München legt Linux-Projekt auf Eis

EDV-Chef will erst rechtliche und finanzielle Risiken analysieren lassen

Monatelang wurde darüber debattiert, jetzt legt die Stadt München ihr Linux-Projekt auf Eis: „Mitverantwortlich ist die deutsche Bundesregierung, die in der EU für die umstrittenen Softwarepatente und damit gegen Open-Source-Software und den Mittelstand eintritt“, kommentierte SWM Software-Marketing den Schritt.

Der oberste EDV-Verantwortliche, Wihelm Hoegner, habe gestern per Mail bekannt gegeben, dass die für Ende Juli geplante Ausschreibung des „LiMux Base Client“ vorerst nicht starten könne. Die Stadtverwaltung müsse nach einem Hinweis der Grünen zunächst die rechtlichen und finanziellen Risiken analysieren. Die Stadt selbst hat sich zu dem Vorgang selbst bislang nicht geäußert.

Noch im November letzten Jahres hatte Hoegner sich optimistisch gegeben: „Aus heutiger Sicht ist der zugegebenermaßen sehr ehrgeizige Fertigstellungstermin
im großen und ganzen erreichbar“, erklärte der EDV-Manager damals.

Softwarepatente gelten als größte Gefahr für den Einsatz und die Weiterentwicklung von Linux und anderer Freier Software. Alleine der „Basisclient“ aus der Machbarkeitsstudie der Stadt München, der in dieser oder ähnlicher Form auf den Computern von 14.000 Mitarbeitern installiert werden soll, steht laut SWM nach einer ersten Recherche im Konflikt zu über 50 europäischen Softwarepatenten. „Jedes einzelne solche Patent könnte den Ausfall der gesamten Stadtverwaltung bewirken“, so das Unternehmen.

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5 Kommentare zu München legt Linux-Projekt auf Eis

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  • Am 4. August 2004 um 12:52 von Chris

    Steuer-Verschwendung – Hausaufgaben nicht gemacht !
    So werden Steuern verschwendet !

    Die Entscheider der Stadt München (und Ihre IT-Abteilung) haben wohl Ihre Hausaufgaben nicht gemacht !

    Bei einer Lösungs-Evaluierung muß die gesamte Lösung über Ihren zu erwartenden Nutzungszeitraum betrachtet werden. Die teueren Externen Berater haben wohl auf Anweisung folgende salomonische Empfehlung ausgesprochen:

    1. Wirtschaftlich: Windows
    2. Politisch: Linux

    Es ist völlig egal, ob das OS Windows oder Linux heißt. Die Stadt muß Ihre Aufgaben effizient, kostengünstig und schnell erledigen.

    Und, daß kann sie aktuell mit Linux scheinbar nicht. Linux wird sich weiter entwickeln und zum echten Gegner von Windows mausern (bald wahrscheinlich). Nur, aktuell kann die Stadt München Linux nicht einsetzen. Für diese vorsätzliche Fehl-Entscheidung müßten die Mandatsträger strafrechtlich verfolgt werden, denn sie betreiben nicht das Wohl der Stadt, sondern Ihre Vorlieben.

    Zudem, die SW-Patente Problematik ist nicht ein Problem der Stadt, sondern das Problem der Linux-Anbieter. Die sollen es bitteschön auch lösen – nicht die Stadt ! Fehlgeleitete Politik (der Grünen) – macht nur weiter mit dem Unsinn und euch lächerlich !!!

    Gruß – Chris

    • Am 5. August 2004 um 13:13 von paternoster

      AW: Steuer-Verschwendung – Hausaufgaben nicht gemacht !
      Von wegen lächerlich, es ist äusserst mutig und wurde allerhöchste Zeit für diesen Entscheid. Eigentlich müssten alle politischen Gremien weltweit diesen Entscheid fällen: für offene Standards und gegen privatwirtschaftlich Monokultur mit mafiösen Geschäftspraktiken. Es ist ein übler Witz, dass in allen Schulen Windoof mit M-Schrott läuft bezahlt von unseren Steuergeldern.

  • Am 5. August 2004 um 13:07 von herbert

    Da stinkt doch irgend etwas fürchterlich
    Wie das? Wer hat da wo wie gedreht, dass es so weit kam? Sind Verantwortliche so unter Druck gesetzt worden? Von wem? Man kann sich nicht vorstellen, dass hier M$ nicht mit allen Möglichkeiten kräftig mitgemischt hat bis es endlich so weit war.

  • Am 5. August 2004 um 14:25 von Dieter Schmitz

    Das kann und darf einfache nicht sein.
    Scheinbar sind unsere Politiker nicht Weiße bzw fähig genug um die Changen / Möglichkeiten von Linux zu erkennen.

    Auf lange Sicht ist es schon immer ungünstig gewesen sich einem Monopolisten unterzuorden (Microsoft)

    Aber bis jetzt waren ja die wenigsten Gedankengänge unserer gut bezahlten und kurzsichtig denkenden Herren erfolgreich.
    ( Rende, Krankenkasse, Pflegevesicherung, Arbeitslosen …..)

  • Am 6. August 2004 um 11:20 von Heinrich

    Ausreden
    Dem EDV Leiter ist wohl klar geworden – nachdem er sich wirklich intensiv mit Linux beschäftigt- wieviel Aufwand die Implementation von Linux auf dem Client bei den Usern bedeutet.
    Das mit den Patenten ist m.E. nun ein willkommener Aufhänger um das Projekt zu stoppen

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