Oracle: Peoplesoft-Übernahme fordert Opfer

Oracles Aktienkurs schwächelt und Peoplesofts Geschäfte leiden - SAP bislang der große Gewinner

Beim noch laufenden Versuch von Oracle, seinen Konkurrenten Peoplesoft zu übernehmen, stieß das Unternehmen bislang an allen Ecken und Enden auf Schwierigkeiten. Doch das könnte erst der Anfang sein. Ab dem kommenden Montag wird ein Gericht darüber entscheiden, ob die angestrebte Übernahme mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Die US-Behörden haben diese Frage bereits verneint und auch in Europa steht man dem Deal eher ablehnend gegenüber.

Der Prozess beginnt also fast genau ein Jahr nachdem Oracle am 6. Juni 2003 überraschend angekündigt hatte, den Hersteller von Business-Software übernehmen zu wollen. Obwohl ein Urteil innerhalb von vier bis acht Wochen erwartet wird, sehen viele das Ende der Auseinandersetzung noch nicht gekommen.

Sollte sich das US-Justizministerium vor Gericht durchsetzen, wird Oracle mit Sicherheit in Berufung gehen. Trägt Oracle den Sieg davon, muss Ellison auch die Wettbewerbsbehörden auf der anderen Seite des Atlantiks überzeugen.

Eine weitere Herausforderung dürfte das Peoplesoft-Board darstellen, das bislang vier verschiedene Übernahmeangebote von Oracle entschieden zurückgewiesen und eine sogenannte „Giftpille“ in Form von Geld-zurück-Garantien initiiert hat, die Larry Ellison gegebenenfalls einige Milliarden Dollar kosten könnten. AMR Research-Analyst Jim Stepherd kommt in Anbetracht dieser Fakten zu dem Schluss, dass sich die Auseinandersetzung noch mehr als ein Jahr hinziehen könnte.

Oracles Hartnäckigkeit hat jedoch ihren Preis. Sowohl das Ellison-Unternehmen als auch Peoplesoft mussten aufgrund der Übernahmeschlacht Federn lassen. So hat sich der unsichere Ausgang negativ auf den Aktienkurs von Oracle ausgewirkt. Trotz steigender Einnahmen durch Lizenzen näherte sich dieser am gestrigen Mittwoch seinem 52-Wochen-Tief von 11,15 Dollar. Zu Beginn der Woche sagten Analysten von Prudential, dass die Wachstumsperspektiven für Oracle ohne Akquisitionen „begrenzt erscheinen“.

Die Auseinandersetzung hatte für Peoplesoft nicht nur negative Auswirkungen auf den Aktienkurs, sondern auch die Geschäfte leiden unter der unsicheren Situation. Vertreter des Unternehmens räumten ein, dass trotz der zeitweise angebotenen Geld-zurück-Garantie die Verkäufe in letzter Zeit gelitten haben. Zudem werde das Unternehmen mit den Kosten des Prozesses und damit zusammenhängender Bereiche belastet.

Diese Entwicklungen haben den Aktienkurs von Peoplesoft ins Rutschen gebracht. Am Dienstag schloss das Papier bei 17,65 Dollar, was deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 24 Dollar vom Januar liegt. Aufgrund des gesunkenen Unternehmenswertes hat Oracle sein Angebot bereits nach unten angepasst und will statt 26 Dollar pro Aktie nur noch 21 Dollar zahlen.

„Das Übernahmeangebot von Oracle hat sich ganz klar schädlich auf die Geschäfte von Peoplesoft ausgewirkt. Sie haben das ja offen zugegeben. Man konnte auch keine Flut von Abschlüssen beobachten, nachdem das Justizministerium bekannt gegeben hatte, gegen den Deal vorzugehen“, fasste Pacific Crest Securities-Analyst Brendan Barnicle das Problem zusammen.

Der Situation insgesamt dürften auch die großspurigen Ankündigungen von Oracle-Boss Larry Ellison nicht zuträglich gewesen sein, Peoplesoft im Falle der Übernahme zu eliminieren. Obwohl Oracle aufgrund von starken Protesten inzwischen zugesichert hat, die Produkte des Unternehmens noch für einen Zeitraum von zehn Jahren zu supporten, sind Peoplesoft-Kunden noch immer beunruhigt.

Während Oracle und Peoplesoft in der Öffentlichkeit und vor Gericht miteinander ringen, haben Analysten zufolge beide Unternehmen gegenüber dem großen Konkurrenten SAP im letzten Jahr an Boden verloren. SAP ist der Marktführer im Bereich Business-Applikationen und das mächtigste Unternehmen auf diesem Gebiet. Die Verkäufe der Walldorfer entwickeln sich sehr gut, insbesondere auch in den USA.

Zudem hat SAP nach Meinung von Analysten im Gegensatz zu Peoplesoft und Oracle große Fortschritte bei seinen Produkten gemacht. So habe das Unternehmen inzwischen Applikationen in seinem Portfolio, deren Anpassung und Installation deutlich einfacher geworden sei. „Ich sehe keine neuen, groß angelegten Initiativen aus dem Oracle- oder Peoplesoft-Camp“, beschreibt Forrester-Analyst Byron Miller die Situation. „Sie waren das ganze Jahr gelähmt, das hat für SAP einige Möglichkeiten eröffnet.“

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