US-Außenministerium schießt gegen Microsoft-Urteil der EU

Fall wird zum Politikum - in den USA kochen die Emotionen hoch

Die von der EU-Kommission gegen Microsoft verhängte Strafe in Höhe von 497 Millionen Euro wird zum Politikum. Nachdem sich in der letzten Woche bereits einige US-Politiker negativ über das Urteil äußerten, hat sich nun auch das US-Außenministerium eingeschaltet.

„Das Außenministerium war in eine vertrauliche Unterredung involviert, die den Handelnden die Tragweite und mögliche Probleme aus dem Urteil klar machen sollten“, sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums, der nicht genannt werden will. Offizielle Vertreter des Ministeriums waren zu keiner Stellungnahme bereit.

Der in den USA gegen Microsoft angestrengte Anti-Trust-Prozess wurde von der Bush-Regierung mit relativ schwachen Auflagen außergerichtlich beigelegt. Neun von 18 klagenden Bundesstaaten akzeptierten die Einigung. Die anderen wollten sich damit nicht zufrieden geben, konnten aber auch durch einen monatelangen Prozess mit hochkarätigen Zeugen keine zusätzlichen Auflagen gegen Microsoft erwirken. Einzig Massachusetts versucht durch einen erneuten Berufungsprozess, das Urteil doch noch zu kippen. Rechtsexperten räumen der Berufung jedoch nur geringe Chancen ein.

Auch im EU-Prozess, in dem es um das Bundling des Windows Media Players und um die Veröffentlichung von Schnittstellen für Server-Betriebssysteme geht, hat Microsoft keine Zweifel daran gelassen, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Als erstes will Microsoft den Präsidenten des Europäischen Gerichtshofs Erster Instanz, Bo Vesterdorf davon überzeugen, die Auflagen bis zur juristischen Klärung des Falles auszusetzen.

Derweil kochen in den USA die Emotionen hoch. So befürchtet Bill Frist, Mitglied des US-Senats, einen Handelskrieg zwischen der EU und den USA. Mit dem Urteil gegen Microsoft sei der erste Schuss gefallen.

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12 Kommentare zu US-Außenministerium schießt gegen Microsoft-Urteil der EU

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  • Am 31. März 2004 um 19:05 von WDKrüger

    Gebaren einer Supermacht
    Es ist bedrückend zu sehen, wie wenig Respekt amerikanische Politiker und die amerikanische Regierung vor anderen Meinungen, Ansichten und Systemen haben.
    Ich finde, das Beispiel Münchens sollte Schule machen.

  • Am 31. März 2004 um 19:07 von Der Meinungsforscher

    So so … USA vs. EU …
    … and the winner is …. M$

    Machen wir uns doch nichts vor: Wer den grossen Bruder herausfordert, der muss damit rechnen, dass er was auf den Deckel kriegt. War doch klr, dass sich das die Amis nicht kommentar- u. tatenlos gefallen lassen. Das ganze Ding geht nach hinten los, wetten? Zum Schluss des Rechtsstreits wird M$ keinen einzigen Cent abdrücken müssen. Vermutl. müssen sich die EUropäer noch für diese Gemeinheit gegenüber M$ entschuldigen …

    • Am 31. März 2004 um 19:51 von Intel inside? Nichts wie raus damit

      AW: So so … USA vs. EU …
      Wenn die Amis mit uns fertig sind, wird der zahnlose Tiger EU noch Schmerzensgeld an Billy zahlen müssen.
      Hoffentlich wird Schorsch bei der nächsten Wahl abserviert.

  • Am 31. März 2004 um 20:45 von LOGO Press

    Microsoft Urteil als Politikum
    Die Zeit der Unterwürfigkeit ist endgültig vorbei. Europa ist souverän – vor allem als mit Abstand größter Wirtschaftsraum der Welt.

    Europa braucht sich nicht von den Anwälten Microsoft´s, die jetzt Politiker vorschieben, weil sie ihre Felle wegschwimmen sehen, korrumpieren zu lassen!

    Was ist schon dabei, die Schnittstellenbeschreibungen besser zu veröffentlichen? Das könnte dem Wettbewerb nutzen. Aber das ist es, was Microsoft nicht will!

    Vielleicht wird es bald ein anderes Betriebssystem geben, das gut funktioniert, einfach zu bedienen und dazu noch vergleichsweise preisgünstig ist.

    Wenn die USA es auf Druck von Microsoft auf einen Handelskrieg ankommen lassen – dann bitte …

    Die USA haben mehr zu verlieren als Europa und der Rest der Welt.

  • Am 1. April 2004 um 7:40 von Gast

    Windows = Mac OS
    Andere Frage: Warum wird M$ verklagt und Apple nicht? MAC OS hat doch genau die selber Vormachststellung wie Windows. Als alternativen giebt es doch für den Mac auch nur Linux.
    Und im Mac OS ist doch auch alles Integriert.

    Die andere Sache ist doch die, wer Windows kauft und es benutzen will ist doch einverstanden mit dem was M$ macht. Wer nicht einverstanden ist, der soll es halt nicht nutzen.
    Deswegen verstehe ich die Rechtsstreitigkeiten nicht.
    Aber fakt ist, ohne Microsoft Windows geht doch garnix.

    • Am 1. April 2004 um 8:22 von Jack

      AW: Windows = Mac OS
      Dazu gibt es einiges zu sagen:
      1. hat Apple nicht annähernd die gleiche Marktdominanz wie Microsoft;
      2. muß nach Deiner Theorie im 2. Absatz niemand einen Mac kaufen, weil er sonst mit dem einverstanden ist, was Apple so treibt…
      3. weiß der normale Nutzer gar nicht, wie das System zurechtgebogen wurde, um Programme fremder Anbieter im direkten Vergleich schlechter aussehen zu lassen (Abstürze etc.)
      4. Ein Betriebssystem soll einen Rechner starten können und grundlegende Funktionen zur Verfügung stellen, die von darauf aufsetzenden Applikationen genutzt werden. Microsoft behauptete immer wieder, daß z.B. der IE so tief in Windows verankert ist, daß er gar nicht entfernt werden könne. Der IE ist aber eine Applikation, die grundlegenden Funktionen für den Zugang ins Internet werden dagegen beispielsweise durch die Treiber für Modems, ISDN-Karten etc. sowie das DFÜ-Netzwerk bereitgestellt. Der IE ist genauso wenig eine Betriebssystem-Funktion wie auch der Media-Player. Mit diesen mitgelieferten Programmen durchdringt MS aber den Markt, weil viele "Nur-Nutzer" nicht nach Alternativen suchen, wenn ein Programm bereits da ist. Ich persönlich ärgere mich beispielsweise, daß ich diese Nicht-Betriebssystem-Funktionen gar nicht oder nur mit hohem Aufwand aus dem System entfernen kann, weil mir der IE (konzeptionsbedingt!) zu unsicher ist und ich lieber Winamp etc. nutze.
      PS: Nach erfolgreichem Knoppix-Text, werde ich noch heute erstmals Linux fest installieren…

    • Am 1. April 2004 um 9:18 von Maclander

      AW: Windows = Mac OS
      MAC und Windows sind nicht zu vergleichen da der AppleComputer (also die Hardware) nur mit dem Apple Betriebssystem zusammen verkauft wird. Microsoft stellt hingen ja keine eigenen PC her.

    • Am 1. April 2004 um 9:27 von Vimes

      Ohne Windows geht gar nichts??
      Merkwürdig, ich nutze seit einiger Zeit fast nur noch Linux… und alles geht… Internet, E-Mail, Office… kein Problem… ich hab noch gar nicht gemerkt, daß ohne Windows gar nichts geht… naja, Spiele gibts mehr für MS. Aber ansonsten?

      Gerade was die Systemsicherheit angeht, kann ich mittlerweile nur noch lachen, wenn ich an Windows denke.

      MfG
      Vimes

    • Am 1. April 2004 um 12:15 von Harry

      AW: AW: Windows = Mac OS
      Den Kommentar finde ich gut, vor allem den Mut, selbst mal den Kreis derer zu verlassen, die es anscheinend als ihr Karma ansehen, M$ verwenden zu müssen. Ich persönlich nutze mittlerweile zu über 95% LINUX und Windows2000 läuft bei mir unter VMWare da, wo es hingehört: in einem Fenster !
      Ansonsten kann ich allen hier nur Mut machen, es wirklich mal zu versuchen. Die Fülle an Anwendungen unter LINUX (OpenOffice, SUN’s StarOffice, …) decken doch nun wirklich bei Weitem das ab, was "otto-Normalverbraucher" benötigt. Und ich kann nur weitergeben, was viele meiner "umgestiegenen Bekannten" und Kunden sagen: "…mit dem Einsatz von LINUX steigt die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems und das Verständnis dessen, wozu ein solches Betriebssystem zu leisten in der Lage ist…".

    • Am 1. April 2004 um 12:54 von Gigabryte

      AW: AW: Windows = Mac OS
      Viele Administrationstools eines Betriebssystems laufen mittlerweile webbasiert ab … und das ist auch gut so. Da gibt es natürlich auch die Notwendigkeit einen Browser mit dem Betriebssystem auszuliefern, da bin ich eher froh drüber.
      Meinetwegen mag dann jemand einen anderen Browser zum surfen benutzen. Diese Entscheidung ist ohnehin bewusst zu treffen und für den Rest ist es egal, die nehmen eben was kommt.
      Wahnsinn was es für einen Missionarseifer gibt bei Browser- und Betriebssystem-Fragen, die Energie würd ich mir mal an anderer Stelle wünschen.

  • Am 1. April 2004 um 8:53 von Stefan Brand

    Nur nicht nachgeben – Endlich zeigt jemand Stärke
    Hier zeigt sich mal wieder, dass es die aktuelle Regierung der USA nicht vertragen kann, wenn jemand ein gerechtfertigtes Urteil gegen ein amerikanisches (Sponsoren)Unternehmen fällt. Würde es anders herum sein, dann käme sicherlich der Hinweis: „Was geht das Euch an?“.

    Millionen-Prozesse wegen falscher Bedienung der Mikrowelle oder verschütten heißer Getränke werden anstandslos akzeptiert.

  • Am 1. April 2004 um 15:29 von Peter K. aus A.

    Gebahren eines Super-Möchtegern
    Ich finde, bisher kann ich fast allen Kommentaren zustimmen.
    Das schöne ist ja, läuft was der Wirtschaft verquer, muss immer die Regierung helfen, geht alles glatt, wird diese wieder abgewiesen.
    Sollte da nicht mal einiges an gespartem verwendet werden, um mal ein Deutsches, oder, wenn man so will, ein Europäisches Betriebssystem angeschoben werden, mal sehen, wann das unter irgendwelchen Pseudo-Software-Patenten von Seiten der USA verklagt wird…
    Oder geht Billy-Boy dann her und kauft alles und alle, damit es schlechter wird als Windows ;-(

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