Systems: Bitkom vom Innovationstempo in Deutschland enttäuscht

ITK-Verband zieht auf der Computermesse eine ernüchternde Bilanz

Eine ernüchternde Bilanz hat der Bitkom auf der Systems zum Thema Innovationspolitik gezogen. Genau vor einem Jahr hatte der Verband auf der Computermesse die Regierung aufgefordert, bei Reformen mehr auf Innovationen zu setzen (ZDNet berichtete. Insbesondere bei Bildung, Forschung und beim Schutz des geistigen Eigentums sah der Branchenverband im Oktober 2003 Nachholbedarf. „Vergleichen wir diese Felder heute mit dem Zustand von vor zwölf Monaten, so fällt die Bilanz ernüchternd aus“, resümiert Bitkom-Präsident Willi Berchtold heute auf der Münchner IT-Messe.

Der Tanker Deutschland habe sich zwar in die richtige Richtung gewendet, jedoch noch keine Fahrt aufgenommen. Die Bundesregierung selbst trete zu wenig als Vorreiter neuer Technik auf. Trotz Initiativen wie „Bund Online 2005“ und „Masterplan E-Government“ liege Deutschland gemessen am staatlichen Einsatz von Informationstechnik weltweit nur auf Platz 20. „Ein Spitzenplatz sieht anders aus“, so Berchtold.

Zwar sei Deutschland im vergangenen Jahr wieder Exportweltmeister geworden, allerdings gelte dies nicht für den ITK-Bereich: Hier würden Waren und Dienstleistungen für 7,4 Milliarden Euro mehr importiert als exportiert. Dies könne auf Dauer für einen Hochtechnologiestandort nicht gesund sein, so der Bitkom.

Einen Rückschritt sieht der Verband bei der Urheberrechtsreform. Statt Planungssicherheit zu bieten, lasse der Gesetzgeber zu viel Interpretationsspielraum. „In keinem anderen europäischen Land sind so viele und so hohe urheberrechtliche Abgaben fällig“, kritisierte Berchtold. Er fordert statt Pauschalabgaben ein modernes digitales Rechtemanagement.

Der Bitkom nahm bei seiner Kritik allerdings die eigenen Mitglieder nicht aus: Die deutschen ITK-Unternehmen würden zu wenig in Forschung und Entwicklung investieren. Im vergangenen Jahr stagnierte der Beitrag bei 44,6 Milliarden Euro: „Das ist zwar kein Rückschritt, aber eben auch kein Signal nach vorne“, ermahnte Berchtold.

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3 Kommentare zu Systems: Bitkom vom Innovationstempo in Deutschland enttäuscht

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  • Am 19. Oktober 2004 um 8:24 von George Migge

    Warum Deutschland nicht will!
    Warum soll ich in Hightech und Software investieren, wenn man mir sowieso nur alles wieder wegnehmen will? Allein die Erhöhung der Rundfunkgebühren und die vorgesehene Abgabe auf PCs, die mit dem Internet verbunden sind lässt doch meinen Investitionsgedanken in neue Technik sofort verstummen. Lieber habe ich einen PC weniger, wenn ich dann pro PC zu löhnen habe.
    Auch ein digitales Rechtemanagement, wie von der Bitkom vorgeschlagen, ist doch völliger Unsinn. Das bringt nur Zusatzverwaltungssoftware, die meine Produktivität behindert. Soll ich einen extra Mitarbeiter einarbeiten, um diese Rechtesoftware zu installieren und zu bedienen? Oder die Firewall dafür freischalten zu lassen.
    ALLES UNSINN!! Wer seine Software schützen muss, hat heute mit Codes, die auf den PC und die SW gehen ausreichenden Schutz. Mehr ist nicht nötig.
    Wenn die Verdienstchancen für Unternehmer zu gering sind, und das sind sie heute in Deutschland, dann wird jeder Unternehmer nur seinen Status Quo bewahren und nicht groß investieren. Sollen wir mit unserem sauer verdienten Geld (70h Woche) fragwürdige Verdienstchancen unterstützen? Oder Arbeitsplätze, die keinen Gewinn bringen und nur kosten (siehe Opel)?
    Wer immer voller Neid auf die paar Kröten der Unternehmer spitzt darf sich nicht wundern, wenn wir zurückhaltend bleiben. Für uns reicht es immer. Für die Angestellten aber leider nicht immer.
    Gruß

    • Am 23. Oktober 2004 um 1:10 von yetti

      AW: Warum Deutschland nicht will!
      Tja leider übersieht du nur etwas,
      der letzte Satz von dir ist der Hammer, das auch bei Unternehmern nicht immer alles so glat läuft.
      Allerdings sieht das bei Vorständen, Managern ganz anders aus, die bekommen selbst dann noch Geld, auch wenn sie noch so viel Mist machen.
      Oder sollte es heissen das du Manager bist?

      Mir kommt es so vor als wäre es das gleiche wie mit den Berufseinsteigern,
      auf der einen seite Klagen das die Berufseinsteiger nichts können und bei den Berufseinsteigern das sie niergends eine Anstellung finden.
      Es sei den sie haben Beziehungen oder sie können sich super verkaufen,
      dabei spielt es keine Rolle ob sie für den Job geeignet sind oder nicht.

      Man dreht sich im Kreis und kommt nicht vorwärts.
      So muss jeder selbst entscheiden was wichtiger ist, für mich ist Geld nicht alles, klar könnte ich mehr gebrauchen, aber nicht für alles in der Welt möchte ich eine 70/h Woche haben, wo bei ich auch mal einen 14 Stunden Tag habe.
      Wenn das mehr Leute einsehen würden, hatten wir in Deutschland nicht solche Probleme. Aber die meisten sind so Geldgeil das es nicht mehr schön ist.
      Selbst auf etwas verzichten kommt niemals in Frage, lieber sollen die anderen verzichten.
      Und genau das ist das Problem.

      so long yeTTi

  • Am 19. Oktober 2004 um 23:29 von Realist

    Fische stinken zuerst am Kopf
    Dass die unsinnige Diskussion um GEZ-Gebühren für PC überhaupt entstanden ist, zeigt schon die Unfähigkeit unserer pol. Führung. Die GEZ-Zentrale ist ein Relikt aus der Urzeit der Informationstechnik; überaltet und überflüssig; eine Abschaffung dringend notwendig.

    Die Befürworter von DRM als Schutzmassnahme kann ich einerseits verstehen, andererseits wird es erhebliche finanzielle Aufwendungen bedeuten (Software,Hardware, Netzkonfig usw.), die in der momentanen Wirtschaftslage wohl keiner aufbringen wird und hinsichtlich viellseitiger Probleme auch zukünftig keiner einsetzen will. Wenn man heute bedenkt, wieviele Lizenzen, Benutzerrechte-/berechtigungen heute schon verwaltet werden müssen, wird sich sicherlich darüber freuen, dass nun noch eine Rechtesystem auf einzelne Dateien verwaltet werden sollen?
    Wenn die Entwicklungen weiter wie bisher verlaufen, bleibt die Produktivitätssteigerung ein Märchen, so wie das papierlose Computerbüro.

    Das Unternehmer immer weniger investieren und zu mehr auch nicht bereit sind, liegt hauptsächlich an den momentanen Regierungsparteien. Ständig die Rahmenbedingungen zu ändern, sei es im Umweltschutz, Abgaben, Auf- u. Umlagen, Steuerwesen und vieles mehr, untergräbt die dringend benötigte Planungssicherheit und Risikoabschätzung. Nur Unternehmer, die sich über die zu kalkulierenden Umgebungsvariablen über einen Zeitraum von 5-8 Jahren im klaren sind, können sich für eine grössere Investition entscheiden. Alles andere wäre ein finanzielles Roulette!

    Also, ihr abgehobenen Landesfürsten, zurück auf den Boden der Realität, arbeitet im Auftrag des Volkes und nicht gegen das Volk, entscheidet mit Menschenverstand und nicht nach sog. "Berater", macht massvolle durchdachte Reformen anstatt eure alkoholvernebelten Nachteintscheidungen und die Wirtschaft wird es euch mit kräftigem Wachstum danken.

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