MySQL-Chef denkt laut über Kommerzialisierung nach

Freiheit und Profit müssten sich in Open Source-Projekten die Waage halten

Der CEO von MySQL, Marten Mickos, hat laut über eine Kommerzialisierung der Open Source-Datenbank MySQL nachgedacht. Seine Vorstellungen von einer vorsichtigen Entwicklung in Richtung Profit äußerte er auf der MySQL Users Conference.

„Für uns hat Open Source zwei Aspekte“, so Mickos. „Ein Teil von uns sagt, dass Profit ein schönes Wort ist, und ein anderer Teil sagt, dass Freiheit ein schönes Wort ist.“ Ein gutes Unternehmen könne beide Aspekte bedienen, zahlende Kunden und idealistische Entwickler. Es müsse dazu einen Unterschied zwischen kostenlosen und kommerziellen Produkten machen, dürfe dabei aber nicht zu weit gehen.

„Man muss denjenigen, die zahlen, einen Mehrwert bieten. Sie werden nicht glücklich, wenn sie sehen, dass andere genau das gleiche für umsonst bekommen“, sagte Mickos. Andererseits sei Vorsicht geboten: „Es hat schon Open Source-Unternehmen gegeben, die den Kontakt zu der Community verloren haben, aus der sie hervorgegangen sind. Die Community hat sie sitzen lassen, weil sie etwas nicht Akzeptables getan haben, um sich von der Menge abzuheben.“ Damit bezog sich Mickos vermutlich auf Red Hat, das selbst übertriebene Kommerzialisierung seines Enterprise Linux eingestanden hatte und nun durch sein Fedora-Projekt wieder Unterstützung von außen gewinnen möchte.

MySQL ist ein schnell wachsendes Unternehmen, wie Mickos zeigen konnte. Die Zahl der Nutzer, die 2002 noch bei drei Millionen lag, wird 2005 auf sechs Millionen steigen. Wichtiger für die Argumentation des Vorstands sind aber die zahlenden Nutzer, die von 1000 im Jahr 2002 auf heuer 5000 ansteigen werden und einen Umsatz von 34 Millionen Dollar (2002: 6,5 Millionen Dollar) oder 26 Millionen Euro generieren.

Obwohl MySQL zum größten Teil von fest angestellten Programmierern gemacht wird, spielen die freiwilligen Helfer eine große Rolle: Sie suchen und melden Fehler, programmieren Utilites und Werkzeuge rund um die Datenbank und werben für die Software, indem sie sie benützen. „Unsere installierte Basis von rund sechs Millionen Anwendern ist unsere Marketing-Abteilung“, sagt Mickos.

MySQL hatte im Februar eine neue kommerzielle Version vorgestellt: ein Abonnement, das sich MySQL Network nennt. Zahlende Kunden erhalten, zertifizierte Software, regelmäßige Updates, Produkt-Support und Beratung, Ratschläge zu Upgrades und Technik sowie Zugriff auf eine Knowledge Base rund um die Software.

Die nächste Version der Datenbank, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, soll im Juni kommen: MySQL 5 ist seit vergangenem Jahr im Testbetrieb. Auf der Users Conference wurde die Beta 2 verteilt.

Mickos ist nicht der erste leitende Angestellte, der sich hinsichtlich Open Source zu Wort meldet. Im April hatte Jonathan Schwartz, COO von Sun, das „participation age“, das „Zeitalter der Beteiligung“ einläuten wollen: Schwartz vertrat die Auffassung, dass alle Mainstream-Software früher oder später frei werde. Irving Wladawsky-Berger von IBM hat kürzlich geäußert, dass sich proprietäre Software nur eine Zeitlang verkaufen lasse, bevor Open Source sie ersetze, und Novells CEO Jack Messman glaubt an eine Mischung aus quelloffener und proprietärer Software.

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