SMS-Zoff: Verbraucherschützer rufen Pariser Kartellbehörde an

Angeblich Preisabsprachen zum Schaden der Verbraucher

Wegen angeblich überhöhter SMS-Preise in allen drei französischen Handy-Netzen haben Verbraucherschützer die nationale Kartellbehörde eingeschaltet. Die Organisation UFC-Que Choisir begründete ihre Beschwerde beim Pariser Wettbewerbsrat am Dienstag damit, dass die Betreiber Orange (France Télécom), SFR und Bouygues Télécom bei jeder Textnachricht eine Gewinnmarge von 82 Prozent einstrichen.

SFR bestritt die Vorwürfe und erklärte, die tatsächlichen Kosten lägen deutlich höher als von den Verbraucherschützern behauptet. Nach Angaben von UFC-Que Choisir kostet eine SMS die Anbieter unter dem Strich nur zwei Cent; berechnet werden die Handy-Botschaften den Kunden demnach aber üblicherweise zu 15 Cent, bei Pauschalangeboten sind auch SMS-Tarife von zehn Cent möglich. Allein durch die bloße Übertragung – ohne zusätzliche Einnahmequellen durch Sonderdienste wie Abstimmungen oder Gewinnspiele per SMS – erzielen die drei französischen Handynetz-Anbieter demnach in diesem Jahr einen geschätzten Gewinn von knapp einer Milliarde Euro.

Im vergangenen Jahr wurden laut UFC-Que Choisir in Frankreich 5,8 Milliarden der „Texto“ getauften SMS verschickt, 2003 dürfte ihre Zahl bereits 7,8 Milliarden erreichen. Drei Viertel der SMS-Nutzer sind demnach acht bis 24 Jahre alt. Wären SMS in Frankreich so günstig wie in Dänemark mit fünf Cent, verblieben den Betreibern immer noch eine Marge von 47 Prozent und jährliche Gewinne von 250 Millionen Euro, argumentierten die Verbraucherschützer.

SFR wies die Berechnungen zurück. Die tatsächlichen Kosten einer SMS lägen nicht bei nur zwei Cent, erklärte das Gemeinschaftsunternehmen des Mischkonzerns Vivendi und des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone. Bei der Berechnung der Gewinnmarge müssten SFR zufolge zusätzlich noch unter anderem Ausgaben für Investitionen, Datenübertragung und Abrechnung oder Kundendienst eingerechnet werden.

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