USA: Steuer aus dem Jahr 1898 soll für Webtelefonie greifen

Luxusabgabe aus dem 19. Jahrhundert vor Neuinterpretation

In ihrem Bemühen, Telefonie via Internet (VoIP) zu besteuern und damit Rückgänge aus dem traditionellen Telefonbereich wett zu machen, geht die US-Finanzbehörde IRS jetzt sonderbare Wege. Die IRS erwägt, eine aus dem Jahr 1898 stammende Luxussteuer auf Telefongespräche so umzuformulieren, dass sie auch auf die Internettelefonie anwendbar ist.

Die Verbrauchssteuer von zuerst einem Prozent auf Telefongespräche war im Rahmen des Spanisch-Amerikanischen Krieges im 19. Jahrhundert eingeführt worden, als nur ein paar tausend Telefonleitungen existierten. Nach einer vorläufigen Aufhebung wurde die Steuer zur Finanzierung des ersten Weltkrieges 1914 wieder eingeführt und besteht seit 1990 in Höhe von drei Prozent, obwohl das Repräsentantenhaus bereits im Jahr 2000 für eine Abschaffung der Abgabe gestimmt hatte.

Der Neuentwurf des Gesetzes befinde sich erst in einer äußerst frühen Phase, beruhigte IRS-Sprecherin Tara Bradshaw. Derzeit erlaubt das letztmals 1965 geänderte Gesetz der IRS, eine dreiprozentige Steuer auf Kommunikationsservices zu erheben. An VoIP-Gespräche war damals freilich noch nicht zu denken. Bis zum 30. September dieses Jahres wartet die IRS auf öffentliche Stellungnahmen zu diesem Thema.

Zurzeit telefonieren rund 2,8 Millionen US-Amerikaner über ihren Breitbandanschluss. Analysten erwarten ein bedeutendes Wachstum der Branche innerhalb der kommenden fünf Jahre. Schon jetzt wird jeder zehnte Anruf, den ein Unternehmen in den USA tätigt, komplett über das Internet abgewickelt. Staatliche Behörden fürchten den Verlust von Millionenbeträgen, wenn noch mehr Telefongespräche per Internet geführt werden.

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