Sun bezieht Stellung zu Linux: „Geld für Open Source ist unfair“

Martin Häring, Sprecher der Geschäftsleitung von Sun Deutschland, wehrt sich gegen Anfeindungen aus dem Linux-Lager. Sein Unternehmen unterstütze die Open Source-Community, während Red Hat oder Suse diese nur ausnutzten.

ZDNet: Herr Häring, das jüngste Release von Red Hat ist offensiv als Konkurrenz zu Produkten von Sun ausgeflaggt worden. Der raue Ton sei das Resultat von „extremen Aggressionen“ seitens Ihrer Firma, erklärte Red Hat. Wie sehen Sie das?

Häring: Sun ist eine Open Source-Company von Anfang an. Seit 22 Jahren haben wir alles, was wir entwickelt haben, in den Community-Prozess eingespeist.

ZDNet: Sagten Sie Sun ist eine Open Source-Company? Von Anfang an?

» Der Kernel von Linus Torvalds macht gerade einmal fünf Prozent aus. Alles außen rum, Gnome und Mozilla und das alles, kommt von Dritten. «

Häring: Ja absolut. Und ich kann Ihnen auch Beispiele nennen: Das Network File System (NFS), ohne das das Internet gar nicht funktionieren würde, war der erste Source, die wir an die Community gegeben haben. Oder nehmen Sie die Sparc-Architektur, die können Sie lizenzieren und selber nachbauen. Oder Solaris. Star Office, das größte Open Source-Projekt überhaupt. Weiteres Beispiel: Java.

ZDNet: Java ist doch gar nicht quelloffen, wie es von der Open Source-Community immer verlangt wurde. Nur der Quellcode von Version 6.0 der Java 2 Standard Edition steht zur Verfügung.

Häring: Vielleicht sollte man sagen: Wir sind eine Open Community-Company. Alles was wir entwickelt haben, haben wir mit anderen geteilt, damit diese darauf aufbauen können. Andere können das nicht von sich behaupten: IBM beispielsweise ist wohl seit Jahren das proprietärste Unternehmen und lässt auch heute noch nichts von seinen Patenten in die Open Source-Community einfließen.

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1 Kommentar zu Sun bezieht Stellung zu Linux: „Geld für Open Source ist unfair“

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  • Am 31. März 2005 um 11:32 von rittmey

    Da hätte Sun besser sich nicht geäussert
    In seinem Interview hat Herr Häring leider eine Menge z.T. falscher, z.T. widersprüchlicher Aussagen getätigt. So sehr ich SUN aufgrund einiger Entwicklungen (Java, NFS, Solaris) schätze, ist dieses Interview ein weiterer Beleg dafür, dass die Firma sich gegenwärtig verrennt und nicht wirklich eine OpenSource-Strategie hat.

    Beispiele:
    "Es ist fair Geld zu verlangen, aber nicht für Open Source." Mit diesem Satz will Herr Häring RedHat oder Novell angreifen. Aber Sun verkauft mit dem Java Desktop System ebenfalls ein Linux-System, das im wesentlichen nicht viel anderes macht, als RedHat, Novell, Debian – und ebenso wie diese komplett auf freier Software basiert. Ergebnis: Sun ist also selber unfair. Das kann Herr Häring wohl kaum als Message ernsthaft in die Welt tragen wollen.

    Herr Häring nennt als eine bedeutende Technologie, die Sun veröffentlicht habe das "Network File System (NFS), ohne das das Internet gar nicht funktionieren würde". NFS ist sicher eine wunderbare Entwicklung – und zurecht ist Sun stolz darauf. Aber zu sagen, ohne NFS würde das Internet nicht funktionieren, zeugt von eklatanter Unkenntnis – erstaunlich für eine Firma, die vor kurzem noch zu den technologischen Schrittmachern gehörte.

    "Das ist ein riesiger Nachteil von Red Hat und Suse: Die verlangen Lizenzkosten für Entwicklungen, die andere Autoren unter der GPL durchgeführt haben." Das ist faktisch falsch. RedHat und Novell verlangen zunächst einmal Geld für Support-Verträge. Definitiv keine Lizenzkosten für GPL-lizensierte Software! SuSE/Novell zudem für das Zusammenstellen einer Distribution – genau wie Sun selber ja auch (s.o.).

    Ich würde mir wünschen, dass Sun sich wieder auf seine Stärken besinnt. Dass sie ihre Strategie, die derzeit im Wesentlichen daraus besteht, gegen jedwede Konkurrenz Gift zu versprühen, derart überdenken, dass die Firma wieder zu dem wird, was sie mal war: Ein technologischer Vorreiter mit hohem Ansehen.

    Mit Interviews wie diesem schadet Sun sich nur selber, ruiniert den ehedem guten Ruf und löst bestenfalls befremdetes Kopfschütteln, schlimmstenfalls ein klares Abwenden des Lesers von Sun aus. Schade!

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