China schielt auf IT-Outsourcing-Aufträge aus den USA

Mangel an qualifizierten Softwareentwicklern mit Sprachkenntnissen

Chinas Outsourcing-Unternehmen verstärken ihre Anstrengungen um auf dem internationalen Markt mitmischen und sich ein größeres Stück vom Auftragskuchen US-amerikanischer Konzerne abschneiden zu können. Schon heute ist das aufstrebende Reich der Mitte laut der Unternehmensberatung A.T. Kearney die erste Alternative zur Outsourcing-Macht Indien. Noch mangelt es den Chinesen aber vor allem an Kenntnissen der englischen Sprache, dem Bewusstsein für das Recht an geistigem Eigentum sowie qualifizierten Führungskräften, schreibt das Wall Street Journal. Laut A.T.-Kearney-Analyst Simon Bell kann es noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis China in punkto Outsourcing zu einem ernst zu nehmenden Rivalen Indiens aufsteigt.

Um die Sprachschwierigkeiten zu beseitigen hat etwa Wicresoft, das Teile des technischen Supports für den US-Softwareriesen Microsoft abwickelt, spezielle Maßnahmen ergriffen. So lehren englischsprachige Mitarbeiter bei Wicresoft ihren chinesischen Kollegen die Feinheiten der US-amerikanischen Formulierungen. Schwer wiegt allerdings auch der Mangel an qualifizierten Fachkräften. „Es gibt sehr viele Computerspezialisten in China aber wenig Softwarespezialisten“, erklärte Joseph Hsu, Chef der Symbio Group, die in Peking und Wuhan tätig ist. Während es in Indien rund 200.000 Softwarespezialisten mit Führungsqualitäten gebe, belaufe sich deren Zahl in China auf gerade 1000, so Wicresoft-Präsidentin Ingrid Wang. Den chinesischen Outsourcing-Unternehmen bleibt deshalb oft nichts anderes übrig, als teure Projektmanager aus den USA oder Indien anzustellen oder ihre Mitarbeiter entsprechend auszubilden, was sechs Monate oder länger dauern kann.

Außerdem macht den Chinesen im internationalen Wettbewerb die Sorge der US-Unternehmen um den Schutz ihres geistigen Eigentums zu schaffen. Auch fehle die Unterstützung der IT-Outsourcing-Industrie durch die Regierung, klagen Branchenvertreter. Laut einer McKinsey-Studie ist aber vor allem die Fragmentierung der chinesischen Outsourcing-Branche dafür verantwortlich, dass China in diesem Bereich international noch nicht mithalten kann. So gibt es in China rund 8000 Anbieter von Softwareservices. Fast drei Viertel beschäftigen weniger als 50 Angestellte. Nur fünf kommen auf mehr als 2000 Mitarbeiter. Im Outsourcing-Land Indien gibt es weniger als 3000 Softwareservices-Firmen. Chinas IT-Outsourcing-Markt werde niemals wachsen, wenn weiterhin 10.000 kleine Unternehmen um einen Auftrag kämpfen, sagte Wang.

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1 Kommentar zu China schielt auf IT-Outsourcing-Aufträge aus den USA

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  • Am 6. April 2005 um 10:59 von Besserwisser

    Raubkopieren von MS-Betriebssystemen erlaubt ? MS ist auch nicht besser !!
    Die billigen Chinesen sollen statt MS-Raubkopien diese MS-Dritte-Welt-Drei-Fenster-Version kaufen, aber MS will denen auch kaum ein Gehalt zahlen. Weiterhin will MS in der "ersten Welt" weiter ihre tolle Software teuer verkaufen, aber billiger produzieren – Support natürlich nur gegen teure Support-Gebühren anbieten – aus China!! Da ist dann wohl schon aus moralischen Gründen das Raubkopieren der MS-Software völlig legal? Bill Gates und Co. sind ja auch nicht fairer… – nehmt besser Linux!

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