RealNetworks: Nicht nur Microsoft ist Schuld

Die Botschaft der von RealNetworks in den USA angestrengten kartellrechtlichen Klage gegen Microsoft ist offensichtlich: "Räuberisches Verhalten" von Seiten Microsofts ist verantwortlich für entgangene Geschäfte durch die dem Digital-Media-Unternehmen ein Schaden entstanden ist, der möglicherweise eine Milliarde Dollar übersteigt.

Ungeachtet der Erfolgsaussichten der Klage ist der Widerstand von Microsoft jedoch nur Teil einer bemerkenswerten Reihe von Problemen, mit denen RealNetworks zu kämpfen hat. Der Internetpionier mit Sitz in Seattle kämpft seit Jahren mit internen und externen Herausforderungen, dazu zählen auch neue Technologien, strategische Fehler und ganz gewöhnliches Pech, die nichts mit dem am anderen Ende der Stadt beheimateten Rivalen zu tun haben.

Es würde wohl niemanden schockieren, wenn herauskäme, dass Microsoft – ein für sein hartes Geschäftsgebaren bekanntes Unternehmen – RealNetworks in seiner Wettbewerbsfähigkeit beschnitten hat. Das Ausmaß derartiger Widrigkeiten ist aber nur schwer einzuschätzen, wenn es sich bei dem Kläger um einen der wenigen Überlebenden der Dot-Com-Implosion handelt, der gezwungen war, sich selbst ein ums andere Mal neu zu strukturieren, um in einem der ungewöhnlichsten Zyklen aus Hochkonjunktur und Pleitewellen, den die Wirtschaftsgeschichte je erlebt hat, obenauf zu bleiben.

„Zunächst ging es darum, den Player herauszubringen, dann waren es der Premium-Player und Server-Software, dann Middleware und ein Abo-Service. Jetzt sind sie im Spiele- und im Musikgeschäft“, sagt ein ehemaliger Manager von RealNetworks, der darum bat, seinen Namen nicht zu veröffentlichen. „Real hat es sich nie leisten können, einem Projekt Zeit einzuräumen, damit es sich entwickeln kann. Bei Microsoft wird in Zeiträumen von 10 Jahren gehandelt. Bei Real sind es drei Monate.“

Ein unvermeidliches Nebenprodukt der wahnsinnigen Geschwindigkeit, die es braucht, um der Konkurrenz immer eine Nasenlänge voraus zu sein, ist ein streckenweiser Blindflug bei strategischen Manövern. Nach Ansicht von Kritikern war es eine der größten Verfehlungen von RealNetworks, den Boom im Bereich der Downloads von digitaler Musik und der Tauschbörsen zu übersehen.

Die von dem Unternehmen lange Zeit bevorzugte Live-Streaming-Technologie wurde 1999 schnell von Tools in den Schatten gestellt, die es ermöglichten, Musik im Digitalformat über das Internet zu tauschen, Songs auf dem PC zu speichern und individuell zusammengestellte CDs zu brennen. Das sprunghafte Anwachsen des Dateiaustauschs wurde von bedeutenden Fortschritten im Breitband-Bereich noch gefördert, die zu einer weiteren Verbreitung schneller Internetanbindungen führten.

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