Woran hapert es bei Oracle?

Steigende Umsätze im wichtigen Geschäftsfeld der Datenbanken können nur einen Teil des Einbruchs bei den Anwendungen auffangen. Analysten behaupten, dass dies die Auswirkung der Übernahmeschlacht um Peoplesoft ist.

Ist der kürzlich aufgetretene Rückgang im Geschäft mit Anwendungen von Oracle eine vorübergehende Erscheinung oder der neueste Rückschlag in einem kriselnden Geschäftsbereich des Softwareproduzenten?

Das Unternehmen hatte vor kurzem gute und schlechte Neuigkeiten mitzuteilen: Der Datenbankumsatz, der über 80 Prozent der Geschäftsaktivitäten von Oracle ausmacht, boomt, mit einer Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bereich der Unternehmensanwendungen verzeichnete jedoch im letzten Quartal einen Einbruch von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Umsatz in Höhe von 69 Millionen Dollar wies der Anwendungsbereich in diesem Quartal die schlechtesten Vertriebszahlen der vergangenen fünf Jahren auf.

Oracles CFO Harry You wies Befürchtungen über die Schwäche des gesamten Anwendungsgeschäfts zurück. Ebenso wichen die Oracle-Chefs auf der Quartalsversammlung des Unternehmens der Frage aus, ob der gegenwärtig unternommene Versuch der Übernahme von Peoplesoft zur Beunruhigung beitragen würde. You erklärte gegenüber Analysten, dass man sich nicht irreführen lassen dürfe. Die Situation sei nicht beunruhigend, da das Unternehmen in diesem Jahr ein Wachstum erwarten würde.

Einer der Gründe, die man bei Oracle für den im Vergleich mit dem gleichen Quartal des Vorjahres deutlichen Rückgang beim Anwendungsgeschäft im letzten Quartal angab, ist ein Geschäft im Umfang von 30 Millionen Dollar, das Oracle im vergangenen Jahr in Russland abgeschlossen hat. Von diesem Geschäft abgesehen, sei der Vertrieb im Anwendungsgeschäft um 11 Prozent zurückgegangen.

Die Analysten waren weniger optimistisch. Der Vertrieb im Anwendungsgeschäft von Oracle sei miserabel und nicht mehr weit von den pessimistischsten Einschätzungen entfernt, wie es der Analyst Adam Holt von J. P. Morgan ausdrückt. Der Rückfall folge einem Abwärtstrend. Im Juli teilte Oracle mit, dass das Anwendungsgeschäft im vergangenen Jahr um 6 Prozent zurückgegangen sei, obwohl Analysten ein Wachstum von 10 Prozent prognostiziert hatten.

Zur Stützung des Anwendungsgeschäfts und der Erhöhung der Gewinne in den Datenbank- und Wartungsbereichen drohte Oracle vor über einem Jahr dem Konkurrenzunternehmen Peoplesoft mit einer feindlichen Übernahme. In diesem Monat ging das Unternehmen aus dem Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium, das vor einem Bezirksgericht in San Francisco gegen die Übernahme geklagt hatte, als Sieger hervor.

Dieser Sieg, der nur ein Schritt in einem langwierigen Prozess ist, hat jedoch einen Preis, wie der Analyst Josh Greenbaum von Enterprise Applications Consulting meint. Das Ironische an diesem Übernahmeversuch sei der Umstand, dass man bei Oracle das Anwendungsgeschäft habe schleifen lassen und mehr Anstrengungen zugunsten von Datenbanken und Technologien unternommen habe.

Die Verantwortlichen von Oracle bestreiten, dass sich der Übernahmeversuch von Peoplesoft schädlich auf das Geschäft ausgewirkt hat. Es gibt jedoch Anzeichen, dass er das öffentliche Ansehen von Oracle beschädigt hat. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass das Ansehen von Oracle bei Technologiekäufern den tiefsten Stand der vergangenen zwölf Jahre erreicht hat und weiterhin sinkt.

Nach Ansicht von Analysten hat sich der Versuch der Übernahme von Peoplesoft schädlich auf die Umsätze von Oracle ausgewirkt. Analyst Paul Hamerman von Forrester Research erläuterte, dass sich die Publicity um die Übernahme von Peoplesoft gleichermaßen schädlich auf die Geschäftsergebnisse von Oracle wie Peoplesoft ausgewirkt hat. Nach Auskunft des Unternehmens Peoplesoft fiel dessen Gewinn für das zweite Quartal geringer aus als erwartet.

Der Rivale SAP verzeichnete gewinnbringende Geschäfte, wie Hamerman beobachtet. Die wettbewerbsorientierten Geschäfte entsprechen nach seiner Einschätzung den Absichten von SAP. Das Unternehmen habe ein deutliches Wachstum auf den amerikanischen Märkten erzielt, während die Gewinne im Anwendungsgeschäft von Oracle in diesem Quartal und diejenigen von Peoplesoft in den vergangenen Quartalen aufgrund des Übernahmestreits zurückgegangen seien.

Andere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Das Geschäft für Unternehmensanwendungen ist insgesamt rückläufig, was auch vom Marktführer SAP eingeräumt wird. Eine Prognose von AMR Research besagt, dass der Vertrieb neuer Lizenzen in diesem Jahr ansteigen wird, jedoch nur im Bereich der Anwendungen für das Kerngeschäft, und zwar um drei Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar.

Diese Prognose ist darüber hinaus angesichts der insgesamt verringerten Ausgaben auf dem Technologiemarkt unsicher. Nach einer Umfrage prognostizierte Goldman Sachs im Juli eine Zunahme der Ausgaben um 2,3 Prozent im laufenden Jahr. Diese Prognose wurde diese Woche dahingehend korrigiert, dass die Ausgaben im laufenden Jahr nur um 0,4 Prozent steigen würden.

Themenseiten: Big Data, Datenbank, Software

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

Noch keine Kommentare zu Woran hapert es bei Oracle?

Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *