G-Flash auf Platz eins bei Amazon.de

Digitale Unterhaltungstechnik startet durch - Die Elektronikbranche entdeckt den Konsumenten

Davon hätte Franjo Pooth vor einem Jahr nicht einmal zu träumen gewagt: Über eine Woche stand der MP3-Musikspieler „G-Flash“ auf Platz eins der Verkaufshitparade beim Onlinehändler Amazon.de. Damit schafft das kleine Düsseldorfer Startup Maxfield in nur einem Jahr den Umsatzsprung von null auf über zehn Mill. Euro – und das Tempo will Geschäftsführer Pooth beibehalten.

Eine Branche startet durch. Digitale Unterhaltungselektronik war der Weihnachtsrenner. Amazon.de verkaufte erstmals mehr Elektronik und Video als Bücher. Anbieter von Flat-TV-Geräten haben nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom ihre Weihnachtsumsätze teilweise verdoppelt. Kamerahandys, MP3- Spieler oder DVD verkauften sich von selber.

2005 dürfte noch besser werden. Nicht nur für Seiteneinsteiger wie den Verona-Feldbusch-Gatten Franjo Pooth, sondern erst recht für die großen Marktteilnehmer. Entsprechend optimistisch gehen sie nach Las Vegas. Am 6. Januar wird dort die Consumer Electronics Show CES eröffnet, die erste Leitmesse im neuen Jahr und Trendsetter für die US-Märkte. In der Wüste von Nevada wird sich alles um hochauflösendes Fernsehen, den Kampf um die Nachfolge der DVD, innovative mobile Online-Unterhaltung und Home Networking drehen.

Bei TV-Geräten werden neue Technologien den herkömmlichen LCD- und Plasmaschirmen Konkurrenz machen. Zum einen so genannte SE-Displays, die Hitachi, Canon und Toshiba Mitte 2005 auf den Markt bringen wollen. Sie verbinden die überragende Bildqualität der Röhren-TVs mit dem schlanken Format und der hohen Auflösung von Flat-TV-Geräten. Prototypen waren im Oktober auf der Messe Ceatec in Japan zu bewundern.

Zum Zweiten werden LCD-Fernseher mit neuartiger Hintergrundbeleuchtung aus LED-Flächen den Markt aufmischen. Sony hat bereits bei zwei – nicht in Europa erhältlichen – Modellen der Edelserie Qualia die Kaltkathodenröhren durch Leuchtdioden ersetzt. Der Lohn: deutlich brillantere Farben.

Mit der Verbreitung von Flachbild-TV steigt die Nachfrage nach hochauflösendem Bildmaterial. In Asien und den USA ist das digitale High-Definition-TV (HD) mit deutlich besserer Bildschärfe und satten Farben bereits Realität. In diesem Jahr wird das HD-Kaufvideo für den gemütlichen Heimkinoabend den Durchbruch schaffen und damit werbefinanzierte TV-Sender unter Druck setzen.

Im dritten Quartal werden in Japan erste HD-DVD-Laufwerke erscheinen und die konkurrierende Blu-Ray-Technologie ergänzen. Beide Formate speichern im Vergleich zu normalen DVDs ein Mehrfaches an Daten. Die großen Hollywood-Studios haben angekündigt, Videos in Kinoqualität auf den Markt zu bringen. Letzte Probleme will JVC beseitigt haben: Eine neue Hybrid-Disk kann von Blu-Ray- und HD-DVD-Geräten gelesen werden. Wer nicht so lange warten will, kann schon heute Videos im Microsoft-HD-Format kaufen und per Mediacenter-PC auf den Bildschirm zaubern.

Beim Home-Networking sind in Europa die Italiener Vorreiter: Über eine halbe Million Kunden haben dort bereits das Sammelangebot „Fastweb“ abonniert, das Internet, TV und Online-Telefonie über nur einen Anschluss ermöglicht. Solche Paketangebote von Netzwerkbetreibern werden Telekomkonzerne und klassische TV-Kabelanbieter im neuen Jahr unter Druck setzen.

Denn erst mit dem Breitband-Anschluss kommen die Dienstleistungen, die die Kunden nachfragen. Beispiel Asien: In Korea etwa haben gut 75 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Breitband-Internet. Der Markt für Film- und Musik-Download sowie Online-Gaming verdoppelt sich im Schnitt seit mehr als sechs Jahren. Die Breitband-Versorgung wird sogar entscheidend für die Zukunftsfähigkeit, speziell Japan holt mit über 13 Millionen ADSL-Haushalten mächtig auf. „Früher kamen Web- Technik, Geschäftsmodelle und Anwendungen aus den USA“, sagt Mike Volpi, Senior Vice President beim Netzwerkspezialisten Cisco. „Nun verlagert sich das nach Japan.“

Sind die Daten erst einmal im Haus des Konsumenten, wird die Weiterverteilung zum Thema: Ob Sony, Yamaha oder Terratec – zahlreiche Firmen bieten Geräte an, um Internet-Radio, Video-on-Demand oder Musik von der PC-Festplatte kabellos im Haushalt zugänglich zu machen. Die Daten können auch auf mobile Endgeräte übertragen werden, die über Wechselspeicher wie MCC, SD-Card oder Memory-Stick verfügen. Multifunktionelle Handys wie das Nokia 6630 gewinnen bereits Marktanteile gegenüber erfolgreichen digitalen Mediaplayern wie Ipod und Co.

Das junge kalifornische Unternehmen Sling Media will 2005 einen Dienst starten, mit dem Videoangebote oder TV vom Videorekorder zu Hause auf Mobilgeräte gesendet werden können. Per Internet kann so das Bundesligaspiel auf dem Laptop in Tokio verfolgt werden. Die Firma Kinetic Tide aus Santa Clara will Musik und Fotos vom heimischen Rechner auf Mobiltelefone übertragen.

Rosige Aussichten für die Unterhaltungselektronik also. Aber an eines werden sich alle Marktteilnehmer – auch der Düsseldorfer Franjo Pooth – gewöhnen müssen: an fallende Preise. Statt für 179 Euro Preisempfehlung ging sein „G-Flash“ Weihnachten für gerade mal 119 Euro über die virtuelle Theke bei Amazon.de.

Themenseiten: Business, Hardware

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu G-Flash auf Platz eins bei Amazon.de

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *