Computer Associates: „Linux oder Tod“

CA verkündet seine massive Unterstützung des Open Source-Lagers: Auf seiner World-Conference in Las Vegas hat Computer Associates (CA) überraschend mehrere Beiträge zur Open Source-Community mitgeteilt. ZDNet sprach noch vor der offiziellen Verlautbarung mit dem für den Strategiewechsel verantwortlichen CA-Manager Marcel den Hartog.

In Las Vegas wagte Computer Associates (CA) einen Vorstoß in Sachen Open Source. So wird man künftig die hauseigene Datenbank Ingres öffentlich machen, genauso wie das Kernel Generalized Event Management. Zudem geht man Allianzen mit Jboss und Zope ein. ZDNet sprach mit dem Software Architect Linux Technology Solutions Marcel den Hartog, der maßgeblich an der neuen Strategie mitarbeitete.

ZDNet: Sie werden heute einen großen Schritt auf die Open Source-Community zu machen. Können Sie uns das näher erläutern?

Den Hartog: Wir sind mit Linux schon seit langem beschäftigt und haben bald bemerkt, dass die Entwicklung rund um das Open Source-Betriebssystem höchste Aufmerksamkeit verdient. Nicht nur wegen Linux selbst sondern wegen der Art, wie dort Software gemacht wird. Allerdings haben wir auch bemerkt, dass mit Linux etwas nicht stimmt – um das in Ordnung zu bringen, so wurde uns klar, können wir aber intervenieren. Plötzlich waren wir dabei, selbst Code an die Community weiterzugeben, um eben an Linux etwas zu verbessern. Allerdings war das alles andere als einfach: Wenn man eine unabhängige kapitalistische Softwarefirma ist, die etwas an einer nach einem sozialistischen System entwickelten Software ändern möchte, dann wird es schwierig. Also mussten wir die Community etwas besser kennen lernen – nicht nur die Linux- sondern die gesamte Open Source-Community. Zuerst haben wir uns angesehen, was bei den Clients passiert – natürlich weil dort die Entwicklung begann und das Betriebssystem vergleichsweise billig war. Heute hat sich das geändert und Open Source wird als Business-Lösung akzeptiert. Und der Anschaffungspreis ist daher nicht mehr so relevant, denn man hat erkannt, dass man Geld dafür ausgeben muss, dass das Betriebssystem auch wirklich läuft. 80 Prozent aller Kosten rund um Linux entstehen ja erst nach der Installation…

ZDNet: Ja, aber was genau wollen Sie nun beitragen?

Den Hartog: Wie gesagt, die Idee hinter Open Source faszinierte uns. Vor neun Monaten dann kamen wir zu der Überzeugung, dass dieses Modell für die gesamte Welt von solcher Bedeutung ist, dass wir – meiner Meinung nach – unbedingt dabei sein mussten. Die Frage war: Teil der Bewegung zu sein und überleben oder es zu ignorieren und zu sterben. Also haben wir uns einen Kopf gemacht, wie wir in der Open Source-Community besser akzeptiert werden. Das können Sie nur auf zwei Wege schaffen, einer davon ist es, Code beizusteuern. Also haben wir geguckt, was wir aus unserem Programm Open Source machen können. Meine Abteilung hat vorgeschlagen, ein bestimmtes Produkt frei zu geben, nämlich die Ingres Relational Database. Das wurde jedoch mehrfach abgelehnt. Erst als wir Analysten eine neue Version davon zeigten – da bestanden schon weite Teile davon aus Open Source – änderte sich das. Sie sagten uns, Ingres konkurriert auf der einen Seite mit Oracle, auf der anderen Seite mit MySQL. Das würde es nicht einfach machen: Oracle hat den Markt zu weiten Teilen besetzt, MySQL gewinnt immer mehr Marktanteile hinzu. Also haben wir doch noch beschlossen, Ingres ebenfalls Open Source zu machen.

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