RFID-Chips aus dem Drucker

Elektronische Produktkennzeichnung könnte weniger als einen Cent kosten

Die Produktkennzeichnung mit elektronischen Etiketten scheitet an den hohen Kosten für die Funkchips. Die Herstellung solcher Schaltungen aus Kunststoff könnte das revolutionieren, dass die Chips einfach gedruckt werden.

Mit neuartigen RFID-Chips könnte die elektronische Produktkennzeichnung weniger als einen Cent kosten. Möglich wird das durch ein neuartiges Produktionsverfahren, bei dem die Schaltungen mit einem Drucker auf eine Folie gedruckt werden.

Den Entwicklern des Erlanger Unternehmens PolyIC gelang die Herstellung von stabilen Schaltungen aus Polymeren, die mit bis zu 600 Kilohertz arbeiten. Das ist nach Angaben des Unternehmens die weltweit schnellste integrierte Schaltung aus organischem Material. Dabei ist der Abstand zweier Leiterbahnen mit unter 50 Mikrometern in etwa so dünn wie ein menschliches Haar. Diese neuen Chips funktionieren noch nach zwei Tagen Lagerung bei 60 Grad Celsius und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Allerdings gibt die Kunststoffelektronik oberhalb von 120 Grad Celsius auf.

PolyIC, ein Joint-Venture der Siemens Automatisierungssparte mit der Leonhard Kurz GmbH & Co. KG, einem Hersteller von Prägefolien, setzt dabei auf eine neue Produktionstechnik. Die Schaltungen werden auf Folie gedruckt wie eine Zeitung auf Papier. Die Erfinder erwarten, dass langfristig die Produktionskosten von weniger als einem Cent pro Chip möglich sind. Damit wäre dann eine flächendeckende elektronische Produktkennzeichnung und die Ablösung des heute üblichen Barcodes möglich.

Handelsriesen, allen voran die Metro Gruppe, haben Pilotprojekte mit elektronischen RFID-Etiketten laufen. Bei der Kennzeichnung von Paletten wird die Funktechnik auch bereits in der Praxis eingesetzt. Durch die hohen Kosten der konventionell hergestellten Chips rechnet sich die Kennzeichnung von Massenartikeln nicht. Die Kosten für die Kennzeichnung würden im schlimmsten Fall höher sein als der Preis des Produktes.

Während ein Barcode heute üblicherweise 44 Bit Informationen enthält, wollen die Erlanger Entwickler komplexere Schaltungen mit einigen tausend Transistoren und bis zu 128 Bit Speicherkapazität produzieren. Mit diesen billigen „intelligenten Etiketten“ können künftig Produkte einzeln unterscheidbar werden. Diese aufgeklebten Funkchips eröffnen für Lieferung, Lagerhaltung und Kennzeichnung von Waren neue Möglichkeiten, weil sie aus der Ferne auslesbar sind. Denkbar ist zudem eine automatische Kasse: Kunden müssten ihren Einkaufswagen nur an einem Funkscanner vorbeifahren und alle Waren würden automatisch erfasst. PolyIC rechnet damit, dass erste Produkte, die als fälschungssichere Etiketten eingesetzt werden können, 2006 erhältlich sind.

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3 Kommentare zu RFID-Chips aus dem Drucker

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  • Am 10. Februar 2005 um 10:24 von logistiker

    44 Bit?
    Auf welchen Barcodetypen beziehen sich die 44 Bit?

    Es gibt auch leistungsfähigere Barcodetypen wie z.B.

    Aztec bzw. Aztek
    Quadratische Code. Im Mittelpunkt befindet sich ein Suchelement, die Datenelemente sind quadratisch um das Suchelement gruppiert. Lange Inhalte können auf mehrere Symbole aufgeteilt werden. Keine Ruhezonen nötig, daher unkomplizierte Plazierung.
    Standard: Andy Longacre, Welch Allyn, 1995, USA.
    Zeichenvorrat: Umfangreicher Zeichensatz, Mindestlänge 12 Zeichen bis ca. 3000 Zeichen
    Fehlerkorrektur: Reed-Solomon Fehlerkorrektur mit bis zu 32 Sicherheits-Levels. Rekonstruktion bei Zerstörung von 25% – 40% des Codes möglich.

    So, und jetzt möchte ich mal das RFID-Label sehen, das zu 25% zerstört ist, und dennoch auslesbar ist…

  • Am 28. Februar 2005 um 1:39 von Andreas Tholl

    RFID+Entscheidungsbildung
    Tolle Technik oder ein weiterer Fluch?

    Das Kosteneinsparen ist das Novum unserer Zeit. Auf der Strecke bleiben werden der Datenschutz und viele tausend Arbeitsplätze an den Kassen unserer Supermärkte und eventuell auch anderswo.

    Aber diese Arbeit ist schnell als "menschenunwürdig" abgetan, eventuell um die Möglichkeiten der RFID-Technik als einen weiteren planvollen Schritt, von edlen Menschen ersonnenen um unsere Arbeitswelt noch humaner zu gestalten, darzustellen.

    Letztendlich läuft vieles aus meiner Sicht in eine falsche Richtung. Auch wenn RFID zweifelsohne die Logistik revolutionieren kann, sind die Auswirkungen einer Technik oder gewisser Entscheidungen (Software-Patente,DRM, WHO-Terms of Trade usw..) so vielschichtig und folgenschwer, dass einzelne Effekte niemals eine Entscheidung oder Einführung rechtfertigen sollten.

    In meinen Augen sollte stets das Wohl der Allgemeinheit im Vordergrund stehen. Wie stark schränken neue Regeln die Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung eines Menschen ein. Nicht jeder wird in einer großen Firma eine Arbeit finden. Wie stark wird die Grundlage für die unternehmerische Entwicklung eines Einzelnen beschränkt oder aber auch gefördert, wenn eine Entscheidung mit PRO oder CONTRA verabschiedet wird ?
    Leider ist die "Allgemeinheit" bei unseren Entscheidungsträgern als Meinungsbildner unterrepräsentiert. Es wirken wohl meistens Interessengruppen auf Entscheidungen und Gesetze ein, die von entsprechenden Gruppen ihren Lebensunterhalt beziehen und mindestens einen 8 stündigen Arbeitstag 5 mal die Woche dafür nutzen können, um im Dienste ihrer Gehaltszahler zu wirken.

    Dann werden als täglicher Arbeitsprozess entsprechende Argumentationsketten und Notwendigkeitsszenarien entwickelt und an rechter Stelle mit der notwendigen Entschiedenheit vertreten.

    Ich bezweifle das ein Mitglied-des-Bundestages die Zeit hat, um sich mit der notwendigen Sorgfalt in all jene Entscheidungen einzulesen (einzuarbeiten) wofür es letztendlich seine Stimme abgeben muss.

    Das Ergebniss ist ein stetiger Entwicklungsprozess unseres Landes von 1948 bis heute. Ich überlasse es jedem selbst zu beurteilen wie dieser Prozess zu bewerten ist.
    Letztendlich ist unsere Lebensqualität auch davon abhängig, nach welchen Spielregeln unsere Gesellschaftsordnung funktionieren muss. Denn niemand (so hoffe ich zumindest) möchte gerne ein Gesetzesbrecher sein. Gesetze sind Regeln. Regeln lassen wachsen oder verdorren. Regeln sind notwendig. Doch sind unsere Regeln auch gut für das Allgemeinwohl, oder werden oft spezielle Interessengruppen per Gesetz geschützt zum Schaden der Allgemeinheit.

    Allgemeinheit meint hier sehr viele Menschen.

    Wie weit haben unsere Volksvertreter die RFID Technik zu entscheiden ? Oder rollt hier wieder einmal der Markt und die Industrie (letztendlich finanzielle Interessen) über uns alle hinweg und am Ende müssen wir mit den geschaffenen Tatsachen zurecht kommen.

  • Am 24. Juni 2011 um 12:00 von Dr. Blech

    Quellen
    Wenn es sich um eine wissenschaftliche Entwicklung handelt, sollten doch eigentlich auch Veröffentlichungen über die Technik existieren. Besteht die Möglichkeit nähere Quellenangaben zu bekommen?

    Antwort: Die Nachricht stammt aus dem Jahr 2005. Weitere Informationen finden sie auf der Homepage der Firma: http://www.polyic.de/

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