Linux at home – (K)ein Thema für die Analysten

ZDNet befragte 13 Analystenhäuser zu den Entwicklungschancen von Linux auf dem privaten Desktop. Fünf von ihnen haben sich lieber gar nicht erst dazu geäußert; für vier Consulting-Firmen ist "Linux für Endverbraucher" (noch) kein Thema und immerhin: Vier Open Source-Kenner machten ihre Aussage zur Sache. Sie sollen jetzt zu Wort kommen.

Dass Linux auf dem Desktop in naher Zukunft einen ähnlichen Stellenwert wie Windows einnehmen wird, erwartet Markus Huber-Graul von der Metagroup nicht. Revolutionäres Potenzial in der Linuxgemeinde erkennt auch der Open Source Spezialist von Forrester Research, Richard Peynot nicht. Der aktuelle Marktanteil von ein bis zwei Prozent werde sich seiner Meinung nach nur langsam doch stetig erhöhen.

Skeptisch bewertet der Analyst und Consultant für Open Source-Themen bei Techconsult in Kassel, Carlo Velten die Linux-Situation im Homebereich. „Linux hat schon viele erfolglose Versuche in Richtung Consumer Desktop unternommen und die Chance, dass es in einer neuen Entwicklung anders aussieht, scheint zumindest fraglich“. Zwar seien die Benutzeroberflächen oder Programmführungen leichter handhabbar und somit „Consumer-tauglicher“ geworden, erklärt Velten, dennoch mangele es an der Integration und Angeboten von Desktop-Anwendungen im Vergleich zur Microsoft-Plattform. „Was in speziellen Anwendungsbereichen im Unternehmenseinsatz Sinn macht, funktioniert – auch bei niedrigen Preisen – nicht unbedingt im Consumer-Markt“, sagt Velten.

Und mit genau so einem Billigheimer für zwei Cent unter 200 Dollar wollen Microtel und Xandros den US-amerikanischen Computermarkt bereichern. Mehr als nur ein heißer Testballon? „Diese Lösung von Xandros ist schon interessant“, konstatiert der Managing Director von Berlecon Research in Berlin, Thorsten Wichmann. Der Distributor Linspire fährt mit dem Kaufhauskonzern Walmart ein ähnliches Konzept. In Deutschland sind beide aber kaum präsent. „Für kleine Unternehmen wie Xandros oder Linspire macht es deshalb derzeit wenig Sinn, viel Geld in die Erschließung neuer Märkte zu stecken“, analysiert Wichmann diese Promo-Strategie. Und eine deutsche Kaufhauskette würde sich wohl eher an eine bekannte Distribution wie Suse wenden.

Für unbekannte US-Unternehmen bleibt der europäische Markt also eher uneinnehmbar. Peynot hält diese speziellen Billigangebote mit vorinstalliertem Linux „für sehr attraktiv“. Nicht nur für mittellose IT-Studenten. Aber, dass damit auch die große Windows-Userschar bekehrt wird, bezweifelt auch der Forrester-Analyst. „Erfolgreich kann Linux auf dem Consumer-PC nur dann werden, wenn von Seiten der Hardware-Anbieter ernsthafte Aktionen gefahren werden“, resümiert Carlo Velten von Techconsult, und er schätzt, dass diese Billigangebote keinen wesentlichen Einfluss auf den europäischen Markt haben, zumal es schon häufiger solche Promotions gegeben hat; allerdings nur mit sehr mäßigem Erfolg.

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