Windows-Quellcode illegal im Internet

Microsoft bestätigt: im Internet werden Teile des Quelltextes von Windows 2000 und Windows NT verbreitet. 660 MByte des Betriebssystem-Codes sind inzwischen auf geschützten Webseiten, in IRC-Kanälen und in Filesharing-Börsen zu finden. Einer massenhaften Verbreitung steht somit nichts mehr im Wege.

Bereits seit einigen Tagen verbreitet sich im Internet eine 204 MByte große Datei, die Teile des Quelltextes von Windows 2000 und Windows NT enthält. War das File zuerst nur über den Internet Relay Chat und geschützte Webseiten unter Software-Freaks verteilt worden, so hat es nach Informationen von ZDNet jetzt auch den Weg in die Filesharing-Börsen gefunden. Damit steht einer massenhaften Verbreitung nichts mehr im Wege.

Ausgepackt belegt das Archiv rund 660 MByte, was in etwa der Größe eines CD-Rohlings entspricht. Das legt die Vermutung nahe, dass es sich um den Teil einer archivierten Kopie des Windows-Quelltextes handelt. Er wird insgesamt auf 40 GByte geschätzt. Für Microsoft ist es der erste Fall, bei dem ein so großer Teil des Quelltextes abhanden kam. Nach ersten Analysen handelt es sich bei den Sourcen nur um Bruchstücke, aus denen man kein lauffähiges Windows kompilieren kann. Es ist noch unklar, welche Teile des Betriebssystems in dem Archiv stecken.

Microsoft hat die Echtheit der Sourcen inzwischen in einer Pressemitteilung bestätigt: „Am Donnerstag hat Microsoft erfahren, dass Teile des Quelltextes von Windows 2000 und Windows NT illegalerweise im Internet verfügbar gemacht worden sind.“ Das Unternehmen will die Strafverfolgungsbehörden bereits eingeschaltet haben, spielt die Situation aber herunter. Microsoft-Sprecher Tom Pilla sagte: „Wenn ein kleiner Teil der Windows Quelltexte verfügbar wäre, ist das eher eine Angelegenheit von geistigem Eigentum als von Sicherheit.“

Das klang vor zwei Jahren noch ganz anders. Windows-Chef Jim Allchin sagte im Mai 2002 während des Kartellprozess gegen Microsoft, dass eine Offenlegung des Quelltextes „verheerend“ für die Sicherheit des Betriebssystems wäre. Allchin damals vor Gericht weiter: „Je mehr die Virenautoren darüber wissen, wie die Antiviren-Funktionen in Windows arbeiten, umso leichter wird es für sie, Viren zu schreiben, die diese Mechanismen ausschalten oder zerstören.“

Themenseiten: Betriebssystem, Windows, Windows XP

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8 Kommentare zu Windows-Quellcode illegal im Internet

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  • Am 13. Februar 2004 um 18:56 von email-lol

    Presse-Ente
    Also soo wild, wie das aufgebauscht wird, ist das doch gar nicht. Dutzende Universitäten haben Zugriff auf Teile des Windows Source Codes. Das, was jetzt öffentlich "geworden" ist, sind 660MB aus geschätzten 40GB (!!) des gesamten Source Codes.

    Also ich weiß nicht, was dieser Zirkus soll. Eher eine schöne PR-Kampagne, sonst nichts.

  • Am 13. Februar 2004 um 19:43 von ich will den code nicht

    Quark
    >Oliver Friedrichs von Symantec meint:
    >"Der Untergrund kann sich jetzt den
    >Code ansehen, ohne dass die
    >Security-Forscher die Chance haben, die
    >Lücken zuerst zu entdecken."

    Die kommen doch schon länsgt dran wenn sie wollen. Problem ist doch: die Sicherheitsleute bei MS tun viel zu wenig für ihr viel zu teuer Geld – daher auch die Milliarden Profite.

    >bleibt als Konsequenz wohl nur eine
    >vollständige Offenlegung des Codes.
    >Dadurch würde der bei Linux greifende
    >Schutzmechanismus auch bei Windows
    >funktionieren: Wenn jeder in den
    >Quelltext sehen kann, werden Fehler und
    >Schadfunktionen sofort entlarvt.
    NeNeNe.
    Open Source schafft bei gutem Code Vertrauen, bei schlechtem Code mehrt es das Misstrauen gegen ihn.
    Dafür sorgen dass die Arbeit von MS jetzt von extern für umsonst erledigt wird kann eine Offenlegung des Codes eher nicht.
    An Linux arbeite alle weil es allen gehört. Aber Monopol-MS zockt die Gewinne alleine ab. Was soll ich da helfen.

  • Am 14. Februar 2004 um 2:20 von Kisho

    Alles nur eine Frage der Zeit
    Momentan ist das kein Wunder mehr das immer mehr Quelltexte von Firmen im Netz auftauchen.
    Siehe Valve Source von HL2.
    Wie kam der Source aus dem Firmennetzwerk?
    Hacker waren das bestimmt nicht aber für die Medien doch ein gefundenes Fressen.

    Jetzt ist die Frage wie der Quelltext bei Microsoft die Wände verlassen hat.
    Ein Mitarbeiter, der den Quelltext verkauft hat?
    Hacker? (das wäre ja wieder die lustigste Theorie)
    Oder was auch schon oft vor kam, dass der Quelltext einfach auf dem Public WebServer von Microsoft liegt oder lag.
    Hinweis: Visual Studio .Net auf Microsoft Homepage

    Bin gespannt wie sich das weiter Entwickelt.
    Wird bestimmt Interessant wieviel Sicherheitslücken in den nächsten Wochen aufgedeckt werden, dank Quelltext oder auch nicht.

  • Am 14. Februar 2004 um 16:13 von FireBall

    GNU/GPL Software
    Wer ein paar Sachen im Quelltext gesehen hat wird sich wundern das Makefiles im Quelltext sind , sowie auch der halbe Quelltext vom Apache Server.

    Entweder ist der Quelltext ein Medienjucks oder Mircosoft klaut gerne von Open Source Produkten

  • Am 15. Februar 2004 um 23:55 von Joe

    Was solls
    Also so schlimm ist es doch gar nicht – selbst die Bundeswehr hat von Windows NT den Quellcode – Warum machen blos alle so einen Wind darum – das ist doch nur ein kleiner Teil.

    Hey – von Linux ist der komplette Quellcode im Internet – der ist viel interessanter

  • Am 16. Februar 2004 um 15:25 von Ernie

    Fake?
    Und was, wenn Microsoft einfach die letzten User von NT und W2000 auf XP einnorden will? Wenn die beiden doch jetzt so anfällig für Viren werden, da steigt man doch lieber auf XP um, gelle?

    • Am 16. Februar 2004 um 19:51 von FireBall

      AW: Fake?
      Windows XP = NT Basis
      Windows XP wird ausserdem als NT 5.1 erkannt.
      Von daher lässt es sich schliessen das es nur ein erweitertes Windows 2000 (NT 5.0) ist.

      Zu einem anderen Kommentar noch:
      Der Linux Quelltext ist auch bewusst im Internet, da Linux OpenSource ist.

  • Am 17. Februar 2004 um 0:01 von Gustav Grewe

    Abgestumpfte User-Nerven
    Mit den Windows-Sicherheits-Löchern geht es ähnlich wie mit Schreckensmeldungen im richtigen Leben: ihre Häufigkeit lässt den User abstumpfen. Jeder Schlag auf die selbe Stelle, das gibt eine dicke Hornhaut. Glücklich können sich die Anwender schätzen, die den Kurswechsel in den sicheren Hafen "Linux" geschafft haben. Oder auch die Besitzer einer stabilen Firewall, die sich wie ein Wachhund vor dem Windows-Käse postiert. Ich sage bewusst nicht "Schweizer Käse". Die Eidgenossen würde ich niemals beleidigen. Deren Käse hat nämlich Qualität.

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