Jeder fünfte IT-Euro fließt ins Outsourcing

Studie: "Deutschland verharrt im industriellen Zeitalter"

Offshore-Outsourcing, also die Verlagerung von Geschäftsprozessen in hauptsächlich asiatische Länder, ist neben Nearshore-Outsourcing, der Verlagerung in osteuropäische Länder, eine wirtschaftliche Notwendigkeit für jedes Unternehmen, das im internationalen Wettbewerb bestehen muss. Zu diesem Schluss kommt eine von dem Düsseldorfer Beratungsunternehmen Harvey Nash erstellte Studie. Besonders im Finanz- und Dienstleistungssektor sowie in der Informationstechnik- und Telekommunikations-Branche (ITK) sei Offshore-Outsourcing unerlässlich. In den nächsten vier Jahren soll jeder fünfte Euro aus den IT-Budgets in das Outsourcing fließen.

Die internationale Verlagerung von ganzen Geschäftsprozessen sei in der Wahrnehmung nur hier zu Lande ein neues Phänomen: „Die deutsche Politik und Wirtschaft hat zu lange die Vorstellung von Deutschland als eines Standortes für Hochtechnologie gepflegt, der immer noch im industriellen Zeitalter verharrt. In den international boomenden Dienstleistungsbranchen ist Deutschland jedoch eine vertrocknete Quelle“, kritisiert Harvey-Nash-Geschäftsführer Udo Nadolski. Nach seiner Ansicht zeichnet sich hinter den aktuellen Offshoring-Diskussionen ein neues Strukturproblem ab: Die verspätete Erkenntnis, dass auch Hochtechnologie- und IT-Entwicklung in anderen Ländern in gleicher Qualität und dabei preiswerter ausgeführt werde.

Für Nadolski bestätigt die Studie, was sein Unternehmen im internationalen Bereich seit einigen Jahren in vielen Projekten an Erfahrung sammelt: „Outsourcing im internationalen Rahmen ist keine Frage von Patriotismus, sondern von Wettbewerbsfähigkeit, der Anpassung an dynamische Märkte und veränderte Rahmenbedingungen. Nicht die Frage ob, sondern wie ich Offshore-Outsourcing mache, in welcher Form und Organisation, steht im Zentrum der Planung unserer Kunden.“ Die Organisation des Outsourcings ist für Nadolski der entscheidende und erfolgskritische Faktor bei einem Projekt.

Nach der Studie von Harvey Nash wird in den nächsten vier Jahren der Anteil von Outsourcing an den gesamten ITK-Budgets in Deutschland auf rund 20 Prozent steigen – davon werden wiederum rund 50 Prozent durch Offshore-Anbieter erfolgen. Offshore-Outsourcing wird somit zum alltäglichen Phänomen. Angesprochen auf die Kostenvorteile durch Outsourcing sieht Nadolski auch unter Berücksichtigung aller Schnittstellen- und Kommunikationskosten immer einen Netto-Vorteil von mindestens 25 bis 40 Prozent. Für die Wahl von Offshore-Partnern sprechen nach der Studie die hohe Qualität der asiatischen Anbieter – rund die Hälfte der mit dem höchsten Qualitätslevel für IT-Entwicklung (CMM 5) zertifizierten weltweiten Anbieter sind in Asien beheimatet – wie auch die Tatsache, dass die stärksten Wachstumsmärkte der Welt in den nächsten Jahren dort zu finden sind. „Mit jedem weiteren Projekt im internationalen Rahmen wachsen Erfahrung und Techniken in der Vorgehensweise. Gerade beim Outsourcing von Dienstleistungsprozessen können deutsche Kunden von der internationalen Erfahrung der Anbieter profitieren“, fügt Nadolski im Hinblick etwa auf die Finanzdienstleister und die ITK-Branche hinzu.

Themenseiten: Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Jeder fünfte IT-Euro fließt ins Outsourcing

Kommentar hinzufügen
  • Am 1. April 2004 um 12:59 von Wolfgang Pfeifer

    Toll !
    Warum masst sich Herr Nadolski an, ein derart komplexes Problem wie Outsourcing / Offshoring mit derart pauschalen Parolen abhandeln zu können.
    Die genannte Studie ist doch wohl alles andere als tiefgehend recherchiert, wenn sie zu einem derart plakativen Ergebnis kommt. Hier werden doch nur Meinungen kolportiert und keine Erkenntnisse.
    Am gleichen Tag erschienen:
    http://www.crn.com/sections/BreakingNews/dailyarchives.asp?ArticleID=48999
    Offensichlich hat da jemand etwas länger nachgedacht und ist auf Fragen gestossen, die bei der hier im Artikel genannten Studie gar nicht auftauchen.
    Da erscheint dann das Thema Patriotismus in einem ganz anderen Licht. Werftindustrie und Elektronik haben gezeigt, wohin das von Herrn Nadolski gepredigte Modell führt.
    Vielleicht sollten WIR diesmal ausnahmsweise mal smart sein …

    Mit vorzüglichen Grüssen
    Wolfgang Pfeifer

  • Am 1. April 2004 um 19:12 von Wolfgang Froch

    Weiterbildung statt Outsourcing
    da kann ja kein Geld für Fortbildung übrig bleiben! GreenCard’s forever…

  • Am 5. April 2004 um 19:56 von Rookie

    steigende Qualität?!
    In eiem namhaften TK-Unternehmen kommen auf einen "qualitativ hochwertiger" indischen Entwickler bis zu zwei deutsche Code-Kontrolleure… Ist doch optimal um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen oder? Wenn die Politiker das wüssten, würden sie alle per Gesetz zum Outsourcing verpflichten!

  • Am 25. April 2004 um 6:32 von Martina Edler

    Offshore Outsourcing sinnvoll
    Offshore Outsourcing ist sinnvoll – sowohl volkswirtschaftlich (nachzulesen in Büchern über Außenhandelstheorie) als auch betriebswirtschaftlich für Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb bestehen müssen. Dass sich die persönlich negativ Betroffenen (oftmals in der Hype angelernte "Programmierer") stärker artikulieren als die vielen Begünstigten (Exporteure und Kunden, die von langsamer steigenden oder fallenden Preisen profitieren), ist klar und darf den Blick auf die gesamtwirtschaftliche Situation nicht verstellen.

    Und wenn die Qualität nicht stimmen würde, gäbe es nicht solche Wachstumsraten. Die Kundentreue scheint bei Offshoreanbietern im übrigen höher zu sein als bei klassischen Systemintegratoren. Woran das wohl liegt?

    Martina Edler
    Abips GmbH – Offshore Outsourcing

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *