Smartphones: Es wächst zusammen, was zusammengehört

Der Personal Digital Assistant (PDA) hat seine Schuldigkeit getan, der PDA kann gehen. Diesen Schluss ziehen Analysten aus dem erstaunlich guten Absatz von Handys und dem erstaunlich schlechten Absatz von Handheld-Computern im vergangenen Weihnachtsgeschäft 2003.

Die Marktforscher von Canalys haben ausgerechnet, dass von Oktober bis Dezember 2003 rund 3,5 Millionen Menschen mit einem neuen Smartphone ausgestattet wurden, nur etwa halb so viele haben im selben Zeitraum ein PDA bekommen.

Zeit wurde es, denn die Branche weiß längst, dass Smartphones Adressen und Termine genau so gut verwalten können wie PDAs, oder wie ärgerlich es unterwegs ist, beim Telefonieren mit zwei Geräten hantieren zu müssen. Geräte, die beides können, werden daher von Microsoft seit rund drei Jahren propagiert, ungefähr so lange, wie Handspring versucht, seine telefonierfähigen Treo-Handhelds an den Markt zu bringen. Reüssieren konnten beide Firmen trotz einer brennenden Nachfrage lange nicht. Warum?

Richtig ist, dass die System-Software von Microsoft noch nicht reif genug war und auch die Handspring-Geräte mit ihrem Ohrstöpsel nicht unbedingt den nötigen Telefonkomfort boten. Außerdem haben sich Handhelds mit ausklappbaren Tastaturen, die es so für das Telefon noch nicht gibt, zu hervorragenden Notizblöcken entwickelt.

Doch das größte Problem – selbst für den Weltkonzern Microsoft – bestand darin, Partner für die Smartphone-Technik zu finden. Der Grund: Die Handy-Hersteller und die Mobilfunkindustrie wollte das Geschäft nicht den PDA-Anbietern überlassen. Zudem erschienen den massenmarktorientierten Mobilfunkern Adress- und Terminverwaltung als wenig sexy und die Marktnische der Businesskunden verdächtig klein.

Wichtig auch: Die Geräte waren zu teuer. Eine zusätzliche Subventionierung hätte die Branche überfordert. Während die klassischen Handys mit Vertragsbindung nahezu kostenlos abgegeben werden, muss man bei Smartphones noch mehrere hundert Euro drauflegen.

Doch die Mobilfunkbranche hat inzwischen ihr Geschäftsmodell gefunden. Fast alle Unternehmen sicherten sich Anteile an dem Symbian-Betriebssystem und liefern ihre Geräte damit aus. Nicht Palm oder Microsoft machen daher in Europa das Geschäft, sondern – in Europa – Nokia mit fast 74 Prozent Marktanteil. Mit großem Abstand folgen Sony-Ericsson mit zehn Prozent und Siemens mit fünf Prozent. Langsam kommt auch Microsoft ins Spiel. Nach Motorola hat der US-Konzern nun auch Siemens und O2 für sein Pocket-PC-Betriebssystem gewonnen. Abgeschlagen ist dagegen Palm mit seiner Konzerntochter Handspring. Während erstere bis zur Handspring-Übernahme kein Interesse an Smartphones zeigte, ist es dem kleinen und zudem in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Treo-Hersteller nie gelungen, engagierte Mobilfunk-Partner zu finden. Nun hechelt das Unternehmen Microsoft und den Symbian-Anbietern hinterher.

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