Solaris bedroht Linux

Gartner: Sun positioniert sein eigenes Betriebssystem gegen die Open Source-Entwicklung. Wie sollen Anwender mit den Alternativen umgehen?

Am 25. Januar 2005 hat Sun angekündigt, dass es den Quellcode für sein Betriebssystem Solaris 10 unter der CDDL (Common Development and Distribution License) veröffentlichen will. Damit gewähre man Zugriff auf über 1.600 Patente. Der Source-Code für die Dtrace-Funktion von Solaris 10 ist nun im Internet verfügbar. Im zweiten Quartal dieses Jahres will Sun weitere Teile des Solaris-Programmcode publik machen.

Das Beratungsunternehmen Gartner hat sich der Sache angenommen und seine Analyse dazu veröffentlicht: Suns Offenlegung dieser Inhalte auf einer öffentlichen Webseite verdiene Anerkennung, auch wenn dieser Schritt zunächst der Unterstützung der eigenen Geschäftsziele diene. Diese geschehe durch folgende Maßnahmen:

  • Schaffung einer neuen Open-Source-Softwaregemeinschaft mit der Hoffnung, ein breites Ökosystem von Technologien im Umfeld von Solaris zu stimulieren und den Enthusiasmus der Entwickler zu wecken.
  • Unterstützung bei der Abwehr der Wettbewerbsbedrohung durch Linux im unteren Segment des Servermarktes. Die Einführung von Solaris auf x86-er Rechnern in 2004 war ein früherer Schritt gegen diese Konkurrenz. Nun kann Sun auf Open Solaris als eine Open-Source-Alternative zu Linux verweisen, die den Rückhalt der Herstellerzuständigkeit bietet, insbesondere im Hinblick auf Patentrechtsverletzungen.

Gartner zieht in Betracht, dass Linux durch Open Solaris an Schwungkraft verlieren könnte. Allerdings erwarte man nicht, dass es Sun hilft, den Rückgang von Solaris bei Servern im oberen Leistungsbereich aufzuhalten. Der Erfolg werde davon abhängen, welche Gestalt die Initiative annimmt in Bereichen wie dem Entscheidungsprozess in Gemeinden, der Quellcode-Akzeptanz und dem Innovationstransfer durch Sun.

Wie soll nun mit Suns Vorstoß umgegangen werden? Das Beratungshaus gibt folgende Empfehlungen ab:

  • Die CDDL-Lizenz ist besonders vorteilhaft für unabhängige Entwickler sowie Universitäten und Hersteller von derivativen Produkten (wie etwa Hersteller von integriertem Zubehör oder OEMs); für Solaris-Anwender im Unternehmensbereich ändert sich wenig, sie sollten bei Suns zertifizierten Marken-Betriebssystemen bleiben.
  • Bestehende Sun-Anwender, die zwischen Linux und Solaris auf x86-er Servern abwägen (und vor potentiellen Patent- und Rechtsstreitigkeiten zurückschrecken), sollten OpenSolaris als Weg des im Vergleich zu Linux geringeren Risikos betrachten.
  • Sun-Kunden, die bereits eine Migration auf Solaris 10 planen, sollten keine größeren Auswirkungen von Open Solaris erwarten, es sei denn sie besitzen die internen Fachkräfte, um die Open-Source-Entwicklung zur Optimierung ihrer Leistung und Sicherheit zu nutzen.

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