Hinter den Kulissen: Killer-App gegen Musiktausch

Musikindustrie betreibt Lobbyarbeit für neues Filtertool in Washington

Eine bislang wenig bekannte Firma betreibt in der US-Hauptstadt Washington in den vergangenen Wochen fleissig Lobby-Arbeit für ihre Software. Das Tool von „Audible Magic“ soll aus Peer-to-Peer-Netzen urheberrechtlich geschütztes Material herausfiltern.
Das Unternehmen ist bei verschiedenen US-Behörden vorstellig geworden und hat dort seine Software demonstriert. Laut Aussage eines hochrangigen Kongressmitarbeiters, der namentlich nicht genannt werden wollte, rennt Audible Magic offene Türen ein: „Das ist absolut interessant hier im Regierungsviertel.“ Der Mann hatte die Vorführungen der Software gesehen.

Die aktuelle Lösung soll sich in bestehende P2P-Software integrieren lassen. Bisher haben die Hersteller von P2P-Tools stets behauptet, dass eine Filterung technisch nicht möglich sei. Zwar hatte ein Gericht schon Napster dazu verurteilt, das Unternehmen arbeitete dann zunächst mit gefilterten Dateinamen – bis die Benutzer die Files schlicht umbenannten. Der Chef des Branchenverbandes RIAA freut sich nun über Audible Magic für die Musikindustrie: „Die P2P-Community hat gesagt, dass sie das Filtern ernst nehmen wolle. Aber sie sagten, sie könnten nicht filtern. Wir sagen jetzt: Die gute Nachricht ist – Ihr könnt!“ Auf der Gegenseite hat P2P United bereits eine Demonstration des Tools angefordert. Zu diesem Verband gehören unter anderem Morpheus, Grokster und Edonkey2000.

Dass der neue Vorschlag für eine technische Lösung des Urheberrechtsproblems soviel Interesse hervorruft, liegt an der langen Entwicklungsgeschichte des Tools, das aus dem professionellen Studioumfeld kommt. Das Programm von Audible Magic wurde ursprünglich von Yamaha-Tontechnikern entwickelt, um für Filmproduktionen riesige Datenbanken mit Soundeffekten zu durchsuchen. Ende der neunziger Jahre entstand mit der Hilfe eines Ex-HP-Mitarbeiters daraus das Startup Audible Magic.

Das Unternehmen behauptet jetzt, seine Software könne dank psychoakustischer Modelle Songs erkennen, indem der Computer sie quasi virtuell anhört. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob das Material neu komprimiert wurde, einige Sekunden fehlen, oder anderweitig bearbeitet wurde. In den USA setzt bereits die der deutschen GEMA vergleichbare SESAC die Lösung ein, um die Radioeinsätze von Songs zu protokollieren und Tantiemen einzufordern.

Im P2P-Bereich forscht das Unternehmen schon länger. Es hat zwei Varianten des Tools fertiggestellt. Eine soll beim Provider sitzen und Übertragungen von Songs unterbrechen. Dafür hat das Unternehmen auch schon ein Gerät entwickelt, das ins Provider-Netzwerk eingeklinkt wird. Eine weitere Version des Programms kommt direkt in die Client-Software.

Dort hat Audible Magic seinen Code auch bereits in einer Open-Source-Version von Gnutella demonstriert – damit fanden auch die Vorführungen in Washington statt. Dabei überprüfte das Tool die Downloads, und nahm nach etwa einem Drittel oder der Hälfte der Übertragung Kontakt mit Audible Magics Datenbank auf. Der Download wurde dann unterbrochen. Ebenso verhinderte das Programm die Freigabe von Dateien, die es anhand seiner Datenbank identifizieren konnte.

In Washington wird nun diskutiert, ob man den P2P-Programmierern den Einsatz solcher Technologie vorschreiben solle. Dabei ist der technische Ansatz selbst natürlich immer angreifbar – gerade bei Open-Source-Projekten, die es vor allem für das Edonkey-Netzwerk gibt, lässt sich die Filterung immer entfernen. Zudem arbeiten einige der P2P-Netze bereits heute mit Verschlüsselung. Diese Codes müssten dann von einer Filter-Software geknackt werden. Stehen die Filter-Boxen aber beim Provider, geht der Kampf zwischen Musiktauschern und Plattenfirmen in eine ganz neue Runde.

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9 Kommentare zu Hinter den Kulissen: Killer-App gegen Musiktausch

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  • Am 4. März 2004 um 18:58 von klaus

    Irgendwie Blödsinn
    Irgenwie Blödsinn und erinnert an Don Quichote und den Kampf gegen die Windmühlen.

    Filtersoftware im Client->
    Machbar, aber entweder wird das rausgehackt, oder die User steigen auf andere Netze um.

    Filter-Boxen beim Provider->
    Meinen die damit die zentralen Knoten einiger P2P Netze oder die Knoten der Internetprovider.

    1. Knoten des P2P Netzes->
    Machbar, aber die User steigen auf andere Netze um.

    2. Knoten der Internet Provider->
    Die haben nicht verstanden wie das Internet funktioniert.

    Wieviele Gigabyte an Daten pro Sekunde sollen denn untersucht werden, bei allen Providern und allen Knoten.

    Da das Programm zumindest einen kleinen Teil einer Datei benötigt, um sie zu analysieren, müsste im Prinzip jeglicher Netzwerkverkehr mitgeschnitten und zwischengespeichert werden.

    Und:
    "seine Software könne dank psychoakustischer Modelle Songs erkennen, indem der Computer sie quasi virtuell anhört"

    Aber wohl nur solange die quasi unverschlüsselt am Stück gesendet werden wie im Radio.
    Eine einfache Verschlüsselung und Verschachtelung dürfte das "anhören" verhindern.

    Fazit:
    Evtl. eine Lösung um kommerzielle Tauschnetze wie Napster vor den Aktivitäten der eigenen zahlenden Kunden zu schützen und damit "legal" zu machen.

    Aber ganz gewiss keine allgemeine "Killer-App gegen Musiktausch" im Internet.

  • Am 4. März 2004 um 18:59 von N.N

    Killer-App gegen Musiktausch
    Diese Killer-App erscheint mir nicht ganz durchdacht. Es ist doch relativ leicht die übertragene Datei in Echtzeit mit einem geeignet überlagerten Zufallssignal zu verschlüsseln, sodass jeder Vergleich mit einer abgespeicherten Signatur ins Leere geht. Man gebe den Behörden ein halbes Jahr, um den Filter zu implementieren und der Community drei Tage, um ihn zu umgehen …

  • Am 4. März 2004 um 20:43 von jl

    leicht zu umgehen…
    Falls das ganze eingebaut werden sollte, dann werden über Kazaa und Co. eben keine mp3-Dateien mehr getauscht sonder zip/rar/ace-Archive

    • Am 4. März 2004 um 22:49 von o-brian

      AW: leicht zu umgehen…
      Ich denke auch das war ein schnellschuss der Musikbraanche gegen die Tauschbörsen, es ist doch jetzt schon usus ganze Alben oder sogenannte Discographien als Archiv zu tauschen. Wenn dann da die Archive in der Grössenordnung von 500 bis 700 MB erst entpackt und dann "virtuell gehört" werden gehen den Providern doch die Maschinen in die Knie. So viel Rechenleitung kann ein Provider gar nicht zur verfügung stellen. Viel Spass beim saugen…

    • Am 5. März 2004 um 8:44 von w

      AW: leicht zu umgehen…
      Ja, das klingt alles schon logisch, mit verschlüsselung und verpackung usw. …
      Aber habt ihr mal daran gedacht, daß selbst die dateinamen kontrolliert werden und damit ziemlich leicht eine Datanbankabfrage gemacht werden kann?
      Ergo: es wird weiterhin alles angeboten – nur gefunden wirds nicht, weil eine Veränderung des Namens natürlich auch nachsich zieht, dass der, der’s sucht auch diesen Namen wissen muß.
      In meinen Augen ist die einzige Möglichkeit (zumindest nach de-Rechtslage), ein Stückchen Musik aus dem Radio mitzuschneiden und dieses dann anzubieten, da das ja legal verbreitet werden darf, solange damit kein Geld gemacht wird und es außerdem auch keine unrechtmäßige Kopie eines Originals ist. Radio ist ja bekanntlich für alle da.

    • Am 25. April 2004 um 6:52 von ..hhhmmm..

      Na so ein Käse ..
      …eine Datei wie z.B. "Happy new year.txt" oder "Happy new year.rar" kannst du nicht einfach rausfiltern, nur weil es auch einen Musiktitel von ABBA gibt,der so heißt. Das würde gegen die Verfassung verstoßen (besonders gegen die der USA) = freie Meinungsäuserung. Denn es steht mir frei, meine Neujahrsgrüße so zu verteilen..

      Abgesehen davon scheinst Du weder von der Funktionsweise und Benutzung aktueller p2p-Systeme noch von den Möglichkeiten die einem jedes kostenlose Standart-Packprogramm seit zig Jahren bietet ’ne Ahnung zu haben, oder noch schlimmer,vorher nicht nachgedacht über das was Du geschrieben hast. Das entbehrt jeder Grundlage, technischer wie rechtlicher Natur.

      Nix für ungut,Grüße..

  • Am 5. März 2004 um 10:15 von Listener

    Verhältnisblödsinn -> Gebührenvorschlag a la Radio verfolgen
    Hört sich gut an ist aber Verhältnisblödsinn (s. and. tech. Komms hier). Warum wird nicht der einzig sinnvolle, einfache und gute Vorschlag der US-Konsumentenorganination umgesetzt: Bezahlung mit den Radio-/TV-Gebühren!! Musik ist frei verteilbar, über immer mehr Medien. Damit muss die Musikindustrie leben. Sie ist einfach zu gierig geworden. Mit den von allen Musikkonsumenten einfach bezahlten Gebühren müssten alle leben können.

    • Am 5. März 2004 um 19:29 von BKA2400

      AW: Verhältnisblödsinn -> Gebührenvorschlag a la Radio verfolgen
      Zum Glück sind die US-Amerikaner nicht so "beamtet" wie die Deutschen.Die würden sofort klagen, wenn sie wie wir, nur z.B. GEZ-Gebühren dafür zahlen müssten, das sie Musik empfangen könnten, nur weil sie die Möglichkeit hätten Musik downloaden zu können, weil sie einen PC besitzen.
      Wir müssen ja sogar zahlen wenn wir einen Fernseher haben und nicht mal einen Stromanschluss besitzen.

  • Am 5. März 2004 um 13:32 von Typler Durden

    dann brauchen wir auch keine flatrates mehr
    siehe Betreff,
    und dann geht das Geweine bei der Mogelkom los und wer sagt denn das das Problem löst.
    *mal eben auf ftp´s schaut*

    Grüsse Tyler Durden

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