten, einen Zugang zu SAP-Daten und Workflows zu erleichtern. Noch liegt keine detaillierte Roadmap für Mendocino vor, auch Preise wollte oder konnte Shai Agassi, Mitglied des SAP-Vorstands, den nach Frankfurt gereisten Journalisten nicht nennen. Soviel ist bekannt: „Zwischen den Microsoft-Office-Anwendungen und SAP-Lösungen wird es ein gemeinsam entwickeltes Repository geben, indem beschrieben ist, wie man aus Office auf die SAP-Anwendungen zugreifen wird“, erklärt Martin Sudbrock, Technical Specialist bei Microsoft. Die Einigung über die genauen Inhalte dürfte allerdings nicht ganz frei von Spannungen sein, geht es dabei doch um die Frage wie viel Technologie und Prozess-Know-how bringt SAP in dieses Repository mit ein, und welcher Anteil geht auf die Kappe von Microsoft.

„Der Anwender merkt mit Mendocino nicht in welcher Applikation er arbeitet. Die SAP-Daten sind transparent beispielsweise in eine Outlook-Oberfläche eingebettet“, erklärte Agassi. Soweit die Planung. Aus Sicht von Analysten ist das Projekt einerseits Belege dafür, dass SAP erkannt hat, dass das Arbeiten mit der Software aus Walldorf für Gelegenheitsnutzer immer noch eine Herausforderung ist. „Das muss endlich einfacher werden“, fordern Anwender seit langem. Andererseits ist es ein deutlicher Hinweis für das Scheitern der Walldorfer, die glaubten auch weniger geübte IT-User mit Hilfe des SAP-Portals an die eigene Software heranführen zu wollen.

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