Open Source für den Mittelstand: Wachstum und Kostensenkung

Linux und Co. werden gerade von deutschen Unternehmen mit Interesse beobachtet. Der Grund: Sie erhoffen sich Einsparungen in nicht unerheblichem Maße. ZDNet sprach mit Analysten, Mittelständlern und den Anbietern von quelloffenen Lösungen für den Unternehmenseinsatz.

Die Systems 2003 in München hat es gezeigt: Open Source-Anwendungen sind vom deutschen Mittelstand nicht nur akzeptiert sondern auch gewünscht. Eine „Elefantenrunde“ unter Mitwirkung des Oracle Deutschland-Geschäftsführers Rolf Schwirz machte neben „Mobilität“ und „Reduzierung von Komplexität“ die „Konsolidierung auf Basis von Standards oder Open Source zur Kostensenkung“ als die drei Megatrends der Branche aus.

Schwirz bezeichnete Linux gar als Wachstumssegment Nummer 1 – kein Wunder, dass sein Unternehmen seit wenigen Monaten laut die Trommel für das von Linus Torvald entwickelte Betriebssystem rührt und seine Datenbanken darauf hin ausrichtet.

„Wir machen nirgends anders eine so starke Nachfrage nach Linux aus wie in Deutschland“, berichtete auch der Product Development Manager Alexey Kalgin vom russischen Antiviren-Experten Kaspersky. Zum Einsatz kommt Open Source in Unternehmen mittlerweile in den unterschiedlichsten Bereichen: Der Apache-Server hat sich laut Netcraft.com bis Mitte des Jahres einen Marktanteil von 62 Prozent erarbeitet; praktisch alle wichtigen Datenbanken wie Oracle, DB2, Informix oder MySQL/SAP sind auf Linux ausgelegt; sämtliche SAP–Systeme ebenso; und selbst das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schwört ähnlich wie immer mehr staatliche Stellen auf den Pinguin. Die Folge: Egal wen man auf der Systems fragte, eins war allen klar: Deutsche Mittelständler erhoffen sich von Open Source noch vor „Sicherheit“ deutliche Kostenersparnisse. Und die stellten beispielsweise Vertreter von IBM und Sun in erheblichem Maße in Aussicht.

Microsoft sieht diesen Punkt naturgemäß anders. In mittlerweile wenigstens drei Studien versucht der Redmonder Konzern nachzuweisen, dass der Umstieg von Windows auf Linux im Gegenteil mit Mehrkosten verbunden ist. Microsoft bietet unter anderem die die Infora-Studie zur Einsichtnahme an. Suse-Sprecher Christian Egle hatte die Strategie Microsofts bereits vor Monaten als Durchsichtig abgetan: „Microsoft hat nur wahr gemacht, was Sie bereits in den so genannten Halloween-Papieren angekündigt haben: sie werden versuchen, Linux mit TCO-Argumenten anzugreifen.“ Klar ist, dass ein weiterer, weltweit mit Argusaugen beobachteter GAU wie der Umstieg der Stadt München auf Suse Linux für Microsoft verheerend wäre. „Mit diesem richtungsweisenden Grundsatzbeschluss sichert
sich München nicht nur als erste deutsche Großstadt eine größere Herstellerunabhängigkeit ihrer IT-Infrastruktur, sondern setzt auch ein klares Zeichen für mehr Wettbewerb im Software-Markt. Die Vorgeschichte dieser Entscheidung hat ja bereits gezeigt, dass eine Konkurrenzsituation bei der Preisbildung offensichtlich gut tut“, hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude trotz persönlichem Einsatz von Microsoft-CEO Steve Ballmer erklärt.

Folgerichtig gab Ballmer an die Mitarbeiter die Losung aus: „Unter keinen Umständen gegen Linux verlieren.“ Dies rät auch der Burton Group-Analyst Gary Hein stets im Hinterkopf zu behalten: Open Source sei zwar eine viel versprechende Möglichkeit für den Unternehmenseinsatz, nie aber waren die Chancen auf billige Softwarelizenzen aus Redmond größer als heute. Die Verkaufsagenten Microsofts seien angehalten, die hauseigenen Produkte zu kleinstmöglichen Preisen feilzubieten – Hauptsache der Pinguin macht nicht das Rennen. CIOs und CEOs müssten hier eine genaue Kosten/Nutzen-Kalkulation durchführen.

Das bietet Microsoft: Die Business Solutions präsentierten auf der Systems 2003 unter dem Motto „Mittelstand hoch 3“ Finanzierungsangebote, Partnerkonzepte und das künftige Produktportfolio. Der konzern baut dabei auf fünf ERP-Lösungen: Navision, Axapta und Concorde sowie die Produkte Dynamics und Apertum. Die Produkte Navision – seit kurzem in der Version 3.7 auf dem Markt – sowie die Lösung Axapta, von denen Ausführungen für 80 verschiedenen Branchen vorhanden sind, sollen bis 2012 gepflegt und gesetzlichen Vorschriften angepasst werden. Mitte 2004 werden voraussichtlich beide Pakete im Release 4.0 vorliegen, wobei Navision unter anderem durch PPS-Funktionen für kleinere Unternehmen, ein Portal sowie Feature für die Teilzahlung und Storno erweitert werden soll. Axapta soll grundsätzlich um PPS-Bausteine sowie für das Service-Management ausgebaut werden. Der Support für Apertum läuft wie schon vorher bekannt gegeben 2010 aus. Zu Concord, das immerhin noch bei rund 1000 Kunden im Einsatz ist, wurden keine konkreten Aussagen gemacht. Darüber hinaus arbeiten die Redmonder an einer ERP-Neuentwicklung unter dem Namen „Green“. Dabei handelt es sich um ein Produkt, dass auf dem Microsoft Business Framework (MBF) und der technischen Plattform .NET basiert. Das erste Release ist zeitgleich mit Erscheinen des Microsoft-Betriebssystems „Longhorn“ geplant und für 2006 terminiert.

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